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 Das Titelfoto…
…zeigt Kurt Lawrenz aus Moers mit seinem Kadett B. Das Auto befindet sich im Originalzustand.
Und das Bild erzählt eine Anekdote. Kurt dachte, anlässlich des Jubiläumstreffens sei es angebracht, sich im Stil der frühen Siebziger anzuziehen. Nur dachte das außer ihm
niemand und so stand unser Mann aus Moers durchaus im Mittelpunkt, was ihm nicht gefallen hat. „Lass uns lieber über den Kadett reden“, kam es denn auch. Das haben wir
getan. Dank bei dieser Gelegenheit an unsere Mitglieder, die zum Kadett-Jubiläumsspecial beigetragen haben. Auch unser Partner AvD hat mitgeholfen.

Auf die Homepage übernommene Themen sind:


Historie:

-   Rekord P2 Pickup


Report:

das Auto - 50 Jahre Kadett B

-  Kadett B (Thomas Schubert)

-  Opel Bedford Hymer 521 Wohnmobil

-  Der kleine Mann mit dem alten Opel

   (Mattia Ferrari)

 Unterwegs:

-  Die Fernfahrt Wien-Berlin 1893/2015


Mitgliederbereich:

-  Heißstart - Teil 1 (Walter Busch)

Inhalt dZ 233:

 

Die hier vorgestellten Inhalte sind nur eine

Auswahl der tatsächlich im Heft behandelten Themen.

Unter anderem im aktuellen Heft:


Report:

-  Kadett B 1

-  Hymer

-  Rekord C

-  Im Corsa um die Ostsee - Teil 1

 

Historie:

-  Rekord P2 Pickup

 

Unterwegs:

43. AvD Oldtimer Grand Prix


     

 

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    American Gigolo – aus dieser Perspektive wird deutlich, woher das Design des F-Coupés seine Inspiration bezogen hat


Das Auto

 

Diesen selbstbewussten Slogan hat Opel bei der Werbung für den Kadett B verwendet. Heute wird er eingesetzt von einer Firma, die den Simca 1100 ein zweites Mal erfunden hat und auch Currywurst nachmacht. Den Kadett-Freund kümmert es nicht. Warum aber tritt er so wenig in Erscheinung?

Eine Spurensuche. Kurt Lawrenz aus Moers schwärmt vom gemeinsam mit dem Werk ausgerichteten Jubiläumstreffen auf Schloss Westerhaus. Dem Moment, in dem vielen bewusst geworden ist, wie viele sie doch sind. Aber auch, wie gut diese Autos inzwischen restauriert werden, obwohl sich der Aufwand nur bei einer gesuchten Version, einem frühen Rallye etwa, vielleicht gerade eben rechnen mag. Sofern die Substanz gut ist. Gerade beim Kadett hat die Bewegung vom Gebrauchtwagen ins Oldtimerdasein die Maßstäbe deutlich verschoben. Heute wird richtig Geld in den Kadett versenkt, bar jeder Vernunft, keine halben Sachen. Früher war er die billigste Möglichkeit, von A nach B zu kommen und sicher sein zu können, niemals liegenzubleiben. Der Kadett, das war das Auto, das man sich in den Achtzigern für einen Fünfziger geholt hat und ein Sechserpack Bier. Ein halbes Jahr über den Winter, TÜV-Plakette noch einen Monat überziehen, die letzten Kilometer mit zusammengebissenen Zähnen, und der nächste bitte. Auch deshalb war der Kadett das Auto. Er ging nie kaputt und Ersatz gab es überall, wozu also über Alternativen nachdenken.

Diesen Teil der Geschichte hat auch Kurt genau so erlebt. Im Elternhaus wurde BMW gefahren. Damit wurde er nie warm, und: „Geputzt habe ich den auch nicht. Den Kadett meiner älteren Schwester schon.“ Sie nahm ihn mit in ihrer kardinalroten Limousine, günstig erworben, Unfallwagen, aufgebaut mit Gebrauchtteilen. Nachdem die schwarze Haube vom Rallye montiert war, kamen auch die Seitenstreifen dran. Doch nicht jeder Kadett B wurde einfach verbraucht. Schon Mitte der achtziger Jahre ließ sich absehen, einige Exemplare sollten zu Liebhaberstücken heranreifen. Eins davon ist das blaue F-Coupé, das Kurt in Krefeld am Straßenrand stehen sah. Er fragte sich durch, fand die Besitzerin. Sie wollte nicht verkaufen. 1988 stand dieses Auto dann auf einer Tankstelle. Seither fährt Kurt es in zweiter Hand, wenn auch nicht viel. Selbst Fußmatten und Feuerlöscher sind original. Auch der orangefarbene Zweitürer präsentiert sich unrestauriert und wird nur zu besonderen Anlässen aus der beheizten Garage geholt.

Ende der achtziger Jahre wurde der Nachschub an billigen B-Kadetten für den Alltag knapp. Kurt stellte auf den Kadett D um – und entdeckte prompt ein weiteres Liebhaberstück, das er ebenfalls zur Seite gestellt hat.

Zurück zur eingangs gestellten Frage. Drei Erklärungsversuche. Der typische Kadett-B-Fahrer sagt gern, sein Auto sei doch nichts Besonderes. Das mag 1972 gestimmt haben, auch 1982 noch, als Kadetten das Straßenbild geprägt haben. Heute ist ein fünftüriger Caravan seltener als manches, das auf der Techno Classica für sechsstelliges Geld gehandelt wird. Und die Bescheidenheit steht im Widerspruch zur Beobachtung, dass wir viele Kadett B im Clubregister haben, aber nur relativ wenige auf unserem Jahrestreffen zu sehen sind. Vielleicht haben mit den Jahren viele Kadett-Freunde nach oben abgerundet, sich einen Rekord, Commodore oder Admiral hingestellt und ziehen das größere Modell für lange Strecken vor. Wir haben dieses Jahr auch sehr viele Senator A gesehen, deren Besitzer auch ältere Modelle im Stall haben. Dann haben einige mehrere Kadett B und bringen nur einen mit. Das alles erscheint plausibel, aber es erklärt die Beobachtung insgesamt nicht.

Auf den kommenden Seiten gibt es mehr über den Kadett. Und wer mir umfassend erklären kann, warum wir viele Kadetten haben und nur wenige sehen, herzlich gern.

 

Text: Stefan Heins *1662

Fotos: Kurt Lawrenz *1292

 

2_20130602_14.27.38_800Der vom Kiemencoupé übernommene nüchterne Grill harmonierte nicht ganz mit der wuchtigen Seitenlinie

 

3_opel_jahrestreffen_2008_ehrbach_odenwald_032_265Die Limousine ist wie das Coupé ungeschweißt

 

4_20150717_203752_265Endlich 50!

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Kadett B - von Thomas Schubert

 

Guten Morgen Herr Heins,


nachdem heute eher ein Saurer-Gurken-Tag ist, nutze ich diese Gelegenheit, Sie mit den Bildern wie besprochen zu versorgen.

Bild 1 zeigt, dass im Kadett-Kofferraum leider "nur" vier Bierkästen Platz haben, auch wenn man das praktische Ablagefach weglassen würde.     

Bild 2 zeigt mein vor über 30 Jahren gebautes praktisches Ablagefach, damit die ständig mitgeführten Gegenstände wie Reservekanister usw. im Kofferraum nicht lose rumkugeln. Es liegt übrigens auch nur lose auf, gehalten mit angetackerten Stücken aus Anti-Rutsch-Matte. Das Abschleppseil habe ich übrigens in den über 33 Jahren, seit ich B-Kadett fahre, nur ein einziges Mal gebraucht. Das war gleich ganz am Anfang, als ich auf einer kleinen Straße außerorts wenden wollte und dann die Hinterräder in der Luft hingen ...

Bild 3 zeigt mein erstes Auto, gekauft im April 1982 mit schwarzem (Bitumen-)Trauerrand untenrum und etwa 92500 km auf dem Tacho.

Bild 4 zeigt die Karosserie desselben Autos etwa 22 Jahre (= harte, oberfränkische Salzwinter) später und mit etwa 228000 km mehr auf einer selbstangefertigten Schweißlehre. So steht er nun leider seit fast fünf Jahren und es geht wegen vierlei anderer Dinge einfach nicht weiter. Immerhin, angefangen ist schon, siehe ...

Bild 5 zeigt eine der am schwierigsten instandzusetzenden Stellen am Kadett, nämlich das hintere Ende des Bodengruppenblechs vor dem Radeinbau. Es gibt hierfür keinerlei Reparaturbleche, und auch der Querträger (im Opel-Jargon etwas verharmlosend "Fersenblech" genannt) muss später noch raus, um die hinteren Längsträger wieder einbauen zu können. Vielleicht kann man ja mal in so etwa zehn Jahren ein ganzes Heft für den Restaurationsbericht vorsehen.

Bild 6 zeigt meinen zweiten Kadett, den ich seit dem Jahr 2002 ebenfalls ganzjährig fahre und der gemäß meiner Festlegung von damals 20 Jahre laufen soll. Auch wenn hier und da sich mittlerweile doch schon Rost zeigt, hat er dank meiner Hilfe bisher ganz wacker gegen das verdammte Streusalz gekämpft. Anfangs mehrmaliges Einspritzen von Hohlraumschutz, regelmäßiges Waschen im Winter und die Beseitigung der äußeren Roststellen (hervorgerufen meist durch Steinschläge und Streusalzeinwirkung) in Verbindung mit einer durch Rost noch nicht allzu weit vorgeschädigten Rheinland-Karosse machten dies möglich. Den Wagen kaufte ich von einem ALT-OPEL-Clubkameraden aus Neuwied, der ihn vom Schrottplatz weggerettet hat. Da das Auto die gleiche Lackfarbe (mistralbeige) und auch L-Ausstattung hatte wie mein erster, fiel die Veränderung nicht sonderlich auf.

Kleine Begebenheit am Rande: Nach meinem Umzug aus der Stadt in den Landkreis Hof konnte ich mir das Kennzeichen meines ersten Kadett zuteilen lassen, da dies zufällig frei war. Eines Tages sprach mich eine Frau an, sie kenne doch das Auto, denn genau so eins mit diesem Kennzeichen habe sie bzw. ihr damaliger Freund auch mal gehabt ... Ein klärendes Gespräch war nötig.

Thomas Schubert *2660

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aussen1_265Bericht zum Kauf eines Opel Bedford Hymer 521 Wohnmobil

Schon alsSiebzehnjährige träumten mein Klassenkamerad und ich von Ausflügen mit einem Opel-Bedford Wohnmobil. Nun, 38 Jahre später, wurde der Traum Wirklichkeit!

Im vorletzten Zuverlässigen las ich die ausführliche Verkaufsanzeige für ein solches Fahrzeug. Die detaillierte Chronologie und umfassende Beschreibung machten mich neugierig. So rief ich abends in einer Bierlaune einfach mal beim Verkäufer in München an. Schnell sprachen wir auf einer Wellenlänge, er teilte mir den kompletten Werdegang des Opel mit und den Grund des Verkaufs. Im Zuge meines weiteren Brainstormings dachte ich an eine gut bekannte Nachbarsfamilie mit zwei kleinen Kindern, die schon immer mit dem Gedanken an ein Wohnmobil spielte. Noch am selben Abend kam Ben (Herr des Hauses) zur ersten Besprechung. Unser Plan: stehende Kosten teilen, und pro Kilometer zahlt jeder 0,30 € als „Hausgeld“ in eine gemeinsame Kasse. So ist gewährleistet, dass der Opel im Jahr ca. 3-4.000 Kilometer bewegt wird, keine Standschäden auftreten und dass alles finanzierbar bleibt.

Wir waren uns schnell einig; am nächsten Tag nach Recherche auch im Netz über die Preise rief ich erneut beim Verkäufer an mit meinem Angebot. Er stimmte zu und wir vereinbarten einen Abholtermin. Leider sandte er mir nicht die versprochene Bestätigungsmail, so dass ich nun doch Angst bekam, ob das Geschäft zustande kommen würde. Denn nun war die Euphorie in beiden Häusern schon groß angestiegen! Nach drei Tagen fasste ich mich ein Herz und erhöhte mein Gebot. Der Verkäufer gab nun sein OK und sandte die Bestätigung –

 mit Abholtermin sofort. Wir hatten, auch bedingt durch diverse Telefonate und glaubhafte Rechnungen über das Fahrzeug – zur Beseitigung der Standschäden und letztendlich Gas-und TÜV-Prüfung waren unter dem Strich 6.700 € investiert worden – ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut, so dass er auf mein Angebot der Anzahlung verzichtete. Auch hatte ich mit seiner Werkstatt telefoniert, die auch nur Positives berichtete. Doch immerhin handelt es sich um einen 35 Jahre alten Opel-Bedford.

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So fuhren Ben und ich mit dem Nachtzug von Düsseldorf nach München, wo wir am Samstagmorgen um 6 Uhr vom Verkäufer Herrn Angermaier im Opel Zafira abgeholt wurden. Die Vorfreude war nun doch sehr groß – wir hatten das Fahrzeug ja noch nie live gesehen und keine Probefahrt unternommen. Also die Katze im Sack gekauft?

Nach Einladung zum ausgiebigen Frühstück mit der Familie zeigte und erklärte uns Herr Angermaier ausführlich das Fahrzeug. Danach die obligatorische Probefahrt mit dem „Geschoss“ – Masse 4,98 x 2,45 (inkl. Spiegel) x 3,15 Meter. Wir waren sofort vom guten Motorlauf und dem Zustand der Mechanik überzeugt. Dies hängt natürlich mit der geringen Laufleistung, nachweislich 67.000 km in 35 Jahren, und den Investitionen zusammen.

Voller Freude traten wir nach der Kaufabwicklung den „Rückmarsch“ nach Düsseldorf an.   

Auf der BAB so 85-95 km/h hinter den LKW – ein sehr schön entscheunigtes  fahren, in Verbindung mit der riesigen Front-und Seitenscheiben ein echter Panoramablick. Als die Tankuhr schon weit im roten Bereich weilte, erfolgte die gefürchtete Tankprozedur. Nach dem ersten Klacken – dabei spritzte schon Benzin heraus – wurde noch zwei, drei Ladungen mit wiederholtem Klacken gefüllt. Dann war unseres Erachtens der Tank voll. Jedoch zeigte die Tankuhr nur halb voll an. Bestimmt Fehler in der Tankanzeige, denn der Tank war ja voll (Inhalt 60 Liter) So hatten wir auch kein Problem weiterzufahren, als die Tankanzeigenadel wieder in den roten Bereich wanderte – mussten ja noch ca. 30 Liter drin sein! Bei Stuttgart-Zuffenhausen auf der Autobahn stotterte der gute Blitz plötzlich. Mit Mühe und Not kamen wir von der Autobahn. Im Wohngebiet, 20 Meter vor Hügelzenit, blieben wir dann endgültig liegen. Freundliche Anwohner schoben den Opel bis oben. Dort ließen wir rollen. Doch die  Tankstelle lag dann noch 100 Meter bergauf. Also Reservekanister heraus und nach Notbetankung zur Tankstelle. Dort stellte sich heraus, dass nur bei vorsichtigem langsamem Betanken 60 Liter in den Tank gehen! Nun stimmte auch die Tankanzeige und wir fuhren nach Walldorf zum Bedford-Papst Rüdiger. Er und seine Freunde begutachteten das Fahrzeug

genau. Rüdiger wechselte einen Vergaserunterdruckschlauch, der porös war. Allgemeine Meinung: Ein in diesem Zustand befindliches Fahrzeug ist nur noch sehr schwer zu finden – also kein Fehlkauf. Er und seine Freunde können allen Opel-Bedford-Fahrern nur empfohlen werden bei Problemen – immer nett und hilfsbereit! Zwei Stunden später setzten wir nach diversen Fragen und Benzingesprächen unsere Fahrt fort, um endlich glücklich ohne weitere Aufenthalte am Abend in Düsseldorf von Familie und Freunden empfangen zu werden.

Nun einige Fakten. Während der fast 700 Kilometer verbrauchten wir im Schnitt 11,3 Liter/ 100 km. Der Ölverbrauch nach nun zwei Touren liegt bei ca. 0,2 Litern/ 100 km. Voll mit Gepäck und vier Personen und großem Hund, auch mit leichten Stadtfahrten, pendelt sich der Verbrauch bei etwas über 13 Litern/100 km ein. Mit meiner Frau allein um 11,5 Liter/ 100 km.

Das Fahrzeug wird mit H-Kennzeichen versichert. (Dank an Heiner Schnorrenberg, der uns Newcomern mit Rat bei Versicherungs- und Gutachteradressen geholfen hat.) Die HUK z.B. versichert Oldtimer nicht Teilkasko. Dies ist aber bei der Panorama-Windschutzscheibe nötig – Kosten bei Tausch ca. 1.000 €! Sonstige Kosten: Versicherung mit Teilkasko ca. 240 € im Jahr, Steuer 199 € im Jahr.

Das Fahren sowie Mitfahren macht allen viel Freude. Es vermittelt eine Art LKW-Feeling. So muss man das Fahrzeug auch bewegen. Der Antrieb ist nicht zu laut und der Federungskomfort ist gut. Innen ist alles sehr durchdacht ausgeführt – Hymer halt. Vier Personen können gut schlafen, nicht zuletzt wegen des großen Bettes über den Fahrersitzen. Auch Toilette, Dusche, Herd, Kühlschrank und die gemütliche Sitzbank im Fond tragen zur Freude und Bequemlichkeit bei. Oft haben wir in den letzten Wochen um den Tisch gesessen mit Freunden zur Einweihung. Einfach nur gemütlich.

Der Bedford-Opel ist aus unserer Sicht bis jetzt zuverlässiger als allgemein angenommen. Wichtig sind korrekter Umgang und Wartung – aber das ist ja bei jedem Oldtimer so. Auch haben wir schon ein paar kleinere Instandsetzungen vorgenommen. Es ist eine Freude am Opel zu schrauben. Alles einfach und gut erreichbar. Sogar vier Schmiernippel – zwei an den Kardanwellen-Kreuzgelenken, zwei an den Achsträgern – habe ich genussvoll abgeschmiert. Halt wie früher! Über den Gesprächsstoff auf Campinglätzen mit diesem Fahrzeug braucht man nicht lange zu schreiben.

Abschließend denken wir, dass aufgrund des Zustandes (lt. Gutachten 2-3) und  entsprechender Fahrweise viele Jahre Spaß vor uns liegen mit dem Opel Hymer 521, auch  durch die Kostenteilung. Denn wenn der erste Hype vorbei ist, bleiben die Kosten und Reparaturen. Uns entsteht durch das „Hausgeld“ kein Reparaturstau; Standschäden sind durch die Benutzung zweier Parteien auch nicht zu erwarten.

Nächstes Jahr planen wir dann die Fahrt mit dem Hymer nach Bad Waldsee zum Jahrestreffen am Hymer-Museum.

Allen Beteiligten noch einmal danke für ihre Hilfe!

 

Jochen Fennel *4098

 

PS: der Vectra A V6 läuft ebenfalls prächtig- macht nach wie vor viel Freude beim Fahren (siehe dZ 4/2014)

 

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Der kleine Mann mit dem alten Opel

Die lange Suche nach dem mysteriösen Wagen

 

In den neunziger Jahren hatte ich öfter gehört, dass Gerüchten nach in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bellinzona ein alter Mann lebte, der noch einen alten Opel besaß. Niemand konnte mir sagen, wo er wohnte und um welches Opel-Modell es sich handelte. Nicht einmal in welcher Ortschaft er wohnte.

Ich hielt fortan ständig Ausschau nach dem alten Wagen, der aber nirgends auftauchte. Vielleicht hatte der alte Mann seinen Führerschein schon abgegeben, dachte ich mir, und das Auto stand irgendwo abgemeldet herum. Ich habe alle Dörfer unserer Gegend durchsucht und praktisch in allen Hinterhöfen nach dem Opel gesehen. Alles vergebens. Die Suche war so aufregend wie die Lektüre eines Krimis bis zur Entdeckung des Mörders.

Die Spannung wuchs mit der Zeit. Ich war noch nicht resigniert, dass das Auto nicht mehr auf dieser Welt sein konnte. Umso mehr als hie und da jemand die Existenz des mysteriösen Opel bestätigte, jedoch ohne Näheres sagen zu können. Mit der Zeit wuchs jedoch auch das Bewusstsein, dass es vielleicht alles vergebens sei. Na ja, dachte ich: Vielleicht ist alles nur ein Märchen und das Auto existiert schon längst nicht mehr. Monate vergingen. Ich habe in dieser Zeit mehrere Wagen entdeckt, darunter einige Opel, die alle jedoch für mich uninteressant waren und die deshalb blieben wo sie waren, sehr zum Glück meiner besseren Hälfte.

Eines Tages, als ich die eingeschriebenen Briefe am Postschalter entgegennahm, fragte mich der Pöstler – den ich sehr gut kannte da ich ihm mehrmals in der Woche begegnete – ob ich nicht einen alten Opel wollte. Er kannte mich schon lange und wusste von meiner Vorliebe für die Marke. Na ja, es hängt davon ab, um welchen Opel es sich handelt, antwortete ich vorsichtig. Der Pöstler hatte keine blasse Ahnung; er wusste nur, dass sein Onkel einen alten Opel hatte, mehr nicht. Er konnte nur hinzufügen, dass das Auto heller Farbe war. Das war nicht viel. Ich erhielt von ihm die Telefonnummer seines Onkels und wollte mit diesem einen Besuch vereinbaren. Handelte sich nun endlich um den vermissten Opel? Könnte wohl sein, da der Mann in der Nähe von Bellinzona wohnte. Und von welchem Modell war da die Rede? Nach jahrelanger Suche war ich endlich nah am Ziel, oder wäre diese nur die letzte Enttäuschung einer ganzen Reihe gewesen? Die Aufregung wuchs, weil diese Fragen bald eine Antwort hätten erhalten können.

Ich hatte mich vor dem Anruf erkundigt und erfahren, dass der Besitzer älter als 85 war und dass er den Führerschein noch besaß. Ich wollte aber mehr wissen, wenn nicht über das mysteriöse Auto, dann zumindest über den Besitzer. Er war der ehemalige Coiffeur des kleinen Dorfes, lebte allein, war eigenartigen Charakters und fuhr noch einen weißen verbeulten Citroën BX. Und er hatte eben auch einen Opel.

Es kam heraus, dass die Verwandten gerne die Halle benutzt hätten, wo der Wagen stand. Deshalb hatten sie auf ihn Druck ausgeübt, damit er den alten unbenutzten Wagen verkaufe. Es schien tatsächlich, dass ich endlich nach langer Suche dem märchenhaften Opel nah war.

Ich fuhr abends hin. Das alte, ungepflegte, sehr vernachlässigte kleine Haus stand mitten im Dorf. Ich klingelte und mir kam ein kleiner Mann entgegen, der sich mit einer weißen, zerzausten und ungepflegten Frisur präsentierte (so eine konnte wohl nur ein Coiffeur haben…), schlecht angezogen und schlecht gelaunt und nicht besonders freundlich war. Ich fragte ihn sofort nach dem Opel. Ja, er hatte den Opel, sagte er. Einen Rekord, aber von welchem Jahrgang wusste er nicht mehr – sicher aus den 60er Jahren. Er hatte jedoch keine Lust, mir den Wagen sofort zu zeigen. Es hat noch Zeit, meinte er. Ich war selbstverständlich anderer Meinung, wollte ihn aber nicht verärgern, gerade jetzt wo ich fast am Ziel war. Geduld solltest du walten lassen, musste ich mir selber einreden. Ich rufe Sie mal an, sagte er mir. Das klang nicht gut, gar nicht gut! Nur eins wusste ich: Der Opel konnte ein P2, ein Rekord A, B oder C sein. Da wusste ich nicht viel mehr weil die Modelle-Palette einfach zu groß war!

Die Ungeduld nahm mit dieser Warterei ständig zu, da das Telefon bei mir nicht klingelte. Ich hielt es nicht mehr aus und rief nochmals an. Zum Glück! Der alte Mann hatte meine Telefonnummer

vergessen. Ja, der Opel sei noch da, sagte er. Ich atmete erleichtert auf. Ich hatte nachts schon mehrmals vom Rekord geträumt. In meinem Alptraum wurde er plötzlich einem fröhlichen Fremden verkauft, während ich macht- und sprachlos dastand und nichts unternehmen konnte, um den Deal zu stoppen, weil der Mann lächelnd zu mir sagte: warte, warte, warte! Nein, so kann es nicht weitergehen, sagte ich mir. Ich musste handeln, und zwar sofort.

Der Termin wurde auf den nächsten Tag vereinbart. Mein Hirn funktionierte auf Hochtouren: Wenn das Auto seinem Besitzer ähnlich sieht, ist es allerhöchstens zum Verwerten gut. Der weißhaarige Mann machte die Garagentür auf und der Wagen stand in der Ecke: Das mysteriöse Auto war endlich entdeckt! Ein zweitüriger Rekord C 1900 L, weiß mit rotem Luxusinterieur und Stockschaltung. Ich war sehr froh, weil meine vorherigen Rekord C nicht so schön waren. Ich hatte einen viertürigen ehemaligen Militärwagen und einige sehr müde Caravan gehabt. So einen schönen und insbesondere gesunden C hatte ich noch nicht gehabt! Nicht ganz weiß, muss ich korrigieren, da er jahrelang gestanden hat und der Staub so dick war, dass die Farbe nicht mehr ganz zu erkennen war. Ich hätte nie geglaubt, dass ein so sauberes und gesundes Auto einem so vernachlässigten Mann gehören könnte.

Es war abends im November und die Halle hatte kein Licht. Ich hatte vorsichtshalber alles mitgenommen, um den Wagen vom Schlaf wieder erwachen zu lassen: Benzin, Batterie 6V und 12V, Kabel usw. Sie wissen schon, einfach alles was in diesen Fällen benötigt wird. Eine kleine Taschenlampe war dabei und die ermöglichte mir, den Wagen zumindest oberflächlich zu begutachten. Ich konnte mit Freude feststellen, dass er keinen Rost hatte, keine Beulen, dass er kein Öl verlor, dass das Interieur sehr schön war und dass das Auto die Befestigungen für zwei Zusatzspiegel auf den Kotflügeln sowie eine AHK hatte. Neben dem Rekord stand ein Wohnwagen der sechziger Jahre. Die Zusatzspiegel fand ich im Kofferraum. Der Motorraum präsentierte sich sauber und gepflegt, ohne einen Fleck Rost. Der Mann machte jedes Jahr seine Ferien in San Bernardino, erfuhr ich von ihm, und brachte dorthin den Wohnwagen der die ganze Saison dort blieb. Er sagte, der Rekord war stark genug und zog den Anhänger ohne Probleme über den Pass.

Die Versuchung, den Wagen sofort zu starten war größer als der Gedanke, bei einer so langen Standzeit eher Vorsicht walten zu lassen. Batterie drin, Benzin direkt in den Vergaser eingegossen, Schlüssel gedreht und beim zweiten Versuch lief der Motor. Ich legte den ersten Gang ein und konnte den Wagen bewegen: Die Bremsen waren nicht blockiert und entgegen der Erwartungen war die Kupplung völlig in Ordnung.

Es stand sofort fest: Ich musste unbedingt diesen Wagen haben. Aber es war – wie es oft der Fall ist – nicht der richtige Moment, weil ich keinen überdachten Parkplatz frei hatte. Da kam mir eine Idee. Ich bot dem alten Mann CHF 700 für das Auto inklusive einem Jahr Parkplatz in der Halle. Er war sofort einverstanden, ich war überglücklich und konnte es kaum glauben. Das kommt nicht jeden Tag vor! Der eigenartige kleine Mann kam mir plötzlich sehr sympathisch vor. Der Preis für den Opel war schon günstig, sagen wir es so, mit einem Jahr gratis Parkieren noch dazu war er megagünstig, fast gratis. Konnte ich mir was Besseres erwarten? Wohl kaum!

Ich hatte eine zweite Idee: Den Wagen wollte ich sofort als Oldtimer prüfen lassen. Drei Tage später ging ich zur MFK und die Prüfer fragten mit Erstaunen: Wo hast du einen solchen Wagen aufgetrieben? Eine Wäsche und ein Service waren genug, um den Rekord in einem Zustand zu präsentieren, dass die Prüfer auf Anhieb überzeugt wurden. 15 Minuten später fuhr ich mit dem Rekord C mit dem Vermerk „Oldtimer“ auf dem Fahrzeugausweis wieder zurück in die Halle und der Wagen wurde wieder eingemottet. Schon bei der ersten Fahrt hatte ich den Eindruck, ein sehr gutes Auto erworben zu haben: Er fuhr leise und problemlos, die Lenkung hatte kein Spiel und die Bremsen waren in Ordnung. Ich entdeckte mit Freude, dass das Auto ein sehr praktisches und damals in unserem Alpenland sehr geschätztes Extra hatte: Die Fanfare. Der alte Besitzer wollte auf Passfahrten sicher fahren und hupte vorsorglich vor jeder engen Kurve.

Ich beabsichtigte, den Rekord im Frühling einzulösen. Ich hatte in der Zwischenzeit die ganze Wintersaison, um mich auf die Fahrten mit dem neuen Rekord vorzubereiten. Zeit genug also in meinem Archiv nach alten Berichten zu suchen und ich fand interessante Beiträge.

In der Auto Motor u. Sport (AMS) Nr. 18 vom 3. September 1966 berichtete R. S. (= Reinhart Seiffert) über die neuen Opel:

hobby_265Mit neuer Karosserie, neuem Motor und geänderter Hinterachse hat der neue Rekord nur noch wenig mit seinem Vorgänger von vor zwei Jahren gemeinsam.“ Motor Rundschau (Nr. 21 vom 10. November 1966) unterzog einen zweitürigen Rekord 1.7 einem Test und verkündigte folgendes: „Gegenüber dem Vorgänger-Modell ein deutlicher Fortschritt, fahrsicherer, eleganter und geräumiger, allerdings noch mit überragendem Heck. Jetzt gute Federung, ausreichendes Temperament trotz beachtlicher Abmessungen und hohem Gewicht. Motor jedoch durch unzweckmässige Kanalführung nur mit durchschnittlichen Eigenschaften und hohem Kraftstoffverbrauch. – Viele Details sehr geschickt gelöst und gut durchdacht, Bedienung einfach, keine Probleme auch bei schnellem Fahren – bis auf eine starke Labilität in der Lenkung-Mittellage. Verarbeitung gut, guter Service überall in der Welt.“ Der Tester lobte auch die sehr gute Kopffreiheit auf den hinteren Sitzen dank des weit hinten gezogenen Daches.

Im AMS Nr. 23 vom 12. November 1966 ist durch die Feder von R. S. über die Vorzüge des Wagens folgendes zu lesen: Er habe einen deutlich verbesserten Federungskomfort, einen leisen und vibrationsarmen Motor, eine gut ausgestattete Karosserie, einen geräumigen Kofferraum, eine leichte Lenkung, gute Bedienbarkeit von Bremsen und Schaltung, gute Heizung und Lüftung. Seiffert kritisierte jedoch die Hinterachse auf schlechter Strasse die er unruhig fand, die schlecht erreichbare Sitzverstellung, das zu kleine Handschuhfach, wenig Ablagemöglichkeiten, die unhandliche Stockhandbremse und eine „zerstörungsanfällige Windschutzschiebe“. Der Tester musste schlussendlich zugeben: „Ein Wunderauto kann der Rekord nicht werden, aber er ist zweifellos nicht nur durch die überlegen Marktposition seines Herstellers konkurrenzfähig, sondern auch durch konstruktive Qualitäten.“

auf_dem_brnigpass_265 Auf dem Brünig-Pass

 

opel_rek_1.9_l_1_265Opel Rekord 1.9 L

 

rek_1.7_militr_1991_265Rekord 1.7 Militär , 1991

 

rek_c_1.9_am_st._gotthardpass_2001_265Rekord C 1.9 am Gotthard-Pass, 2001

 

rek_c_1.9_l_1_2_265Rekord C 1.9 L

 

rek_c_1.9_l_5_265Rekord C 1.9 L


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Rekord C in Interlaken neben dem Kipperblitz

 

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sauberer Motorraum

 

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unser Rekord C Caravan 1900

Reinhard Seiffert testete später auch die 1.9 L-Version jeweils mit Automat und mit Schaltgetriebe (AMS Nr. 5 vom 4. März 1967) und stellte fest, dass die Kombination mit dem Automat wider Erwarten gut gelungen war weil „der Drehmomentwandler die fehlenden Übersetzungsstufen recht gut ersetzen konnte“. Und musste hinzufügen: „Unbestreitbar stellt das jetzige Modell, besonders mit 1.9 Liter-Motor und Automatik, einen Höhepunkt in der Entwicklung der Opel-Rekord-Reihe dar.“ mot Nr. 13 vom 28. Juni 1969 schrieb u.a. Folgendes im Gesamturteil: „Der Opel Rekord ist sehr gut ausgereift und verarbeitet, qualitativ ohne Einschränkungen empfehlenswert. Beste Pluspunkte: Besonders zuverlässige und laufruhige Motoren, besonders gutes Finish, gute Anlage alltagswichtiger Einzelheiten von Ausrüstung und Ausstattung. Mehr und mehr negativ ist die Straßenlage zu bewerten. Es fehlt an Gefühlskontakt zwischen Fahrer und Fahrwerk, und im Verhältnis zum Innenraum ist die Karosserie unnötig aufgebläht, mit Nachteilen für die Handlichkeit beim Rangieren.“

Die einst so beliebte Zeitschrift „Hobby“ (Nr. 19/66 vom 7. September 1966) testete den neuen Rekord durch Heinz Kranz. Hier das Ergebnis: „So gesehen sind wir überzeugt, dass Opel mit den Rekord-Modellen 1967 die tiefgreifendsten Änderungen seit Jahren vorgenommen hat mit einem umfangreichen Katalog von Sicherheitselementen. Das verdient Anerkennung! Darum meinen wir, dass die neuen Rekord-Modelle beim Käufer ankommen werden.“

mot (Nr. 2 vom 24.01.1970, also drei Jahre nach der Einführung des Rekord C) kam zum Ergebnis, dass dieser „durch Modellkonstanz und die Ausstattung eine berechtigte Spitzenposition in seiner Klasse“ seit Markteinführung erringen konnte. Und stellte fest: „…der gebrauchte Rekord C ist bei gutem Zustand kaum vom Neuwagen zu unterscheiden, äußerlich überhaupt nicht.“ 1970 war der Rekord aber auch noch nicht verrostet…

Mit insgesamt 1.28 Millionen gebauten Fahrzeugen (Schweizer Fabrikate nicht mitberechnet) kann man wohl sagen, dass das Coke-Bottle-Design nicht nur bei eingefleischten Opel-Fans gut angekommen ist. Und nicht nur in Deutschland. Die Franzosen zum Beispiel – Frankreich war damals das wichtigste Auslandsmarkt für die Fabrikate aus Rüsselsheim; Opel war dort die meistimportierte Marke – sprachen von einer „ligne très fine“ (sehr feine Linie), laut L’automobile vom September 1966, wo das neue Modell sachlich und ausführlich präsentiert wurde.

Mein geräumiger, bequemer und komfortabler Rekord C bereitete mich auf Anhieb viel Freude die nie in all diesen Jahren getrübt wurde.

Ich hatte mit diesem Opel noch keine einzige Panne und Franca lenkt den nicht kleinen Wagen ohne Probleme. Als ich mit dem Kipper-Blitz nach Interlaken 2010 zum Schweizer Treffen gefahren war, war sie am Steuer des Rekord C als wir u.a. über den Brünig-Pass fuhren. Ich habe diesen zuverlässigen Wagen nie lackiert: Er trägt noch die Originalfarbe und somit weist er eine Patina auf, die mir besonders gefällt. Nur einmal im Jahr wird er poliert, sonst nicht. Er hat noch die AHK, die bis heute eingetragen ist weil ich jedes Mal dem Prüfer sage, dass ich einen passenden Anhänger gefunden habe. Ich hätte den Wohnwagen des alten Besitzers kaufen können, das wäre ein passender Anhänger gewesen. Er war im Innenraum jedoch so mitgenommen und dreckig, dass mir die Lust sofort verging.

Mein Rekord hat noch die 13 Zoll-Felgen: Erst bei der letzten Serie wurden bei uns in der Schweiz 14-Zoll Felgen montiert. Das Auto bekam später vier Weißwandreifen und ein zeitgemäßes Radio wurde eingebaut. Ohne Radio kann ich nicht leben.

Der zweitürige 1900 L wartet nun auf die Restaurierung unseres Caravan C 1900 L. Ob er dies noch in meinem ersten Leben erleben wird, bleibt dahingestellt. Eins ist sicher: Der Rekord C wird mir überleben und wird Adam noch jahrelang viel Freude bereiten.

 

Mattia Ferrari *782

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Die Fernfahrt Wien-Berlin 1893/2015

 

Organisation und Ausführung: Stepp Klasen Opel-Fahrrad-Klassik

 

Die Vorlage bot die erste Langdistanz im Wettstreit   zwischen Reiter und Radfahrer im Jahre 1893 von Wien nach Berlin. Uns ging es darum, den Beweis anzutreten, dass selbst nach über einhundert Jahren auch heute noch die alten originalen Fahrräder aus dem Hause Adam Opel das Zeug dazu haben, diese Fernfahrt zu meistern.

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Dabei ging es nicht darum, einen neuen Streckenrekord aufzustellen, in Anbetracht der großen Hitze und der fast durchweg asphaltierten Straßen und Pättkeswegen auch gar nicht vergleichbar. Vielmehr stand die alte Technik im Vordergrund, dazu sah das Profil der Wegstrecke alles andere als nach Flachetappen aus. Die Eckdaten der Fernfahrt von Wien nach Berlin: 750 Kilometer mit weit über 6000 Höhenmetern. Der trainierte Radsportler wird müde gähnen und sagen, ja und?

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Keine elektronische Schaltung mit 22 Gängen kam zum Einsatz, wir sprechen hier von Fahrrädern, die teilweise mit 54/21 Zähnezahl betrieben werden, und da wird die Luft schnell dünn, im wahrsten Sinne des Wortes. Die einzelnen Fahrräder unserer Helden der Landstraße waren allesamt aus den 1910-20iger Jahren mit wohlklingenden Modellbezeichnungen versehen wie "das Opel Sieger-Wien Berlin" aus dem Jahre 1911 oder der "Flitzer" , der seinen Namen bekanntermaßen  über ein damaliges Preisausschreiben der Adam Opel AG  erhielt.

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Desweiteren die Berufsfahrerräder "ZR3" sowie das "Modell Nr.3" ,der Urahn des "ZR3" . Dazu kam ein Tourenrad aus dem Jahre 1922 mit aufrechter Sitzhaltung und Tourenlenker, was sich in der Kombination aus Maschine und Fahrer als unschlagbar am Berg herausstellte, dazu später mehr.

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Mit 9 verrückten Radfahrern, anders kann man sie nicht bezeichnen, und 2 Begleitpersonen in Opel Materialwagen ging die Tour am 06.08.2015 von Rüsselsheim nach Wien los. Vollbepackt mit Fahrrädern, Ersatzteilen, 50 Litern Trinkwasser, unzähligen Riegeln und leckeren getrockneten Landjägerwürstchen im Gepäck.

Dort angekommen, besuchten wir Herrn Harald Cap in seinem Fahrradgeschäft, was seit der Gründung am 1. Jänner 1930 dort existiert. Der Grund unseres Besuches ist einfach zu erklären: sein Vater und Onkel, Otto und Walter Cap, fuhren in den 1920iger Jahren für den Rennstall Opel auf internationaler Bühne Rennen. Und das sehr erfolgreich, wie verschiedene Bilder von der Weltmeisterschaft in Budapest 1928 zeigen. Platz 5 für Walter Cap und Platz 7 für Otto Cap unterstreichen deren herausragenden Platzierungen bei dieser Weltmeisterschaft auf Opel-Fahrrädern. Mit glänzenden Augen berichtete Harald Cap aus alten Rennfahrerzeiten seines Vater und Onkels.

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Der nächste Tag wurde nicht weniger spannend mit dem Besuch des Stammbetriebes Opel & Beyschlag, der in 3 Jahren 125 Jähriges Jubiläum feiern wird. Vor Ort wurden wir  vom Enkel des Mitbegründers Beyschlag empfangen, wobei natürlich Firmengeschichte  vom Feinsten präsentiert wurde. Der Nachmittag wurde im Heurigen gefeiert, natürlich sehr enthaltsam mit viel Wasser und klassischen Wiener Schnitzeln. Da die Quecksilbersäule bereits 38 Grad Celsius anzeigte, verkniffen wir uns das kühle Blonde.


Tag 1 Wien-Hrotovice 113 Km 1000 Hm 38 Grad Celsius

 

Tags darauf wurden wir um 8.15 Uhr morgens von Herrn Markus Opel und weiteren Mitgliedern der Alt-Opel IG zum Startort Wien-Floridsdorf begleitet. Der Andrang der Menschen und Interessierten ließ vermuten, dass hier wohl gleich ein hochdotiertes Profi-Radrennen gestartet wird. Die Karawane startete gegen 9.15 Uhr nach unzähligen Interviews durch einen österreichischen Fernsehsender dann endlich Richtung Korneuburg. Diesen Ort erreichten wir über die Prager Straße, welche damals schon Josef Fischer  (Sieger der Fernfahrt Wien- Berlin 1893 auf Opel Victoria Blitz) gefahren war. Danach fuhren wir über immer kleinere Straßen und ausgezeichnete Radwege Richtung Hrotovice,dem ersten Tagesziel. Dabei wurden 113 km mit 1000 HM überwunden. Am ersten Radfahrtag stieg das Thermometer wieder auf 38 Grad an, so dass unsere Versorgungsfahrer in Ihren Fahrzeugen ständige Wasserrationen verteilten und jeder Radfahrer mit mehr als 10 Liter versorgt werden musste. Glücklich und ausgelaugt erreichten wir gegen 18 Uhr unser Hotel. Wellnessoase und Schwimmbad wurden ausdauernd von uns belagert.

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Tag 2 Hrotovice-Rozsochatec 96 Km Wegstrecke mit 1200 Hm. Tageshöchstwerte von 38 Grad. Celsius war ja zu ahnen!

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Mit anfänglich flachem Streckenabschnitt wurde es sehr wellig mit steilen Passagen. Den steilsten Anstieg des Tages meisterte ein einziger Fahrer auf seinem Fahrrad fahrend.

Es war Germar Heinrich, der besagte Mensch auf seinem Tourenrad aus 1922 mit richtigen Übersetzung von 42/28.

Alle Radfahrer applaudierten ihm, schiebend und schnaubend vor Hitze und rinnendem Schweiß, der in den Augen brannte. Verteufelte Opel-Maschine, das Gefährt ist seit dieser Stunde hochgehandeltes Objekt der Begierde bei den Teilnehmern.

Mit vielen kleinen Pausen kamen wir sicher am Tagesziel an, Übernachtungsort Penzion "na zamku". Rozsochatec, ein Schloss inmitten grüner Landschaft mit vorgelagertem See und, ja natürlich, einer Doppelgarage, die als wunderbarer Serviceraum umfunktioniert wurde. Es wurden kleinere Arbeiten wie Kettensäuberung und Kettenspannung durchgeführt. Bis hierher hatten alle Fahrräder perfekt funktioniert, auch wenn das monatelange Training vor der großen Fernfahrt anderes gezeigt hatte.

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Gelöste Kurbeln, gerissene  Pedalaugengewinde durch maximalen Druck am Berg, gebrochene Sattelkloben und weitere Kleinigkeiten ließen nur gewisse Geschicklichkeit im Umgang mit dem alten geliebten Material zu. Dazu gehörte auch eine Zweigangnabe von Fichtel und Sachs, welche aus dem Jahre 1922 stammt. Diese wurde vor der Fernfahrt dreimal zerlegt und immer wieder mit Feinschliff und handgefertigten  Bauteilen in einwandfreie Funktion versetzt.

 

Tag 3  Rozsochatec-Praha (Prag) 108 km mit 1380 Hm, 41 Grad Celsius

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Die augenscheinliche Königsetappe am heißesten Tag der Tour verhieß nichts Gutes für Mensch und Maschine. Deswegen starteten wir bewusst sehr früh und legten die ersten 40 fast flachen Kilometer möglichst zügig zurück.

Die Bergprüfung kam danach stetig und ständig mit andauernden Aufs und Abs, wobei die Anstiege gefühlt zu Fuß oder von unserem Allstar fahrender Germar gemeistert wurden. 

Zwischenzeitlich wurden mehrfache Regelverstöße festgestellt, hatten doch einige Teilnehmer ihre Übersetzungen bergfähig gestaltet, so dass oh Wunder mehrere Teilnehmer immer länger fahrend die Berge erklommen. Was will da die UCI schon ausrichten?  Gefühlt waren wir alle Sieger an diesem Tag als Prag vor uns auftauchte und schließlich Aabends bei einem kühlen Blonden angestoßen wurde.

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Tag 4  Prag-Dresden 123 Km 700 Hm 37 Grad Celsius

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Die nächste Etappe nach einem Ruhetag war für uns im Auftakt sehr gut. Neue Kraft geschöpft und weitere erlaubte oder unerlaubte (wer hat eigentlich das Reglement vorgegeben)  Eingriffe in das Material vorgenommen, Übersetzungstabellen mit dem Streckenprofil verglichen und das Rad angepasst.

Bei allen spuckten Entfaltungstabellen im Kopf herum und es gab anscheinend kein schöneres Thema, wobei die landschaftlichen Reize Tschechiens und der fast wieder sichtbaren deutschem Boden einige Energieschübe freisetzten.

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Solch wunderschönes Wegenetz führte die Kameraleute unter uns ständig zu Zwangspausen am Straßenrand, um mit der Kamera bewaffnet Schnappschuss um Schnappschuss zu machen. In Litomerice angekommen, hinweg über einen Sandweg mit steilem Anstieg fuhren plötzlich alle dauerhaft den Berg, hmmmmm. Merkwürdig?  Keineswegs,  da man ja berücksichtigen muss, dass mittlerweile ein starker Trainingseffekt einsetzte. Abfahrten zu einem Flusslauf der Labe brachten uns wiederum in eine malerische Landschaft. Danach kam der dicke Hammer mit der Maximalsteigung der Tour mit 18% Steigung. Da ging es ans Eingemachte und es wurde alles aus den Sportmaschinen herausgeholt und fast alle kamen fahrend über den Berg.

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Wie erklärt man weitere Superlative, wenn es dafür keinen Wortschatz gibt? Der Königsberg wurde unerträglich lang und jeder fuhr jetzt seine ganz eigene  Etappe nach Alpe de Huez hinauf. Im Durchschnitt mit 10-16%, ein Wahnwitz für alte Fahrräder und alt aussehende Radler. Ich ziehe den Hut vor allen wetteifernden Wadenbolzern, die sich nach geraumer Zeit oben an dem Scheitelpunkt der "Bergetappe" wieder zusammenfanden.

Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten und in einer berauschenden Abfahrt ohne  Helm und Gurt, sondern mit stilvoller Radmütze und gestrickten Radhandschuhen und klassischer alter Radhose mit Ledereinsatz fuhren wir im Gruppetto im Affenzahn mit 60 Stundenkilometern  zu Tale. Keiner dachte in diesem Augenblick über irgendwelche Defekte oder Rahmenbrüche nach, behütet im doppelten Sinne machte sich ein breites Grinsen in den Gesichtern von Friedel Morhard, Mike Gürgens, Jean-Marc Bach, Fabrizio Sitzia, Gerd Jajschik , Germar Heinrich, Denny Hafermann, Jo Wächter und meiner Wenigkeit Stepp Klasen breit.

Pedalumdrehung um Pedalumdrehung kamen wir dem Elberadweg näher, den wir zum Schluss in Dresden angekommen locker des Weges rollten. Bemerkt hatten wir nur, dass es irgendwie spät geworden sein musste. Um 21.00 UHR erreichten wir gemeinsam unser Nachtquartier. 13 Stunden im Sattel waren gemeistert worden, von Mensch und Maschine, unversehrt und mit keinerlei Defekten,  die uns hätten aus der Ruhe bringen können. Das Meisterstück als Etappe war vollbracht.

 

Tag 5  Dresden-Cottbus 101 Km 400 Hm

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Nach einem Ruhetag ging es weiter in Richtung Cottbus und es machte sich fast Gelächter breit, als erklärtes Tagesziel sich bei etwas über 100 Kilometer Wegstrecke abzeichnete. Die Temperaturen waren um 1 Grad Celsius auf satte 36 Grad Celsius gefallen, fast flach kam uns diese Tagestour vor, zumal wir sehr lange hohes Tempo im gegenseitigen Windschattenfahren immer ausgefeilter beherrschten. Die Bucksche Schweiz lud zuweilen mit phantastischem Wegenetz ein. Es wurde von einigen Fahrern sogar ein mittägliches Bad in einem See genommen, war das doch glatt der kälteste Tag seit Tourbeginn in Wien.

 

Tag 6 Cottbus-Berlin. 125 Km 300 Hm 33 Grad Celsius

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Die letzte Tagesetappen führte uns gemeinsam mit unseren unerschütterlichen   Versorgern mit Begleitfahrzeugen Anko Slagter (er fuhr auch einen Teil mit seinem Fahrrad mit, eine Knie- OP hatte leider nicht alle Etappen zugelassen) und Rainer Anders in Richtung Berlin, wo wir am Nachmittag erwartet wurden.

An dieser Stelle ist den beiden ein ganz großes Kompliment zu machen. Ohne die Beiden lägen wir bereits als Skelette irgendwo zwischen Wien und Berlin und wären verdurstet. Danke schön für eure immer währende Fürsorge. Spreewald präsentierte sich mit einem perfekten Radroutennetz bis kurz vor die Tore  von Berlin,  als doch plötzlich  "Defekt" aus den hinteren Reihen der Mannschaft zu hören war. Nach einer 5 minütigen Blitzreparatur (man suche bei diesem Wortspiel das gesuchte Fahrzeug) fuhren wir direkt zum KADEA Betrieb zur Bessemerstrasse im Stadtteil Tempelhof. Die "Kathedrale der Arbeit" steht seit den 1910 Jahren für einen exzellenten Opel-Betrieb, dessen Gebäudekonstruktion  mittlerweile sogar denkmalgeschützt wurde. Die Familie Still bereitete uns einen wunderbaren Empfang,  so dass wir jetzt eigentlich am Ende unseres Vorhabens angelangt wären, ja wenn da nicht die verrückten  Radfahrer wären.

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Aber das ist eine andere Geschichte bzw. wird eine andere Geschichte, wenn es heißt München-Mailland 2017! Die Eckdaten: 700 Kilometer Wegstrecke 10600 HM ?? Grad Celsius

 

Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen hier nicht genannten Personen, ohne die diese Unternehmung nicht hätte stattfinden können.

 

Mit radsportlichem Gruß aus Essen (Ruhrgebiet)

Stepp Klasen, Opel-Fahrrad-Klassik

 

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Anbei ein paar Bilder von meinem P2 Pickup. Wie du siehst, sind alte Opel nicht nur da, um auf treffen zu fahren oder in der Garage zu verstauben. man kann sie auch zur Feldarbeit brauchen, um das Stroh nach Hause zu transportieren.
Wenn du eventuell diese Karosserievariante nicht kennst, kann ich dich beruhigen, es ist kein Eigenbau. Ich hab dir noch ein Werbeblatt beigelegt. es ist in dänischer Sprache, da sie im GM Werk in Kopenhagen gefertigt wurden. Es waren aber bloß 350 Stück, darum kennt man die Kiste so praktisch nicht.
Vielleicht hast du ja für das nächste Heft Verwendung dafür. Da es jetzt endlich in Farbe ist, kommt das sicher gut zur Geltung.

Gruß aus der Schweiz,

Kurt Huber * 537

 

  [Prospekt (DK) als PDF]

 

 

 

                  

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