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Inhalt dz 226:


- 43. Internationales Jahrestreffen in Wetzlar

- Opel Motoclub beim Concours in Villa d´Este

- 50 Jahre KAD

- Restaurierung Vectra A

- Erfahrungen mit dem Rekord C

- Schweizer Jahrestreffen 2014

- Rekord E und Commodore C

- Restaurierung Vectra A

- Olympia ´51

- Typgruppentreffen 2014

- 19. Internationales  Opel-Blitz-  Treffen

- Vulkanlandfahrt die Dritte

 


Die hier vorgestellten Inhalte sind nur

eine Auswahl der tatsächlich im Heft behandelten Themen.

 

Auf die Homepage übernommene Themen sind:


- Jahrestreffen in Wetzlar
- Jubiläumstreffen 50 Jahre KAD

- Restaurierung Vectra A

- Opel Motoclub beim Concours in Villa d´Este

- Damals im Jahr 1983 (Mitgliederbereich)

 

 

 

 

Das Titelbild

Das Titelbild zeigt das Rekord A Coupé von Manfred Tröndle aus der Schweiz. Manfred hat schon so vielen Mitgliedern mit Ersatzteilen aus der Patsche geholfen, da gehört sein Rekord doch endlich mal auf die erste Seite. Fotografiert hat Ben den Wilde *1949, den wir auch fotografiert haben. Das alles und einiges mehr gibt es in der Titelgeschichte dieser Ausgabe.

 

 

 

 

 

 

ALT-OPEL-Festspiele in Wetzlar

Das 43. Internationale Jahrestreffen


Donnerstag

Wetzlar. Goethe hat 1772 hier Gesetze gebüffelt und Charlotte nicht gekriegt. Er zog bald weiter und verarbeitete seine Erlebnisse in seinem ersten erfolgreichen Werk: „Die Leiden des jungen Werther.“ Die Kleinbildkamera wurde hier erfunden, bei Leica. Das Unternehmen prägt die Stadt noch heute. Wetzlar, das ist romantisches Fachwerk, diffizile Feinmechanik, temperamentvolle Lebensfreude.

Doch am Himmelfahrtstag 2014 ist Wetzlar kaum zu sehen hinter der grauen Wand aus feinem Sprühregen. Das Festzelt liegt an der Mündung von Lahn und Dill, die sehr viel Wasser führen und bedrohlich wirken. Wir stehen vor dem Festzelt, umgeben von Pfützen, die im Regen gerade eben zu erkennen sind. Organisator Olaf Zimmer steht pudelnass vor uns. „Ich war gerade auf dem Campingplatz drüben“, grinst er. „Wasser haben sie genug.“ Klaus Adler steht neben seinem Admiral ´38 mit Holzvergaser und fragt sich, wie er den Motor ans Laufen bringen soll in der grauen Suppe, die von allen Seiten in die Kleidung kriecht. Und ins Feuerholz. Seine Mühe bleibt vergeblich. Später stellt sich heraus, dass ein defektes Gebläse das Anfeuern verhindert hat. Gudrun und Wolfgang Renner sind mit dem Super 6 hier, der sie schon nach Griechenland und zurück gebracht hat. Ben de Wilde hat einen wunderschön patinierten Kapitän ´54 mitgebracht. Gefertigt in Antwerpen, erzählt er. „Du siehst das auf Anhieb an den Felgen. In Antwerpen haben sie die Felgen in Wagenfarbe lackiert“, erläutert unser Fotograf.

Da es ohne einen Bitter bei der Familie de Wilde nicht geht, hat Harry einen ebenfalls frisch erworbenen roten SC dabei. Peter Kress ist ohne Auto da und besucht einfach nur alte Freunde. Thomas Oser hat ein Gipsbein mitgebracht und ist wirklich nicht sauer darüber, dass Borussia Mönchengladbach dem FC Basel den Torwart rausgekauft hat. Im Gegenteil: „Wenn unsere Leute Praxis in der Bundesliga bekommen, hilft das unserer Nationalmannschaft!“ Sonst ist die bevorstehende WM aber kein Thema.
Stephan Dietz erzählt, welche Mühen das Veranstalterteam wegen des Dauerregens hatte. Noch am Morgen kippte ein LKW Kies ab, der dann im strömenden Regen vor dem Festzelt verteilt werden musste. Eine Plackerei mit nur mäßigem Erfolg. Immerhin liegen die Teilnehmerzahlen sehr hoch. 420 Autos sind am Donnerstag angemeldet. Eine enorme Zahl!

Auffällig sind die vielen Kadett B, von denen einige außergewöhnlich detailgetreu restauriert sind. Vor allem das Kiemencoupé scheint im Kommen zu sein. Auch Manta A und B im Originalzustand sind reichlich zu sehen. Offenbar liegt die Zeit der Bastelbuden endlich hinter uns. Feine Ironie strahlt ein Manta B aus Wuppertal aus. Im Innenraum sind viele zeittypische Accessoires verteilt. Dadurch wirkt das graue Coupé wie eine Zeitmaschine. Du stehst davor und siehst Bilder von Vokuhila-Frisuren und hörst Eddie Money oder was sonst in diesen Jahren in einem Manta aus dem CD-Player kam. Oder noch aus dem Cassettendeck, wenn nicht gerade Bandsalat war.

Mit besonders vielen KAD A war wegen des Jubiläums zu rechnen. Ein roter Kadett E GSI fällt auf. Gut vertreten auch der Blitz, vor allem 1,9-Tonner sind einige gekommen. Schade nur, dass der Regen nicht aufhört.

Wir sehen uns die Altstadt an. Wo Goethe gewohnt hat, sitzt heute das Steakhaus Bolero. Überall Fachwerk, sehr stimmungsvoll und romantisch. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, es erinnert an die Geschichte vom Hasen und dem Igel. Ich kann buchen was ich will, und wenn ich im Hotel ankomme, steht Per Johansson aus Schweden vor mir. Immer. Damit das nicht zu sehr auffällt, hat Per aber nicht sein Diplomat A Coupé dabei, sondern einen Vectra A. Per erzählt jedem, was der Vectra doch für ein treues Auto ist. Wir treffen Willi Thommen, später noch Esther und Klaus Pümpin aus der Schweiz.

Reinhard Wiens hat mit dem 16/ 35 PS von 1910 das älteste Auto am Start. Und keinen Beifahrer. In einem moderneren Alt-Opel kann man allein fahren und navigieren. Im Messingauto braucht man manchmal drei Hände. Zwei immer. „Reinhard, weißte was, ich komm morgen mit.“

Reinhard ruft den Wetterbericht ab. Siebeneinhalb Sonnenstunden! Das wird gut morgen!


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Abgeperlt: Olympioniken aus den Niederlanden und ein

Admiral ´38 im Regen

 

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Verkehrte Welt – die herrschaftlichen KAD sind auf Treffen gut repräsentiert, einen Rekord E Caravan aber sieht man kaum

 

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Feucht Holz – der Admiral ´38 mit Holzvergaser blieb auf dem Hänger

 

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Moderne Zeiten – der Kadett E war in mehreren Exemplaren zu sehen

 

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Pudelnass – Olaf Zimmer im Friesennerz und wie das gesamte

Team trotz des Regens am Donnerstag bestens gelaunt

 

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Einfach schön – der Kadett B von Kurt Lawrenz aus Moers

 

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Netter Versuch – selbst die Sparkasse Wetzlar war auf unser

Treffen eingestellt. Der Bankomat zeigte allerdings einen

Ford Zephyr aus englischer Fertigung

 

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Endlich zurück – originale Manta B waren gut vertreten

 

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Rarität – Super 6 Geländesport

 

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Im Trend – sagenhaft schönes Kadett B Coupé

 

Freitag

Wetzlar sieht immer noch grau aus. Als würde es jeden Moment wieder zu regnen anfangen. Wir laden ab und bringen die Startnummer an, vorn an der hölzernen Spritzwand. Dann wird der Wetterschutz sortiert. Zwei Wachsdecken, „beim London Brighton Run gekauft, sehr warm“. Reinhard betätigt den Tupfer, der Motorraum duftet nach Benzin. Er klettert auf das Auto, ich hinterher. Der Fahrer sitzt nicht im Auto, sondern darauf. Eine eigene Tür hat der Fahrerplatz nicht. Rechts neben ihm Schaltung und Hand- alias Betriebsbremse. Die Handbremse wirkt auf die Hinterräder. Eine Fußbremse gibt es auch. Sie wirkt auf den Kardan und wird beim Rangieren eingesetzt, weil sie erstens nur wenig Wirkung entfaltet und zweitens die Wirkung vor allem in der Belastung des Antriebs besteht. Zündhebel am Lenkrad, Baggeröler vor den Füßen von Fahrer und Beifahrer. Das Gehäuse aus Messing.

Eigentlich sollte jetzt die Sache mit der Kurbel kommen. Die kleineren Doktorwagen lassen sich mit etwas Übung gut ankurbeln, wenn ihnen auch allen eigen ist, am liebsten auf belebten Kreuzungen unvermittelt stehen zu bleiben. Der Opel 16/ 35 PS hat allerdings vier Zylinder mit je einem Liter Hubraum, und der Hub ist lang. Da das Auto auf Oldtimerveranstaltungen gefahren werden soll, hat es einen Anlasser bekommen. Die Menschentraube empfindet den Startvorgang aber auch ohne Kurbeln als Sensation. Dumpf und laut meldet sich der große Motor zu Wort. Die stehenden Ventile sind nicht zu hören, dafür saugt die Maschine hörbar an und pufft auch vernehmlich aus. Begleitet wird das Motorgeräusch von der vielstimmigen Mechanik des Hinterradantriebs.

Wir wühlen uns durch den lebhaften Verkehr der Stadt. Von wegen Schnauferl – der Veteran tritt kräftig an und hält wacker im Verkehr mit. Schnell verlassen wir die Stadt und nehmen die Landstraße unter die Räder.

Wenn zwei sagen, es ist kalt, bedeutet das längst nicht dasselbe. Der 16/ 35 PS hat nur so viel Karosserie wie es braucht, damit niemand über Bord geht. Eine Frontscheibe hat er auch nicht. Deshalb muss die Temperatur nicht einmal in der Nähe des Gefrierpunktes kommen, damit die Hände blau und lila schillern. (Später spendiert Elke Micke Handschuhe und eine Lederkappe, was die Fahrt deutlich angenehmer werden lässt.) Nun war der 16/ 35 PS in seinen Tagen ein Luxusgefährt, das in erster Linie für Lustfahrten eingesetzt worden ist. Doch man bekommt auf dem Bock sitzend schon einen Eindruck davon, was für Strapazen der Landarzt oder der Handlungsreisende in der Kaiserzeit ausgesetzt waren. Harte Hunde müssen sie gewesen sein, die Männer, die mit solchen Autos richtig Kilometer gemacht haben.

Wir haben uns für die Ausfahrt mit dem schönen Namen Laubfrosch entschieden. Die erste Pause gibt es im Besucherbergwerk der Grube „Fortuna“. Feld- und Grubenbahnen gibt es hier zu sehen, und den Geländesport von Familie Schröder aus Frankfurt. Erstaunlich viel Publikum ist hier unterwegs, obwohl der Platz abgelegen zu sein scheint. Allerdings haben wir uns auf das – hervorragend gemachte – Roadbook verlassen und keine Karte dabei. Außerdem haben wir uns auf der Fahrt viel erzählt. Eher schreiend als sprechend, sonst hört man im Getöse nichts. Unser Reisetempo liegt bei 45 km/h. Das Fossil läuft erheblich schneller, und die gerade erst zusammengebaute Mechanik wirkt auch bei höheren Geschwindigkeiten überhaupt nicht angestrengt. Die Fuhre in Fahrt zu bekommen ist nicht schwierig – sie abzubremsen umso mehr. Lange Gefälle schafft die Handbremse nur, wenn im Stakkato gebremst wird, sie also zwischendurch immer wieder etwas Kühlung durch den Fahrtwind erhält. So kommt es, dass wir bergauf oft erheblich schneller unterwegs sind als bergab.

Bechlingen, Ehringshausen und Katzenfurt ziehen vorbei. In Katzenfurt fällt einem Landmann der Spaten aus der Hand, als wir vorbeiheulen. Die Steigungen werden härter, im zweiten Gang verhungert der 16/ 35 PS. Den ersten Gang einzulegen, während das Auto schon rückwärts zu rollen beginnt, verursacht ein hässliches Geräusch. Doch es klappt, der majestätische Opel röhrt und faucht den Berg hoch.

Reinhard erzählt, wie er an das Auto gekommen ist. Zuletzt diente der Veteran als Hühnerstall. Angeboten wurde er online, und unser Typreferent hat den Wagen blind am Telefon gekauft. Womit wir auch schon beim Widerspruch sind, der in seiner Arbeit für unsere Clubgemeinschaft angelegt ist. Einerseits möchten wir natürlich, dass mehr Messingautos auf unseren Veranstaltungen zu sehen sind. Andererseits lässt sich die Restaurierung eines unvollständigen Autos nur bewältigen, wenn ein gut bestückter Ersatzteilfundus zur Verfügung steht. Und wenn überhaupt ein solches Auto angeboten wird, ist es unvollständig oder mit improvisierten Teilen repariert. Vor allem Teile für die Kraftübertragung sind nicht für Geld und gute Worte zu haben. Dafür war die Karosserie nicht übermäßig schwierig nachzubauen. „So etwas geht aber auch nur, wenn Du Freunde im Handwerk hast. Holz, Leder – das kann ich alles nicht selbst“, relativiert Reinhard Wiens.

Es geht durch ein gemauertes Tor, dann kommt Burg Greifenstein in Sicht. Wir halten an und sehen nach oben. Wenn niemand auf die Straße rennt oder fährt, sollte die Steigung zu schaffen sein. Reinhard legt den ersten Gang ein und gibt Gas. Der 16/ 35 PS brüllt und bebt, doch er kommt oben an. Stehender Applaus. Eigentlich wollten wir einen Happen essen, doch wir kommen nicht vom Auto weg. Es ist ja auch kaum zu glauben, dass der kaiserliche Opel erst Tage vor der Ausfahrt fertig geworden ist. Ganz ohne Schrauben geht es natürlich nicht, aber es sind tatsächlich nur Kleinigkeiten. In die Nähe des Ausfalls kommen wir nie. Hier findet sich auch die Ursache für die seltsame Beobachtung, dass ich durch den Regen fahre und Reinhard nicht. Der Messingkühler ist oben nicht völlig dicht. Daher kommen also die Wassertropfen, die mir immer wieder auf der Stirn zerplatzen! Da der Motor mit etwas weniger Wasserstand bestens läuft, füllen wir den Kühler nicht wieder bis obenhin auf.

Endlich klart der Himmel auf und es wird wärmer. Weiter geht es über die Dörfer. Wir liegen besser in der Zeit als anfangs erwartet, machen aber auch beim Vogelpark nur eine kurze Pause. Zumal wir nach Stunden mit dem Kopf im Wind selbst mausernden Vögeln nicht unähnlich sehen. Der folgende Teil der Strecke führt über eine breit ausgebaute Bundesstraße, die durch ein Tal verläuft. Keine Steigungen, vor allem aber keine Gefälle. Die über einhundert Jahre alte Mechanik klingt freier, flüssiger als zu Beginn der Fahrt. Vor dem Parkplatz am Aartalsee sehen wir uns an und fahren daran vorbei. Da kommt sicher ein schönerer Platz. Und richtig, ein Stück bergauf fahren wir auf einen kleinen Parkplatz. Elke und Josef Micke kommen dazu, Gudrun und Wolfgang Renner, Henriette und Ben de Wilde. Der Kiesplatz füllt sich, auch Einheimische kommen und sehen sich das Spektakel an. Die letzte Etappe fahren wir im Pulk. Und kommen schließlich pannenfrei in Wetzlar an und haben mit dem 16/ 35 PS tatsächlich etwa 100 Kilometer zurückgelegt. Kälte und Erschütterungen haben uns allerdings angestrengt. Lang wurde der Abend für uns deshalb nicht mehr.

 

Samstag

Wir ziehen im Sonnenschein über den Teilemarkt und halten hier und da einen Klönschnack. Weiter geht es in die Stadt, Fotos von ALT-OPEL vor historischer Kulisse machen. Was überhaupt nicht klappt. Wenn das Motiv stimmt, passt das Licht nicht, oder es läuft jemand ins Bild. Schließlich setzen wir uns vor das „Pintchen“ und bewundern das Glockenspiel des Juweliers Palm. Neun Glocken hat es, und damit vermittelt es viel vom Sinn der Menschen hier für Feinmechanik.

Beim Festabend schließlich herrscht Einigkeit unter den Teilnehmern. Wetzlar 2014, das war wieder ein fantastisches Treffen. Souveräne, trotz anfangs widriger Wetterumstände immer verbindliche und humorvolle Organisation, schöne Ausfahrten, gelungenes Drumherum, kompakter Platz ohne weite Wege für unsere Camper – es hat alles gestimmt. Der gewaltige Applaus für das sympathische Team um Olaf Zimmer war mehr als verdient. Doch es sind auch nachdenkliche Töne zu hören. Unsere Jahrestreffen haben inzwischen eine Größenordnung erreicht, die sehr viel Organisationsarbeit voraussetzt. Es gibt Ansätze, die Dinge zu vereinfachen, ohne an der Qualität des Gebotenen zu sparen. Die nur zwei – und zwei sind genug – Ausfahrten waren teilweise gegenläufig. Weniger Planungsaufwand, und man kann es doch auch als Plus sehen, entgegenkommenden ALT-OPLERN zuwinken zu können. Vielleicht finden die Veranstalter der kommenden Jahrestreffen weitere Möglichkeiten, den Aufwand zu reduzieren, ohne unsere ALT-OPEL-Festspiele zu etwas anderem zu machen als dem, was sie sind: vier ganz besondere Tage im Jahr.

Da es immer noch nicht alle wissen: Im Download-Bereich unserer Homepage gibt es detailliert ausgearbeitete Planungshilfen für Veranstalter. Das Material ist sehr gut strukturiert und selbsterklärend. Wer Fragen dazu hat, kann sich jederzeit gern an den Clubvorstand oder an die Redaktion wenden. Wir sind gern bereit, Mitglieder zusammenzubringen, die an einem Jahrestreffen mitarbeiten möchten.

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Von wegen Luftikus – dieser Blitz trägt einen Ford V8 auf seiner Ladefläche, der zwei Seilwinden antreibt und Segelflugzeuge in

die Luft zieht. Bis heute!

 

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Nicht gestellt – das Orga-Team war auch ohne Kamera genau so fröhlich!

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Veranstalter Olaf Zimmer                 

Sonntag

 

Zurück geht es mit Jan Vetter im frisch erworbenen silbernen Diplomat B V8. Aus erster Hand, erzählt Jan, der den herrschaftlichen Opel im feinen Originalzustand eigentlich nicht kaufen wollte, aber... Nichts lärmt, nichts schüttelt, wir unterhalten uns bei Zimmerlautstärke. Sechs Jahrzehnte deutsche Ingenieursarbeit in Rüsselsheim liegen zwischen dem 16/ 35 PS und dem Diplomat. Mehr als eine Welt. Das Schlusswort kommt von Veranstalter Olaf Zimmer.

 

Hallo Stefan,

 

das Orga-Team des Jahrestreffens möchte sich bei allen Teilnehmern und Helfern des Treffens bedanken. Wir haben eine Menge Zuspruch erhalten, was uns ganz besonders gefreut hat und unser Lohn für die viele Arbeit war. Unser besondere Dank gilt den Campern, die sich trotz aufgeweichtem Platz Ihre gute Laune nicht haben verderben lassen und vor allem den Platz blitzeblank hinterlassen haben, so dass keine Reinigungsarbeiten nötig wurden.

 

Viele Grüße,

Olaf Zimmer

 

Text: Stefan Heins *1662

Bilder: Stefan Heins *1662, Ben de Wilde *1994, Hans-Martin Weber *

dscn0628_215Auf dem Bock – so sieht es aus, wenn der 16/ 35 PS auf eine Kurve zuhält. An ein dahinter stehendes Hindernis und eine Vollbremsung denkt man aber nie. Dazu macht das Fahren zu viel Spaß!

dscn0630_215Admiral, augenzwinkernd – der 2,8S sparte Energie höchstens im Sinne von Kraftaufwand beim Fahren

 

dscn0639_215„Ein richtig gutes Auto!“ Der Vectra A, mit dem Per Johansson und Frau aus Schweden angereist sind

 

 

dscn0655_215„45. Zum Überholen auch ein paar mehr.“ Die Herren Wiens und Heins stehen der Lokalpresse Rede und Antwort. Hochseriös!

 imgl7061_215.        Original – der Kapitän ´54 von Ben de Wilde

imgl7741_215.Vergleich – Rekord D und E

imgl7919_215Wo steckt denn das Personal? Hans-Martin Weber steigt aus

imgl8100_215.Fast wie in der Werbung – Melanie Lehmann und der GT auf dem Flugplatz

 

 

imgl8827_215.Zurückfotografiert – das ist Ben de Wilde, von dem die meisten Fotos (nicht nur) für diesen Bericht stammen

 imgl9232_215.Volles Haus – oder besser: Zelt

 imgl9292_215.Clubvorstand Heiner Schnorrenberg

 imgl9330_215.Uwe Mertin von Opel Classic

 

 imgl9350_215.Und jetzt alle – das Orga-Team auf der Bühne

 

 

     

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   Jubiläumstreffen 50 Jahre KAD

    Das Jubiläumstreffen der Oberklasse !

 

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Das langjährige Rüsselsheimer Alt Opel IG-Mitglied Gerhard Wohlfart in seinem Diplomat V8 von 1974 auf der Fahrt zum Bahnhofsplatz

 

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Opel KAD-Jubiläumsflotte auf dem Weg zum Schloss Westerhaus. Im Vordergrund Norbert Büchner

 

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Mittagsstopp der KAD-Jubiläumstour: Opel ChefDr. Karl-Thomas Neumann zeigte sich von den 40 Teilnehmer-Fahrzeugen begeistert

 

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Schmuckstück: Der Diplomat Frua, eines von insgesamt zwei existierenden Fahrzeugen dieser Art vor Schloss Westerhaus

1964 - Die Adam Opel AG ging in die Offensive

so jedenfalls titelte „der Spiegel“  und stellte den betuchten Neuwagenkunden im wirtschaftlich starken Nachkriegseuropa nicht nur einen Ersatz für den inzwischen formal veralteten Panorama-Kapitän vor, sondern eine ganzes Modellbündel.

Neben dem Kapitän, der als Einstiegsmodell in die automobile Oberklasse aus Rüsselsheim relativ einfach ausgestattet war, konnte der Käufer den luxuriöseren Admiral auswählen oder gar den Diplomat ordern, der serienmäßig mit V8 – Power aus dem amerikanischen GM-Regal geliefert wurde. So gab es ein Opel-Modell mit Corvette-Leistungsdaten im Luxuslimousinen-Segment!

Der Absatzerfolg war anfänglich durchaus gegeben, die verwöhnte Klientel entschied sich allerdings oftmals für Image statt Ingenieurleistung. Opel zog mit einer neuentwickelten Motorenfamilie nach, um verloren gegangenes Terrain zurück zu erobern, doch nun fand die Motorpresse heraus, dass das Fahrwerk nicht den technischen Stand widerspiegelte.

Das sollte sich grundlegend im Jahr 1969 ändern, als Opel eine neue Modellreihe von Kapitän, Admiral und Diplomat in Nizza präsentierte, die in technischer und formaler Hinsicht Maßstäbe setzen sollte. Dies führte dann zwar zu Testsiegen gegen die versammelte europäische Automobilprominenz, konnte aber nach Achtungserfolgen im Absatz der ersten Jahre nicht darüber hinwegtäuschen, dass Opel inzwischen nicht mehr der Marktführer im Oberklasse-Segment war. Folgerichtig (Energiekrise, Änderung von Statussymbolen etc.) gab es danach keinen „echten“ Nachfolger im Opel-Programm. Die Baureihen der Kapitän Admiral Diplomat (kurz KAD) waren also etwas Besonderes in der Opel-Historie.

Dem sollte in diesem Jahr, 50 Jahre nach der Präsentation der ersten Fahrzeuge, Tribut gezollt werden. Auf der weltgrößten Oldtimermesse Techno Classica in Essen stellte Opel gemeinsam mit unserem Club einen Querschnitt durch die ganze Modellpalette einschließlich der Sondermodelle vor.

Nicht nur die Fachpresse wertete diese Ausstellung als großen Erfolg, die vielen Besucher und Messegäste waren sich einig, dass Opel das wiedergefundene Selbstbewusstsein (Umparken im Kopf) in Essen perfekt inszeniert hat!

Als Höhepunkt kann ebenso das Jubiläumstreffen der beiden KAD-Baureihen gewertet werden, das Mitte Juni in Rüsselsheim in einer weiteren Gemeinschaftsleistung der Alt-Opel IG und der Adam Opel AG gefeiert wurde.

Auf Einladung der Abteilung Opel Classic kamen die Fahrer von 50 Opel-Großwagen zusammen, um einen Tag zu feiern, wie ich das in dreißig Jahren Mitgliedschaft in unserem Club noch nicht erlebt habe. Uwe Mertin von Opel Classic und „unser Verbindungsmann“ zum Werk, Olaf Trapp, haben sich hierfür eine Menge einfallen lassen.

Nach der Begrüßung am Freitagabend und einer naturgemäß feucht-fröhlichen Wiedersehensfeier stand der Samstag im Zeichen eines beachtlichen Programms. Es begann morgens um halb zehn mit der Aufstellung der Fahrzeuge vor dem Adam Opel Haus für ein umfangreiches professionelles  Foto-Shooting. Selbst erfahrene Pressevertreter waren beeindruckt vom Panoramabild vor dem Opel-Stammhaus, das durchaus geeignet ist, die Stärke einer Automarke in der Vergangenheit zu dokumentieren. Später sollte darauf noch einmal Bezug genommen werden.

Nach der anschließenden Fahrt durch das Werk und der Ausfahrt durch das historische Einfahrtstor nahmen die Fahrzeuge Aufstellung auf dem davor liegenden Bahnhofsplatz. Dort nahm Rüsselsheim Notiz von unserem Treffen – selbst der langjährige Betriebsratsvorsitzende der Adam Opel AG, Klaus Franz, zählte zu den Besuchern und Bewunderern unserer Parade. Hiernach stand der Besuch des Weingutes der Familie von Opel, Schloss Westerhaus in Ingelheim bei Mainz auf dem Programm.  

Bei perfektem Ausflugswetter erwarteten uns dort Jazz-Musik, festlich gedeckte Tische – und die Familie von Opel sowie der Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, Herr Dr. Karl-Thomas Neumann.

Der hat den Weg hoch zum Schloss standesgemäß im Diplomat-A Coupé aus der Werkssammlung absolviert und war dementsprechend bestens aufgelegt.

In seiner offiziellen Begrüßung wurde allen Anwesenden klar, daß hier jemand an der Spitze „unserer“ Marke steht, der das Polohemd mit „Opel-Classic“ Bestickung aus Überzeugung trägt und für den sein Vorstandsamt kein Job sondern eine Berufung ist.

Sein erklärtes Ziel sei, dass der Neuwagenkäufer „seinen Opel-Fahrzeugschlüssel wieder mit Stolz auf den Tisch legt“!

Um dies zu erreichen, muss die Marke Opel wieder das Image erhalten, das durch die Wertigkeit und Konkurrenzfähigkeit ihrer Produkte gerechtfertigt ist.

Wir alle wissen, was damit gemeint ist. Dr. Neumann ließ keinen Zweifel daran, dass wir hier mit einem „Car Guy“ zu tun haben. Mit Jemandem, der von seinem Job und „seinen“ Produkten fasziniert ist. Gespräche, die auch weit ins Detail hineinreichten über ein sauberes und unverwechselbares Opel-Design, über Motoren, Plattformen, Fahrzeugsegmente und vieles mehr ließen die Zeit nicht nur wie im Zeitraffer verstreichen, sondern beeindruckten.

Dr. Neumann ist als Opel-Chef jemand, der unsere Wertschätzung und unsere Unterstützung verdient! Fast schon selbstverständlich, dass er sich all´ unsere Fahrzeuge im Detail anschaute, erklären ließ und bis zu unserer Weiterfahrt blieb.

Die führte über die Rheinfähre zurück nach Rüsselsheim, zunächst zur Opel-Rennbahn auf einem Areal, das soeben von der Natur zurückerobert wird.

Die perfekte Organisation von Opel Classic / Uwe Mertin überraschte dort mitten im Wald mit einem Opel Blitz, auf dessen langem Pritschenaufbau Kaffee und Erfrischungsgetränke sowie Kuchen etc. angeboten wurden.

So etwas habe ich noch nicht erlebt!

Den krönenden Abschluss durften wir alle erleben als Gäste von Opel Classic mit einem wunderbaren Buffet (selbstverständlich gab´s hierzu Opel-Wein)

in der Oldtimer-Sammlung von Opel. Für mich gibt es dort immer wieder etwas neues zu erleben – besonders die im Neuaufbau befindlichen Exemplare der Sammlung faszinieren mich. Fachsimpeleien, Gespräche mit der Presse und natürlich der Gang durch die Reihen der ausgestellten Fahrzeuge und Werkstätten ließen auch hier die Zeit wie im Flug vergehen.

Die Hotelbar bot spät abends noch die Gelegenheit, diesen ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen – unglaublich, was wir an einem Tag alles geboten bekamen!

Deshalb nochmal an dieser Stelle ein ganz herzliches „Dankeschön“ an den Chef von Opel Classic, Herrn Uwe Mertin sowie an unseren Olaf Trapp als Leiter der Werkskontakte.

Mögen solche Events durch die professionelle Arbeit von Opel Classic dazu beitragen, „die Marke Opel wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehört!“

Auch das ist ein Zitat von Dr. Karl-Thomas Neumann. Ich jedenfalls lege stolz und nun bewusster denn je meinen Opel-Schlüssel auf den Tisch…

 

Heiner Schnorrenberg *933

 


 

 

 

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Restaurierung Vectra A


Mein Projekt und Weg zur Mitgliedschaft in der Alt-Opel-IG

(Auch als Information für  alle gedacht, die ein Erstprojekt starten möchten.)

 

Unsere gesamte Familie sind Opel-Fahrer in der 4. Generation. 2012 kaufte mein jüngster Sohn von seinem Opa den Vectra A V6. Mein Vater (Jahrgang 1930) erwarb ihn als einer der letzten Vectra A im Juni 1995 auch geschäftlich, fuhr ihn fürsorglich über 17 Jahre, nachher nur noch wöchentlich Düsseldorf-Siegen über BAB. Uns allen gefiel immer das Understatement, in diesem doch noch recht kompakten Fahrzeug einen mit deutscher Ingenieurkunst entwickelten V6-Motor zu fahren. Seidiger Lauf, über 230 km/h, nur 9-10 Liter/ 100 km. Der Wolf im Schafspelz – für Mitte der 90iger Jahre jedenfalls. Die Automatik schaltet schön stramm, was zur weiteren Fahrfreude beträgt. Das Fahrzeug war/ ist wie ein guter Freund, der einen nicht im Stich lässt. Nach Kauf durch Sohn Markus und etlicher Verschleißreparaturen wurde der Motor wegen eines ausgefallenem Kühlventilators nach strammer jugendlicher Autobahnfahrt zu heiß – Zylinderkopfdichtung defekt. Nach der Reparatur geschah dies neun Monate später wieder, da falsches Kühlwasser nun zum Zylinderkopffraß führte. Dadurch wurden nun auch zwei Zylinderköpfe nötig. Somit ließ das jugendliche Interesse stark nach, und es wurde überlegt, ob das Fahrzeug verschrottet oder als „Projekt“ behandelt werden sollte. Es ist komplett unverbastelt, mit mehr oder weniger Vollausstattung (Leder, SD, Klima Holz etc.), und auch die original C-Netz-Anlage ist noch verbaut. Nach familiärer Unterhaltung kam ich dann zur ALT OPEL IG und suchte Hilfe. Nachdem Jan Vetter – danke! – sich den Wagen anschaute und ihn für noch halbwegs OK befand (wenig Rost etc.), wurde mir Kai Steude (Typreferent Vectra A) genannt, der mich sofort an Dieter Buttke verwies, der so etwas kann und auch dazu bereit wäre. Dieter holte mit Sohn dann den seit mittlerweile vier Monate stehenden Wagen im Dezember 2012 ab. Die Lederausstattung war schon weiß vor Schimmel, und etliche Kontakte hatten massiv Grünspan angesetzt.  Nach seinen Vorgaben wurden die benötigten Teile beschafft. Da nur recht wenige V6 gebaut worden sind, gestaltete sich die Ersatzteilebeschaffung schwierig. (Kühlschläuche, Benzinschläuche etc.) Hier gibt es nicht den Fundus wie bei den Vierzylinder-Triebwerken. Aber Dieter ließ nicht locker, und so sank mein Mut (abgesehen vom Geldbeutel) nicht. Es dauert halt nur seine Zeit mit der Beschaffung/Reparatur. Voll Freude holte meine Bruder (als Opel Fahrer mittlerweile auch Mitglied in der Alt-OPEL IG durch Dieter) und ich das Fahrzeug nach einigen Verzögerungen im September  2013 endlich  bei Dieter in Grevenbroich ab.

Mittlerweile wurden noch einige Peripheriearbeiten  durch meine Werkstatt durchgeführt. Auch hier muss man Zeit mitbringen, denn diese Projekte werden auch dort bearbeitet, wenn im normalen Werkstattablauf etwas Luft ist. Zuletzt erfolgte die  von Heiner Schnorrenberg empfohlene Versiegelung  bei der Karosserie-Klinik in Erkrath, so dass der Wagen nun nach eineinhalb Jahren fertig ist für Ausfahrten, so  zum Treffen nach Wetzlar u.a.

 

Der Reiz für uns alle, inklusiv meiner Frau, die ihn auch fährt,  besteht in der Auffälligkeit durch Unauffälligkeit

 Dies in Verbindung mit standesgemäßer Motorisierung, Fahreigenschaften und einer heute wahrlich selten zu findenden Übersichtlichkeit. Auch die Betriebskosten bewegen sich in noch vertretbaren Rahmen (Steuern EURO2, Versicherung, Verbrauch), so dass man nicht über jährliche Tankfüllungen, sondern gefahrene Kilometer berichten kann. Allgemeine, nicht V6 spezifische Ersatzteile sind ja z.Zt. ebenfalls noch kostengünstig zu bekommen,  Dank Abwrackprämie, Garagen- bzw. Ersatzteilauflösungen. Aber wie lange noch? Auch hier seien Projekteinsteiger gewarnt, nicht zu viel auf Vorrat hinzulegen. Vieles braucht man dann doch nicht, und irgendwann ist man in der Situation der Vorverkäufer.          

Auch noch wichtig: Bestellung über Ebay etc. tunlichst über die Opel/GM-Teilenummern. Für mich war es doch im Laufe des Projektes sehr erstaunlich, welche Unterschiede bei TN bzgl. vermeintlich gleich aussehenden (Ersatz)-Teile bestehen. Rückgabe an privat ist schwierig.

Letztendlich muss ich aber auch sagen, dass selbst solch ein unscheinbares Projekt für meine Verhältnisse ins Geld geht (unterm Strich 4.500€, der Sohn hatte schon vorab ca. 1.500€ investiert) und kaufmännisch nie wieder realisiert werden kann (Spielgeld), und bei einem (noch) unscheinbaren Vectra A der Enthusiasmus und die Liebe für Autos der Firma Opel deshalb entsprechend groß sein muss, um nicht auf halben Weg die Lust und das Geld zu verlieren. Denn eine „Schau“ kann man mit diesem Fahrzeug (noch) bei keiner Veranstaltung abziehen. Deshalb wandern leider doch die meisten auf dem  Schrottplatz oder werden durch Tuningmaßnahmen verschlissen.

 

Grüße aus Düsseldorf und Dank nochmals an alle helfenden Hände.

Jochen Fennel  *4098

 

PS.: Ohne die Mitgliedschaft in der Alt-Opel IG. und freundliche Unterstützung – hier sind der Vorstand und Stammtisch Köln-Leverkusen hervorzuheben – wäre auch dieses Fahrzeug nicht mehr auf der Straße. Diese Mitgliedschaft empfehle ich allen, die ein Projekt starten, und es auch beenden möchten. Auch eine gewisse räumliche Nähe zu allen Beteiligten ist nicht zu unterschätzen, um bei den Arbeiten eine schnellere Vor-Ort-Präsenz zu haben. 

 

 

 

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   Ein Opel gewinnt beim Concours d’élégance 2014 in Villa d’Este

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Manch einer wird sich fragen...

...ob ich noch bei Sinnen bin: Was, ein Opel gewinnt den weltberühmten und elitären „Concorso d’eleganza Villa d’Este“? Der Mann spinnt! Nein, ich spinne nicht. Es ist tatsächlich so und die Nachricht ist mit Sicherheit eines Berichtes wert. Unser Alt-Opel-Freund Riccardo Schlee *103, der seit einigen Jahren den Wettbewerb live verfolgt, brachte die gute Nachricht am gleichen Tag zurück in die Schweiz. Ich konnte es kaum glauben und war gerührt.

Ich fange lieber vom Anfang an. Der berühmte Wettbewerb wurde zum ersten Mal am 1. September 1929 organisiert. Der Automobile Club Como, das Grand Hotel Villa d’Este und das Comitato di Cura Como hatten die Kräfte vereint und die erste fantastische Veranstaltung (mit bereits 80 teilnehmenden Fahrzeugen) kam zustande. Diese konnte sich schon ab Anfang behaupten und ist heute noch – zusammen mit derjenigen in Pebble Beach in Florida – die Veranstaltung überhaupt, wenn es um Schönheitswettbewerb geht.

In der eindrucksvollen, romantischen Kulisse des Parks der Villa d’Este und der Villa Olmo am Comersee – die nur wenige Kilometer von uns entfernt sind - wurden seitdem unzählige fantastischen Wagen gezeigt die aus aller Welt extra nach Como kommen. Die öffentliche Präsentation der teilnehmenden Fahrzeuge findet heute im Park der Villa Erba statt, einst Privatwohnsitz des Star-Regisseurs Luchino Visconti.

Teilnehmen dürfen Prototypen, Fuoriserie, Einzelstücke die die Meisterkünste weltberühmten Carrossiers bestens zum Vorschein bringen. Heute werden die Fahrzeuge in zwei Kategorien eingeteilt: „Historic Cars“ und „Concept cars & prototipes“. Sonderexemplare bestehender Marken wie Rolls-Royce, Bentley, Ferrari, Lancia, Alfa Romeo, Mercedes-Benz, Porsche, BMW und Maserati, aber auch Fahrzeuge der legendären und unvergessenen Marken wie Cord, Monteverdi, Isotta Fraschini, Duesenberg, Packard, Cisitalia usw, also Prestige- und Premiummarken wie man heute sagt, sind hier zuhause. Je seltener der Wagen, je grösser sind die Chancen, ihn hier anzutreffen. Zugegeben: Auch eine populäre Marke wie Fiat fehlt ab und zu nicht, aber in den verschiedenen Sonderausführungen vertreten, die meistens von Italienischen Meistercarossier gefertigt worden sind. Da gab es - ab und zu - auch Opel zu bewundern, wie z.B. wunderschöne, aristokratische Admiral oder Kapitän Cabrio der 30er Jahren, doch zum Sieg reichte es bei Opel nie. Die Schweizer Handwerkarbeit nie vergessener Carrossier kam hier ebenfalls mehrfach zur Geltung z. B. mit von Graber oder Ghia Aigle, Beutler und anderer bekannten Firmen angefertigten Edelstücken.

Der Hauptsponsor und Organisator der prestigeträchtigen und aristokratischen Veranstaltung ist seit 10 Jahren die BMW Group Classic. Dies weil BMW gerade im Jahr 1929 mit der Herstellung von Autos begann. Und BMW vertraut heute noch einigen Schweizern Experten (wie meinen Freunden Dominik Fischlin, ehemaligem FSVA-Präsident und FIVA-Stewart, früher auch am Urs Paul Ramseier, nur um zwei international anerkannte Spezialisten zu nennen) die für die Vorauswahl und die Kontrolle der teilnehmenden Fahrzeuge als kompetente Berater dem Selektionskomitee zur Seite stehen, Aufgaben die sie bestens meistern.

Was hat also ein Opel hier zu suchen? Ist doch ein Massenprodukt, werden Sie sagen, kein aristokratisches Fahrzeug! Oder hat irgendjemand ein Exemplar des legendären Opel Regent wieder aufgespürt? Leider nein, die Regent-Modelle wurden damals alle von GM verschrottet. Ich muss eins klarstellen: neben den Autos werden am Comersee auch Motorräder gezeigt und bewertet. Und siehe da, am diesjährigen Wettbewerb (der vom 23 bis zum 25. Mai 2014 stattfand) nahm ein Motorrad unserer geliebten Marke, nämlich ein Opel Motoclub Supersport Bj. 1929 teil. Der hat in der Kat. B (mit Sidecar) gewonnen gegen Konkurrenten des Kalibers von Royal Enflieds Bj. 1937, Sunbeam Model 9 A Bj. 1933, Victoria KR Bj. 1931 sowie gegen zwei sehr bekannten Schweizer Marken wie Motosacoche 1919 oder Universal 680 Bj. 1933. Das wunderschöne und sehr seltene Opel-Motorrad wurde von Matthias Hühn präsentiert. Noch nie ein Bild davon gesehen? Hier zwei Fotos von Riccardo Schlee. Oder bitte im Jürgen Nölls Buch „Opel-Motorräder aus drei Jahrzehnten“ (Verlag Heel, S. 85 ff) nachschauen. Der Autor schreibt dazu folgenden Kommentar: „Der Neumann-Neander-Seitenwagen steht dem Motorrad in Punkto Rarität in nichts nach.“ Man kann im Fachbuch noch mehr erfahren: „Der von der Frankfurter Firma Kalinowski gebaute Seitenwagen besitzt eine Schwingachse. Das Boot ist aus Holz gefertigt.“ Interessant ist zu erwähnen, dass Licht und Hupe als Zubehör zu bestellen waren und dass der serienmäßige aufblasbare Ledersitz damals schon ein geschätzter Komfort war. Kaum zu glauben, dass auf Wunsch ein gebremstes Rad für den Seitenwagen mit dem dazugehörenden Bremshebel lieferbar war. Die 22 Pferden „sorgten für ungeahnten Antrieb“: Der Motor hatte 1 Zylinder mit 496 ccm Inhalt. Das sehr interessante, fachkundig und ausführlich gestaltete Buch vom Typreferent für Motorräder Jürgen Nöll – übrigens auch ein Muss für jeden Opel-Fan – zeigt wunderschöne Bilder dieses fantastisch restaurierten Motorrades.

Ich hatte die Gelegenheit, sogar zwei Motoclub Supersport Bj. 1928 – perfekt restauriert – mit den charakteristischen roten Pneus und den roten Ledersitzen in Rüsselsheim am Treffen 2012 zu bewundern und war davon fasziniert, obwohl Motorräder nicht meine Lieblingsfahrzeuge sind.

Ich nehme an, jeder Alt-Opel-Freund kann sich sehr – wie ich – am Sieg eines Opel beim weltberühmten Concours d’élégance freuen. Es ist ja fantastisch und einmalig, dass gerade hier ein Opel sich behaupten konnte! Ich richte meine Komplimente an den Besitzer und hoffe, ihn mit seinem Prachtstück – das übrigens bereits mehrfach in anderen Wettbewerben prämiert worden war – bald auf unser Treffen persönlich begrüssen zu dürfen. Er wäre der Star der Veranstaltung!

 

Text: Mattia Ferrari *782

Bilder: Riccardo Schlee *103

   

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