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 Das Titelbild:

"Die großen Drei" von Opel, vereint auf einem vor 50 Jahren erschienenen

Werbemotiv. Von vorn nach hinten Diplomat, Admiral und Kapitän. Beschafft hat

Olaf Trapp *136 das Bild für uns aus dem Opel Classic Archiv der Adam Opel AG.


Inhalt DZ 224:

- 50 Jahre KAD A

- Begegnung mit einem Admiral ‘38

- ALT-OPEL auf Kuba

- Autoabbruch Graferied, Schweiz

- Olympia Rekord ‘57

- Vergaser 32 DIDTA und 32 TDID
   warten prüfen, instand setzen und einstellen

- Bericht 10. ALT-OPEL Stammtisch Steiermark

- Aus der Geschichte der ALT-OPEL IG Folge 1:
    Die Kapitän-Lokomotive

- Opel Firmen- und Produktgeschichte

- Opel Kapitäne in der ehemaligen Sowjetunion

- Regellastkraftwagen

- DEUVET: TRANSIT WESTBERLIN

 

Die hier vorgestellten Inhalte sind nur eine Auswahl der tatsächlich im Heft behandelten Themen.

 

Auf die Homepage übernommene Themen sind:

- 50 Jahre KAD A

- Begegnung mit einem Admiral ‘38

- Olympia Rekord ‘57

- Aus dem Referat:
  Opel Firmen- und Produktgeschichte

- Aus der Geschichte der ALT-OPEL IG Folge 1:
    Die Kapitän-Lokomotive

- Technik (im Mitgliederbereich):
   Vergaser 32 DIDTA und 32 TDID
   warten prüfen, instand setzen und einstellen
 

 

 

 

50 Jahre KAD A – Teil 1

 

Einst das Spitzenmodell des Hauses, war der Kapitän ab 1964 Opels günstigstes Angebot für den Einstieg in die Oberklasse

 

 

 

 

Das Holzmodell trägt noch einen angedeuteten Hüftschwung

Eine weitere Aufnahme aus dem Designstudio. Die Form des Serienwagens wird bereits deutlicher erkennbar

1964 - ein Jahr, das keine Geschichte schrieb, nicht 1945, oder 1989, im Rückblick ein Durchschnittsjahr, doch auch mit  kleinen Besonderheiten. James Dean war schon lange tot, der Rock`n Roll aus den Rocking Fifties wurde leiser, Nierentische und Sputniklampen hatte sowieso schon jeder, die Epoche neigte sich dem Ende zu. Der Liter Normalbenzin kostete 53 Pfennige, das war teuer, und der Preis pro Einheit beim Telefonieren stieg von 16 auf 20 Pfennige. Das muss ein Jugendlicher von heute erst verstehen: pro Einheit Pfennige zahlen?

Unser gelobtes Wirtschaftswunder wurde zur Normalität, Henry Maske geboren und Heckflossen waren out (altmodisch), außer bei Mercedes.  Autos mit Panoramascheiben standen mit ersten Rostschäden bei den Händlern, nach vier Jahren durfte es auch rosten, und wer einen 10 Jahre alten Olympia fuhr, war Generationen hinterher. Total von gestern!

Hape Kerkeling wurde gegründet und VW baute den Fridolin für die Deutsche Bundespost.

Audi bastelte am DKW F 102 weiter, während in Köln der einmillionste  Gastarbeiter ankam.

Opel motorisierte Europa und die Produktvielfalt aus Rüsselsheim kam in Schwung.

In Schwung kam auch „Fantomas“ in den Kinos, während sich Eduard Zimmermann an „Vorsicht Falle“ übte. Porsche holte aus dem 356-Motor unglaubliche 75 bis 90 PS, als die Beatlemania den Kontinent heimsuchte: die Roaring Sixties  waren da. Eine neue Ära an deren Ende Personenkraftwagen ungeahnte PS-Zahlen erreichten. 5,4 Liter V8, 300 SEL 6.3, Muscle Cars und dann die Energiekrise.

Den Trend hatte Opel  erkannt. Hinweg mit Flossen und Schmalspurfahrwerk, den alten Kapitän-Motor  auf 100 PS ausgereizt und dann der Hammer: 1964 wieder ein Achtzylinder, diesmal in V-Form. 190 PS erregten die Fachpresse, 200 km/h noch mehr. Opel  beherrschte die linke Spur, auch wenn die Fahrwerke nicht innovativ waren. Die Reifen und Bremsen waren es auch nicht, also egal, Hauptsache schnell.

Die großen 3 wurden präsentiert. Kapitän-Admiral-Diplomat, kurz KAD-Reihe.

Heute erscheint es unverständlich, aber der einstige Oberklasse-Europäer KAPITÄN hatte Gummifußmatten und eine Magerausstattung. Die Sitzbank konnte auch nicht mehr begeistern. Außer im Autokino, was der Erstbesitzer aber aufgrund seines Alters anders sah. Die Dritt, Viert- oder Fünftbesitzer erkannten diese Vorzüge dann in den 70er Jahren.

Aus dem gleichen Blech entstand auch der Admiral. Feiner gemacht, mit Einzelsitzen und mehr Chrom, mit Handbremskontrollleuchte UND Rückfahrscheinwerfer.

In der obersten Liga spielte der Diplomat: Europas schnellste Serienlimousine, V8-Motor mit 2-Gang-Powerglideautomatikgetriebe, Servolenkung als Serienausstattung, auf Wunsch mit Schaltgetriebe. Praktisch nie damit ausgeliefert. Angeblich wegen Kupplungsproblemen. Hat in der Corvette aber auch funktioniert.

Ende einer Testfahrt?

Der Diplomat wurde von Opel ungewohnt aggressiv beworben

 

 

 

 

In der Vorserie – vielleicht war es nur ein Fahrzeug – hatte sich der Diplomat durch einige Karosserieelemente von den K-A-Modellen unterschieden: das Heckblech war anders geformt, ebenso die hintere Stoßstange, die an den Seitenwänden weiter hochgezogen war, wodurch die Blinker deutlich kleiner ausfallen mussten. Jedoch haben sich vermutlich die Kalkulatoren dagegen entschieden, denn in der Serie waren  alle Karosserien gleich.

Die Presse schrieb: „Opel in der Offensive“.

Viele Details der großen Opels sind an die Chevy-2-Linie angelehnt: Wie bei den Chevrolet Impala dominiert bei den KAD-Modellen die glatte Fläche, ein breiter Kühlergrill zwischen den Scheinwerfern, viel Kofferraum nach der Heckscheibe, metallicfarbene Ausstattungen. Vinyl das nach 50 Jahren noch neu riecht.

Recht wohlwollend äußerten sich die Tester der bekannten Zeitschriften. Man attestierte den Sechszylindermodellen guten Komfort und  befriedigende Fahrleistungen, aber der 2,6-Liter war veraltet, und in Verbindung mit der 2-Gang-Automatik empfahl ein Tester sogar, man möge zwischen 80 km/h und 120 km/h besser nicht überholen.

Wahre Begeisterung ergoss sich über den Diplomat: er sei sportlich zu fahren, dabei luxuriös und komfortabel, nur die Federung sei etwas hart ausgelegt, aber bei einem Wagen, der knapp 200 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht, müsse man Kompromisse eingehen.
Der Diplomat wurde auf der Solitude-Rennstrecke und auf der österreichischen Gaisberg-Rennstrecke getestet: „Kickdown mit Musik drin“. Diplomat-Fahrer könnten mit der großen Zehe das vollbringen, wozu ein Sportwagenfahrer Hände und Füße bräuchte.

Opel Diplomat V8!  Auf Augenhöhe mit Buick, Chevrolet und namhaften europäischen Luxuswagen.

Wieder einmal hatte die Moderne in Rüsselsheim Einzug gehalten. Die Verkaufszahlen sahen  deshalb im ersten Jahr recht ordentlich aus. Einen Kapitän konnte der geneigte Kunde für 10.990.- DM ordern, davon gab es 1964 über 9.000, während sich fast 20.000 Kunden für den  12.200.- DM teuren Admiral  entschieden und knapp über 1.200 gut Betuchte den V8-Diplomat bestellten, der mit 17500.- DM die Kasse belastete.

So wurden 1964 über 30.000 KAD-Modelle gebaut. Leider blieb das auch der Höchststand.

Wer konnte schon ahnen, dass Jahre später die Ölkrise kam und die KAD-Modelle auf Gebrauchtwagenmärkten verstauben sollten?

In einem Artikel über die Opel-Kapitän-Reihe einer Stuttgarter Autozeitschrift wurde es rückblickend drastischer formuliert: „…als Wagen für Zigeunerbarone war sein Schicksal besiegelt“.

Aber das ist eine andere Geschichte. Die nächste, im nächsten Zuverlässigen.

Literatur zum Thema:

Delius Klasing und Co, GEFAHREN UND GEPRÜFT. Opel Kapitän, Admiral, Diplomat V8. 1000 Autofahrer urteilen über Ihre Fahrzeuge.

Das Opel Kapitän Buch von Eckhart Bartels, Podszun-Verlag. Alle Daten, Fakten und Details in einem Buch. Muss man haben!

Schon gewusst?

-Die 2-Gang-Powerglide-Automatik der V8-Modelle hat eine Sekundär-und eine Primärölpumpe, somit können diese Fahrzeuge angeschleppt werden. Das Automatikgetriebe der 6-Zylindermodelle hat nur die Primärölpumpe, somit ist Anschleppen nicht möglich und es handelt sich hierbei auch nicht um Powerglidegetriebe.

- Als die 2,8-Liter-Motoren verbaut wurden, waren diese ROT lackiert. Manchmal sieht man heute noch einen Luftfilter in dieser Farbe, die haben nämlich länger gehalten als die Motoren.

-Die Heizungsregelung erfolgte mit Ranco-Thermostaten, wie sie auch bei Jaguar verwendet wurden. Hier regelte ein Temperaturfühler am Heizungskühler über ein Kapillarröhrchen den Wasserdurchfluss und hielt so die Temperatur konstant.

-Die Hinterachse der V8-Modelle stammt aus dem Pontiac-Regal.

 

Veranstaltungen : 08. August bis 10. August 2014, KAD-A-Jubiläumstreffen  in Lauda-Königshofen. Info Horst Wolf, wolf-opel-kad@gmx.de

 

Text: Claudius Kahl *869

Typreferent KAD A

 

Fotos: Opel Classic Archiv der Adam Opel AG, Archiv Eckhart Bartels *100, Archiv Claudius Kahl *869

 
Im Opel Verkaufsraum – neue Sachlichkeit in der Oberklasse

 

 

 

 

Die Krönung der Modellpalette stellte das Diplomat A Coupé dar

 

 

 

 

 

 

Gesucht wird dieser Diplomat-A 5,4. Er gehörte Heinz Wengert aus Konstanz,
der mit diesem Achtzylinder seinen Rennwagen zu Bergrennen zog.

Die Bilder wurden von mir 1983 aufgenommen, dann habe ich den Kontakt verloren.

Herr Wengert verstarb 1996 und der Diplomat wurde verkauft. 

Mehr oder weniger zufällig habe ich Kontakt zu  Herrn Wengerts Schwester aufnehmen
können und diese möchte (genau wie ich) wissen, wo sich der Wagen heute befindet.

Bin für Hinweise dankbar, kenne auch Episoden aus dem diplomatischen Leben.

 

 

Begegnung mit einem Admiral ´38

 

Am 1. September 1939 überfielen deutsche Wehrmachtstruppen von der Westernplatte vor Danzig aus unter dem Decknamen Barbarossa Polen. Schon nach zwei Monaten wurde dieser „Blitzkrieg“ gewonnen. Polen war fortan besetztes Gebiet.
Die Kriegswirren brachten es 1940 mit sich, dass mein Vater vom OKH (Oberkommando des Heeres) in Berlin beauftragt wurde, mit dem größten Teil seiner Belegschaft nach Minskmazowiecki, unweit von Warschau, in das besetzte Polen zu fahren. Dazu wurden wesentliche Teile der Werkstattausrüstung unseres Opel-Händlerbetriebes in Bonn – einschließlich sämtlicher Maschinen und Werkzeuge – per Eisenbahn an den neuen Bestimmungsort transportiert. Auch die gesamten Bearbeitungsmaschinen der Koblenzer Straße, die zum kompletten Überholen der Motoren dienten, mussten verladen werden. Diese standen fest montiert erst seit November 1939 auf der Motorenstandbühne in der ersten Halle. Dazu gehörten auch die neuen Drehbänke und die dazugehörenden Transmissionen.
Die Aufgabe meines Vaters war es, dort ein Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk „K-Werk Bachem“ (Kraftfahrpark) zu gründen, in der die defekten Fahrzeuge der Deutschen Wehrmacht repariert werden sollten. Da das Opelwerk in Rüsselsheim ab 1940 nicht mehr für den Privatmarkt und die Industrie Fahrzeuge produzieren durfte, war die Verlagerung für die Firma Bachem eine Möglichkeit, überhaupt weiter zu existieren und die eigenen Mitarbeiter zu dort beschäftigen. In Rüsselsheim wurde die gesamte Produktion auf Kriegswirtschaft umgestellt und zum Beispiel der legendäre Opel Blitz nunmehr als Militärfahrzeug hergestellt.

An Hand der 197 Feldpostbriefe, Fotos und Negative, die mein Vater von den vielen Standorten seines Einsatzes in Minskmazowiecki, Simferopol auf der Krim, Nikolajew, Odessa, Tiraspol, und schließlich Lemberg (Lviv) aufgenommen hatte, war es mir möglich diese in der richtigen Reihenfolge zu bringen. So entschloss ich mich im Laufe der letzten acht Jahre alle Orte zu besuchen um den Versuch zu unternehmen die ehemaligen K-Werke Bachem zu finden in denen bis zu 450 Fachkräfte arbeiteten. In vielen Fällen ist uns dies auch tatsächlich gelungen.
Ich möchte jedoch unseren Alt Opel Freunden von einem Erlebnis berichten, in dem ein Opel Admiral eine gewisse Rolle spielte:
Am 27. Juli 2013 flogen meine Frau Elke und ich schließlich nach Lemberg (Lviv) der heutigen Ukraine, jenem Ort, der eine Odyssee auf der letzten Etappe meines Vaters während des zweiten Weltkrieges war.
Lemberg hatte zum Zeitpunkt der Sowjets annähernd eine Millionen Einwohner bestehend aus Russen, Ukrainern, Juden, Polen, und einigen Deutschen. Nachdem die Ukraine nicht mehr Bestandteil der ehemaligen Sowjetunion ist, zählt die Stadt immerhin noch ca. sechshunderttausend Einwohner.
Ich hatte vor Antritt der Reise im Internet einen deutschsprachigen Reiseführer gesucht, der uns Lemberg und die Umgehung zeigen sollte. Dort angekommen stellte sich heraus dass besagter „Reiseführer“, Herr Hans Christian Heinz, ein Deutscher war, der in Lemberg mit seiner Familie lebt und an der Universität als Professor tätig ist.
Er holte uns gemeinsam mit seiner Frau am Flughafen ab und brachte uns zunächst in das von uns zuvor bereits gebuchte Hotel „Citadel Inn“.

Dieses Hotel diente im neunzehnten Jahrhundert tatsächlich als Zitadelle, war zu Sowjetzeiten ein Zuchthaus und wurde schließlich von einem ukrainischen Oligarchen in ein wunderschönes, ja ungewöhnliches Fünfsternehotel umgebaut. Nach einer kurzen Pause begann die Stadtbesichtigung. Herr Heinz wartete inzwischen. Es war ein sehr heißer Tag. Eigentlich von der etwas längeren Flugreise mit Umsteigen in München etwas kaputt, fuhr er uns zunächst durch die Stadt und führte uns anschließend auf den Berg „High Castle“, um uns ganz oben auf einer Aussichtsplattform das wunderschöne Panorama von Lemberg zu zeigen. Prof. Heinz war ein lebendes Lexikon. Er erzählte uns von der Geschichte der Stadt mit allen wichtigen Ereignissen, den unterschiedlichen Bewohnern im Laufe der Jahrhunderte, verbunden mit deren Daten und Jahreszahlen. Dies erfolgte in einer derartig geballten Fülle, so dass wir beim besten Willen nicht in der Lage waren alles in uns aufzunehmen.
Lemberg ist eine wunderschöne alte Stadt, die ihren Höhepunkt erlebte, als sie noch zu Österreich gehörte. Prächtige Straßen und Plätze umgeben von zum Teil sehr liebevoll restaurierten Häusern aus der Jugendstilzeit. Die Stadt wurde während des zweien Weltkrieges weder von den Deutschen noch von den Russen angegriffen, so dass noch alle Sehenswürdigkeiten erhalten sind.
Merkwürdiger Weise weiß heute niemand mehr wo sich die Waldkaserne Oswiecza befand in der mein kranker Vater gemeinsam mit Herrn Grün dort das K-Werk leitete. Selbst im historischen Museum, in dem lediglich ein Ausstellungsraum über den Zweiten Weltkrieg vorhanden war, konnte uns niemand diese Frage beantworten.

 


 

Herr Heinz hatte uns aus einem Lemberger Archiv zwei Stadtpläne aus dem Jahre 1944 besorgt, die von der deutschen Wehrmacht erstellt und mit deutschen Straßennamen versehen waren. Auf ihr befanden sich Informationen über Unterkünfte für Offiziere, Krankenhäuser, Melde- und Sanitätsstationen, Schwimmbäder, Kirchen und Friedhöfe. Aber auf keiner dieser Pläne und keiner Karte war ein einziger Hinweis auf die „Waldkaserne Oswiecza“.

So fuhr uns Herr Heinz von einer Kaserne zur anderen, in der Hoffnung dass ich zumindest ein Gebäude entdecken würde, in dem sich seinerzeit eine große Kfz.- Werkstatt befinden könnte. Aber mitnichten.

Als Nächstes besuchten wir den riesigen, gepflegten und interessanten, an einem Berg gelegenen Cytechakowa Friedhof. Hier befinden sich Gräber und Ehrenmale aus der Zeit Österreichs bis heute über Dichter, Künstler, aber auch von Deutschen, die dort bis 1939 lebten. Auch ein großer Soldatenfriedhof aus den beiden Weltkriegen wurde wieder hergerichtet und soll heute mit einem Denkmal zur Versöhnung der beteiligten Länder mahnen.

Wir besuchten die Altstadt, Museen eine Synagoge und mit viel Aufwand restaurierte, zum Teil barocke Kirchen. Diese dienten während der sowjetischen Zeit als Lager oder Pferdeställe. Selbstverständlich wurden auch Geschäfte aufgesucht. Fast alle bekannten Marken und Firme sind dort vertreten. Die ausgezeichneten Preise unterscheiden sich nicht von denen in Deutschland. Es gab aber auch Geschäfte, in denen die normale Bevölkerung zu günstigen Preisen einkaufen kann. Das Durchschnittseinkommen liegt momentan bei ca. 2.500 Grifna, das sind in umgerechnet etwa 250 EUR.

Herr Heinz stand uns, wie zuvor mit ihm abgesprochen nicht jeden Tag zur Verfügung. So liefen wir von auf einer Anhöhe gelegenen „Citadel Inn“ durch einen kleinen Wald bei brüllender Hitze in die Stadt. Bei einer dieser Besichtigungsgänge entdeckte ich auf dem breit angelegten Svobody Prospekt einen Oldtimer. Es war ein Opel Admiral 4-türig mit einer Sonderkarosse als Cabriolet aus dem Jahre 1938. Ich war völlig aus dem Häuschen, denn solch ein seltenes Fahrzeug gibt es heute auch kaum noch in Deutschland.

Es stellte sich heraus, dass dieser Wagen ursprünglich aus Wien stammte, anschließend in Kiew gefahren wurde, bis er schließlich in Lemberg landete. So wird er heute von einer Privatperson für touristische Stadtrundfahrten eingesetzt. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen und musste unbedingt mit Elke in diesem Admiral, für umgerechnet 10 EUR eine Stunde lang durch die Gegend gefahren werden. Der schwarze Oldtimer mit rotem Lederpolster befand sich erstaunlicher Weise in einem noch recht guten Allgemeinzustand.

Am vorletzten Tag unserer einwöchigen Reise führ uns Herr Heinz in ein Dorf namens Dornfeld in dem deutsche Auswanderer seinerzeit durch die Zarin Katharina die Große eine neue Heimat fanden. Durch den Stalin Hitlerpakt mussten sie 1939 das Land verlassen, weil es von den Sowjets annektiert wurde. Dieses Dorf ist in Teilen noch vollständig erhalten und wird wieder liebevoll restauriert. Vor den kleinen Häschen, Bauernhöfen, einem Gemeindehaus und einer Schule standen Masten auf denen sich eine Art Wagenräder mit bewohnten Storchennestern, für den Meister Adebar befanden.

Am Rande des Dorfes liegt ein mit hohem Gras und Unkraut überwucherter alter Friedhof in deren Mitte ein Denkmal mit folgender Inschrift steht: „Zur Erinnerung an die Bewohner des ehemaligen deutschen Dorfes Dornfeld, gegründet 1785 von Kaiser Josef II. Friedhof der Dornfelder Bewohner bis zum Jahre 1939. Sie lebten im guten Einvernehmen mit ihren ukrainischen Nachbarn. Die Familienangehörigen der deutschen Bewohner wurden am 24.12. und 27.12.1939 nach Deutschland umgesiedelt“.
Es hatte sich wohl schnell herumgesprochen, dass Deutsche soeben im Dorf eingetroffen waren, und so wurden wir von einigen Bewohnern mit einen freundlichen „gutten Tak“ begrüßt.
Abgesehen von den großen Überlandstraßen ist das Autofahren auf den übrigen Straßen recht abenteuerlich. Große Schlaglöcher im Asphalt oder auf den nur mit Schotter befestigten Straßen veranlassen den Fahrer im Slalom um diese herumzufahren. Kritisch wird es jedoch, wenn auch noch ein Fahrzeug entgegen kommt.
Schließlich fuhr uns Herr Heinz zum Abschluss noch in eine verlassene Gegend, wo sich in einem Wäldchen an einem Berghang ein vergessener zugewachsener Judenfriedhof befand. Die mit Moos bedeckten und dadurch kaum lesbaren Grabsteine lagen zum Teil verfallen auf dem Boden. Offensichtlich kennt kaum jemand diesen Friedhof aus längst vergangener Zeit.

Peter Bachem *23

Anm. d. Red.: Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Familien- und Firmenchronik Johann Bachem in Bonn; in einer längeren Fassung.

 

 

Olympia Rekord ´57

Ankunft
Alter (re.) und neuer (li.) Besitzer
Endlich zugelassen

Mit einer Anzeige im  DZ (Heft 221) fing alles an. Henk Puffèr vom „Historische Opel Club Nederland“ bot einen Rekord `57 an. „Sehr schön und lauft sehr gut“ stand da zu lesen. Ich dachte, dass könnte etwas für mich sein und setzte mich mit Henk zunächst telefonisch in Verbindung. Die ersten Fotos kamen dann per E-mail mit Unterstützung von seiner Frau Ria, die hervorragend deutsch spricht. Wichtige Fragen bezüglich Vorgeschichte, Zustand, Preis wurden geklärt. Nachdem meine Eltern exakt das gleiche Fahrzeug hatten mit dem wir schöne Urlaubsreisen unternahmen, war die Sache dann schnell entschieden. Das Auto musste her, aber wie? Auf eigener Achse oder einen Transportanhänger mieten? Da machte mir Henk das Angebot das gute Stück auf seinem eigenen Anhänger zu bringen. Da seine Frau Ria zu gerne den Stuttgarter Weihnachtsmarkt besuchen wollte war das also kein Problem.

Wir verabredeten uns am Samstag, den 30.11.13 ab 15.00 Uhr an der Raststätte „Sindelfinger Wald“ wo Henk und Ria dann mit etwas Verspätung mit ihrem tollen Wohnmobil und Hänger (siehe Foto) wohlbehalten eintrafen. Die besondere Überraschung war, der Olympia Rekord hatte vorn und hinten Nummerschilder mit meinem Namen!

Der Rest war kein Problem. Abladen auf dem Cannstatter Wasen – Opel der Zuverlässige sprang sofort an – und erste Fahrt nach Hause im Dunkeln bei schwachem Licht.

Die Zulassung mit H-Kennzeichen war dann noch ein kleines Problem. Es war nicht so einfach zu einem „Gutachten zur Erlangung einer Einzelbetriebserlaubnis gem. § 21 StVZO“ sowie einem „Gutachten für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer nach § 23 StVZO“ beim TÜV zu kommen. Alle Papiere einschl. Ausfuhrgenehmigung und techn. Daten waren eigentlich vorhanden, aber es musste erst ein spezielles TÜV-Datenblatt (135 Euro) angefordert werden.

 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung vom Typreferenten Gerald Gärtner, durch wertvolle Tipps und Kontakthinweisen, wurde auch dies gemeistert. Die eigentliche Abnahme durch einen freundlichen und kooperativen TÜV-Ingenieur war dann kein Problem mehr. Festgestellte Mängel wie ungleiche Bremswirkung vorne, zusätzliches Typenschild vom Hersteller und fehlende Warnblinkanlage sind schnell behoben.

In trockener Garage wartet der Olympia Rekord jetzt auf die ersten Ausfahrten.

 

Claus Hitzel *4068

 

 

Aus dem Referat
Opel Firmen- und Produktgeschichte

 
 
Kapitän 1939 bis Kapitän 1947/Modell 1950
Als Super-Six 1939 in Paris vorgestellt
 
Prospekttitelseite

In unserem Sinne…

werde ich regelmäßig auf diesen Seiten die Opel-historischen Themen aufgreifen einschließlich der Geschichten aus der Alt-Opel IG: 42 Jahre Clubgeschichte hinterlassen ebenfalls deutliche historische Spuren. 

Über die Rückmeldungen zu dieser Rubrik Historie habe ich mich sehr gefreut und gehe gern mit „aktuellen“ Informationen und Kommentaren darauf ein. Die Themenvielfalt in unserem Magazin ist dank Stefan Heins sehr gut. Auch die Club-Kollegen in Holland (Historische Opel-Club Nederland) bieten eine enorme Themenvielfalt in ihrer Clubzeitschrift „Opel Klassiek“. Da gibt es für mich viel zu lesen und mit Informationen aus meinem Archiv zu vergleichen. Gern antworte ich auch auf Ihre Fragen zur Firmengeschichte, um meine Aufgabe hier zu erfüllen: bartels@alt-opel.eu

In diesem Sinne grüßt herzlichst Eckhart Bartels

Kapitän oder Super Six?

Franklin Moquette hat hier im dZ Nr.222 auf Seite 22 über die Kapitän-Modelle des ersten Jahrgangs geschrieben. Die Unterscheidung des „Kapitän“ als „Super Six“ oder „Captain“ ist technisch unbedeutend. Historisch aber sehr interessant, denn nur beim Export-Modell gab es unterschiedliche Signets, die die jeweiligen GM- und Opel-Importeure für ihren Verkaufsbereich festlegten. Danach gab es laut Teilekatalog für die Zierblende am Handschuhkasten zwei Signets zur Auswahl: „Kapitän“ oder „Opel“ (Export). Das gilt auch für den Schriftzug an beiden Seiten der Motorhaube: Beim Exportwagen wurde kein „Kapitän“ montiert. Das übernahm das Montagewerk oder der jeweilige Importeur. Entsprechend angepasst wurde auch geworben...

Opel Produktionszahlen

In Ausgabe dZ Nr.223 antwortet Klaus Brommecker sehr kompetent auf die „Geschichten zum Vorkriegs-Kapitän“. Ich nehme die Fragen zu gebauten Opel-Wagen gern zum Anlass, auf die bisher erschienenen Ausgaben vom „Opel Jahrbuch“ hinzuweisen: Hier sind oft auf den Monat genau aus Werksquellen die produzierten Modelle und manchmal auch Karosserievarianten gelistet. So auch in der Ausgabe 2014 zum Thema „75 Jahre Kapitän“. Hier sind neben den produzierten Kapitän-Modellen auch die monatlich (!) im In- und Ausland verkauften Einheiten gelistet. Das erübrigt jede Spekulation. Auch die Historie von GM Suisse und die Opel-Montagezahlen sind im Jahrbuch bereits beschrieben worden. Wer sich für den Inhalt der inzwischen über 2300 Seiten Opel-Geschichte im Jahrbuch interessiert nutzt diesen Link: http://www.f-kubik.de/eb/eb.htm

Prospekttitelseite 1939 aus Antwerpen
GM Suisse: Zierstück Haubenentlüftung rechts
GM Suisse Anzeige vom Frühjahr 1949: Captain

Prototyp Admiral Modell 1940?

Noch einmal Franklin Moquette, diesmal in „OPEL klassiek Nr.95“. Dort wird ein Bild einer im Opel-Werk bei Bombenangriffen zerstörten viertürigen Limousine veröffentlicht. F. Moquette schreibt dazu,  er habe endlich den Prototyp des Admiral-38 Nachfolgers gefunden. Sorry, Franklin, das ist ein Irrtum. Der abgebildete Opel ist ein „Super-Olympia“, der 1940/41 nicht mehr in Serienproduktion ging. Der zerstörte Wagen ist auch deutlich kleinerer Bauart, als es ein geplanter Admiral-Nachfolger hätte sein müssen. In meinen zwei Büchern zum „Opel Kapitän“ (1987) sowie „Opel Sechszylinder 1916-heute“ (1999) werden die geplanten Änderungen für die Serienproduktion von Kapitän und Admiral mit Stand Juli 1940 detailliert gelistet. Wegen des Krieges wird ein neues Design für den großen Opel verworfen. Es existiert jedoch ein Bild von 1939, das ein mögliches Facelift für den Admiral zeigt: Die neue Kühlermaske folgt der gültigen Opel-Linie wie beim Kapitän und dem neuen Olympia. Leider ist die Bildvorlage eine alte Xerox-Kopie, das Foto nicht mehr verfügbar.

Opel Traktor

Im Clubmagazin Nr.221 auf Seite 15 zeigt uns Werner Tiburzy einen Opel 4/16 PS als Traktor von Kulmus. Die bisher weitgehend unbekannte Geschichte der Opel Schlepper für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft habe ich in den aktuellen Ausgaben der Zeitschrift „Traktor Classic“ (GeraMond Verlag, Ausgaben 2 und 3/2014) sehr ausführlich beschrieben. Neue Erkenntnisse dabei: Opel hat tatsächlich Schlepper und Traktoren für den Einsatz in der Landwirtschaft gebaut. Aber nicht den kleinen Kulmus-Traktor oder ähnliche Umbauten. Wer diesen Prospekt von 1918 nicht kennt, sollte die Geschichte in beiden Zeitschriften lesen.

Alt-Opel Informationen seit 1972

Nicht umsonst ist dies die Clubzeitschrift Nr. 224. Nur wenige besitzen heute die Ausgaben der ersten Jahre, die schon damals sehr informativ die Mitglieder begleiteten. Einige Sätze oder Einzelexemplare liegen noch bei mir. Selten gibt es ganze Sammlungen. Derzeit will sich Karl-Ernst Weinberger, Mitglieds-Nr.35, von seinen gesammelten Werken trennen. Machen Sie ihm ein Angebot unter Tel.09131-31802.

Industriegeschichte Rüsselsheim

Bei den Opel Villen ist die Festung Rüsselsheim. Hier ist auch das „Museum Rüsselsheim“ zuhause. Es lohnt sich immer für Besucher, einen Blick in die aktuellen Ausstellungen zu werfen. Oder die „Alt-Werk-Erinnerungen“ zu besuchen. Das ist eine Werksführung der anderen Art am Sonntag, 20. Juli 2014 um 15 Uhr am historischen Hauptportal am Bahnhofsplatz. Die Führung erklärt die ehemaligen Werkshallen der Auto- und Fahrradproduktion sowie die zeitlichen Entwicklungen der Bausubstanz.

„Rüsselsheimer Lebensgeschichten“ vermittelt das Treffen am Sonntag, 5.Oktober ab 15 Uhr direkt im Museum. Die Vorlesungen lassen erkennen, wie damals ein Opel-Arbeiter, Opel-Beamter oder auch die Fabrikherren lebten.

Mehr Infos unter www.museum-ruesselsheim.de

Nur noch antiquarisch, Ausgabe von 1987
Kriegszerstörungen im Werk Rüsselsheim
Olympia-Super Prototyp für 1940

Alt-Opel Archiv

Mich erreichte die berechtigte Frage, wie man ein Opel-Archiv strukturieren kann. Gern gebe ich hier Einblick in meine seit über 40 Jahren gewählte Sortierung. Die Buchstaben stehen für die „Ordner-Reihen“, die Zahlen für das Inhaltsregister der Ordner.

Ich gebe zu, es ist nicht immer ganz einfach, diese Struktur konsequent umzusetzen, doch bei der Vielzahl der Opel-Themen und -Materialien ist es sonst schier unmöglich etwas wiederzufinden...

A Nähmaschinen

B Fahrräder

C Motoräder

D Sonstige Opel-Produkte

E Einzelne Pkw-/Lkw-Typen

F Opelmodelle übergreifend

G Firma/Technik/Familie

H International/General Motors

J Sonstige Autohersteller A-Z

K Karosseriebaufirmen A-Z

M Miniaturen, Modellbau

S Szene, AOIG

1 Daten und Fakten/Übersicht

2 Abbildungen, Fotos

3 Hersteller Presse/PR

4 Medien-Clipping/Testberichte

5 Verkaufsprospekte

6 Sonderdrucke

7 Werbung, Anzeigen

8 Händler: Verkauf

9 Händler: Technik

10 Kundendienst, Betriebsanl.

 

Sollte 2. Generation des Olympia 1,5 Liter werden
 
 
Modellraum 1939: Facelift für den Admiral
Prospekttitel von 1918

 

Aus der Geschichte der ALT-OPEL IG

Beim 1. Alt-Opel Treffen 1972: Der schnellste 51er, den es damals gab

Harro Schmidt mit seiner „Lokomotive“ im Sommer 1975 mit 143 PS

 

Harro Schmidt mit Pokal beim Alt-Opel-Jubiläumstreffen auf dem Nürburgring 1978

Diese Geschichten sollen in lockerer Folge ebenfalls hier einen Platz finden. Es sind Geschichten aus über 40 Jahre Clubleben. Immerhin kann ich noch auf Ordner und Kartons aus meiner Zeit der Clubleitung zurückgreifen. Das sind Erinnerungen, Ausschnitte, Fotos und vor allem Schriftwechsel auf Papier, abgeheftet mit Durchschriften. Damals war jede Antwort mit viel Arbeit und Zeit verbunden. Noch gibt es diese Ablage mit Anfragen, Notizen, Anmeldeunterlagen zu Alt-Opel Treffen, die uns heute schmunzeln lassen. Ich werde das noch einmal auf Anekdoten prüfen, dann aber dem Altpapier überlassen.

Beginnen wir mit einer bereits nachgefragten Geschichte aus den frühen Jahren unserer Interessengemeinschaft.

Folge 1: Die Kapitän-Lokomotive

Nein, keine Angst. Es geht nicht um einen 51er Kapitän, der mit Dampf betrieben wurde. Der optische Eindruck einer Lokomotive entstand durch den „Kuhfänger“ unterhalb der Frontstoßstange. Damals waren Windleitbleche für „schnelle Autos“ aktuell. Opel hatte 1970 gerade beim Commodore GS/E so etwas in die Serie übernommen. Nur eben schöner und vielleicht wirkungsvoller.

Doch das störte damals Harro Schmidt nicht. Sein alter Opel war nun mal deutlich schneller als die Serienversion und die Vorderachse brauchte nach Harros Ansicht Bodenhaftung. Schmidt, Jahrgang 1939, war noch jung und wollte der Wohlstandsgesellschaft zeigen, was ein „oller Opel“ noch drauf hat.  Harro Schmidt hatte bei einem Opel Händler Kraftfahrzeugmechaniker gelernt und auch die Meisterprüfung abgelegt. Sein Meisterstück war der modernisierte Opel Kapitän von 1951. Diese alten Sechszylinder, einst bei Opel neu für rund 9000 DM im Laden, waren schon bald billig zu haben: Damals kosteten sie nur noch 300 bis 600 Mark. Warum? Weil allein jedes Jahr für 2,5 Liter Hubraum 360 Mark an Kfz.-Steuern gezahlt werden mussten. Aber Harro musste den Wagen nicht bezahlen: Sein Chef gab ihm den Wagen umsonst, denn er war unverkäuflich wegen Motorschadens. Nicht so die Karosserie: Seit der Erstzulassung am 21. Oktober 1952 blieb der Wagen fast rostfrei und wartete förmlich auf ein zweites Leben. Harro begann vorsichtig den Wagen zu erneuern: Er nahm einen guten gebrauchten 2,6 Liter-Motor mit 90 PS und passte alle Anbauteile in die Karosserie des Alten ein.  Entsprechend wurden Antriebsstrang und Fahrwerk angepasst.

Die Prüfungskommission bescheinigte dem „Kfz. Kapitän“ mit der Fgst.-Nr. 52-LV035270 eine vorbildliche Bodenhaftung sowie artgerechte Verzögerung. Stempel, Unterschrift, Zertifikat. Der Wagen sah auch gut aus: Außen in hellblau-metallic lackiert, innen mit modernen Kunststoffen ausgekleidet. Geschaltet wurde natürlich nicht mehr am Lenkrad, denn Fahrer und Beifahrer saßen nunmehr getrennt in voluminösen Einzelsitzen. Natürlich jetzt mit modernen 2-Punkt-Sicherheitsgurten. Mehr Betriebssicherheit und gute Beleuchtung brachte ein von 6 auf 12 Volt umgestelltes Bordnetz. Auch die (nicht schön vorstehenden) Scheinwerfer stammten vom  P-Kapitän. Na klar, auch die (vergoldeten) Schriftzüge wurden als Trophäe an die hinteren Kotflügel geschraubt…

Irgendwann sind wir uns dann in Hamburg begegnet. Ich in meinem 51er „Normal“-Kapitän, Harro in der  „aufgemotzten“ Kapitän-Lokomotive. Wir tauschten unsere Adressen. Im Juni 1972 fuhren wir zusammen zum Gründungstreffen der Alt-Opel IG nach Oberursel bei Frankfurt/Main. Harro bekam die Mitgliedsnummer 95, ich gab mir die 100. Auf der Autobahn erschreckten wir bei Tempo 115 so manchen braven linksfahrenden Käfer-Piloten.

Helge Zwarg tauschte 2005 den Kapitän-51 gegen den Kapitän-47/Mod.50 vom Harald D.

Völlig neu: Aufnahmepunkte Hinterachse
Totaler Neuaufbau des 51er Kapitän

Für die VW-Fahrer ein ungewohnter Anblick im Rückspiegel: Erst einer und dann noch ein alter Kapitän? Ein oller Opel will überholen? Na klar, wir waren jung, wir hatten Dampf. Bei meinem gut laufenden Sechszylinder war aber bei etwas über 130 Schluss, doch Harro konnte mühelos bis 150 verlängern. Das verursachte Panik auf der Überholspur…  Aber alles mit Bedacht. Lange hielten wir nicht die Nadel auf 130 km/h, ich schon gar nicht: meiner wurde zu heiß, irgendwann auch meine Zylinderkopfdichtung. Doch Harro war ja vom Fach. Am Wochenende reparierten wir den Schaden im Garten seiner Mietswohnung in Lüneburg.

Viel lieber hätte Harro Schmidt in seiner Heimatstadt Husum gearbeitet, doch den Nordfriesen hatte seine Arbeit in die Nordheide verschlagen, was er erst Mitte 1975 wieder ändern konnte. Da bot sich ihm die Gelegenheit, eine Esso-Tankstelle an der nördlichen Ausfallstraße von Husum zu pachten. Jetzt führte Harro seine eigene Werkstatt. Seinem Kapitän spendierte er aus einem Commodore B GS den 2800 HC-Motor mit Doppel-Register-Vergaser. Damit kletterte die Leistung auf stolze 143 PS. Von nun an stand Harro allein als Kapitän auf der Brücke – für andere zu gefährlich.

1998 ging sein zweiter Traum in Erfüllung: Er organisierte das 27. Alt-Opel Jahrestreffen in seiner Heimatstadt in Nordfriesland. Es wurde trotz dezentraler Lage ein Riesenerfolg. Bei aller Freude: Sein Herz versagte am 26. Januar 1999 und der Club verlor einen engagierten Helfer. Ein Jahr später übernahm Helge Zwarg aus Peine den Wagen mit dem Versprechen, den Wagen in seiner Besonderheit zu erhalten. Das machte natürlich auch Probleme, denn die GS-Maschine war noch nicht eingetragen. Am 18.August 2002 gelang aber auch das. Beim traditionellen Herbsttreffen der norddeutschen Alt-Opel IG konnte Helge Zwarg erstmals offiziell die „kleine Rakete“ bewegen…

Auch seine Freude währte nicht lang: Helge erkrankte und konnte die Restaurierung der „Lokomotive“  nicht fortsetzen. Zu dieser Zeit meldete sich Harald Drechsler bei mir. Ein ebenfalls langjähriges Clubmitglied brauchte Ratschläge, wie er seinen Kapitän-47 (Modell 1950) mit einem Monza-Motor modernisieren könnte. Er wollte damit die Strecke Wiesbaden – Stuttgart zukünftig schneller und bequemer im Alltagsverkehr bewältigen. Als Opel-Historiker standen mir am Telefon alle Haare zu Berge.

Mit dem Sanftmut eines Therapeuten lenkte ich ihn auf einen neuen Weg: Harald sollte seinen Original-Kapitän nicht umbauen, sondern gegen die „Lokomotive“ von Helge tauschen. Dort waren ja inzwischen 143  PS eingetragen. Dann werden doch wohl die 180 PS vom 3,0E Monza auch noch gehen… Na klar, einmal Umbau – immer Umbau: es soll sowieso das ganze Fahrwerk mit Antriebsstrang vom Monza verbaut werden. Bingo. Auch Helge Zwarg konnte ich vom Tausch überzeugen, denn einmal wollte er noch an der Traditionsfahrt „2000km-durch-Deutschland“ teilnehmen. Ostern wurden die Wagen getauscht, im Sommer 2005 fuhren Helge und sein Bruder Eike Zwarg mit dem 50er Kapitän vom Harald über 2000 km pannenfrei durch die Republik. Wenige Monate später, im  Mai 2006, verstarb auch Helge nach längerer Krankheit. Ein Jahr zuvor hatte er durch die Weitergabe des Kapitän sein Versprechen eingelöst: Harald Drechsler kümmert sich um den Kapitän von Harro. Sein Auftrag lautete, den Opel auf den neuesten technischen Stand bringen, alltagstauglich umbauen mit einem Monza-Motor, Automatik, Klimaanlage und Lederausstattung. Neu bedeutet auch mit Navi und 700 Watt-Musikanlage. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Harald Drechsler 2007 beim Alt-Opel Erinnerungstreffen in Oberursel
Premiere beim Alt-Opel Treffen im Odenwald: Kapitän mit nunmehr 180 PS
Neue Kommandobrücke mit Automatik im Monza-Kapitän: Navi, Klima und 700 Watt-Musikpult

Jetzt bekommt die Geschichte einen neuen Titel: „Von Harro über Helge bis Harald“. Drechsler wollte, dass auch nach der Restaurierung der ursprüngliche Charakter von Harros Wagen erhalten bleibt. Irgendwo bei Berlin fand er eine Restaurierungs-Garage, die den Auftrag annahm. Es dauerte aber über zwölf Monate, in denen der Kapitän-51 zerlegt, tadellos restauriert und in rot-metallic lackiert wurde. Viel Aufwand erforderte die Anpassung der Monza-Technik. So manches neue Loch entstand in der alten Karosserie. Kein alter Fixpunkt an der Bodengruppe konnte beibehalten werden. Die Achsaufnahmen bekamen neue Stützpunkte. Der Motorraum wurde eng, die Unterbringung von Kühlung und Klima bereiteten Probleme. Die Elektro- und Elektronikzentrale wanderte in den Kofferraum. Auch der „Rest eines modernen Autos“ wurde verbaut. Schließlich sah der Wagen wegen seines neuen Radstands und Spurverbreiterung etwas ungewöhnlich aus – doch genau diese Optik und Komfort hatte sich Harald gewünscht. Drei Jahre dauerte inzwischen das Projekt. Mehrere Abholtermine wurden verworfen. Mal gab es unerwartete thermische Probleme, mal sorgte ein Kolbenfresser für erneute Verzögerung.

 Im September 2007 sollte es endlich gelingen, den Traumwagen zu fahren. Doch der Hochleistungskühler blieb inkontinent, trotz bisher bezahlter 50 Tausend Euro für die Restaurierung.

Endlich rollte der Wagen mit eigener Kraft im Mai 2008 zum Alt-Opel Treffen in Erbach/Michelstadt. Der ungewöhnliche Wagen stand sofort im Mittelpunkt. Doch jäh endete das Erfolgserlebnis. Zur Ausfahrt versagte der Monza-Motor seinen Dienst. Mit dem Abschleppwagen und dem Kapitän am Haken verschwand auch die Geduld. Harald wollte sich nunmehr endgültig vom Projekt
verabschieden. In den nächsten Jahren unternahm er diverse Versuche, den Kapitän wieder zum Laufen zu bringen, was sich als sehr mühselig erwies. Nach dem unerwartetem Tod von Harald im Juni 2013 fand sein Bruder Ulrich den Käufer Claus Innetsberger aus Rhodt unter Rietburg nähe Edenkoben, der das Erbe des Harro-Helge-Harald-Kapitäns würdig bewahren wird. Das hat der „Kapitän mit Dampf“ auch verdient.

 

 

 

 

 

 

 

 

 Ende einer Dienstfahrt. Der Opel-Händler kann auch nicht helfen

 

 

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