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Das Titelbild:
... stammt von Ben de Wilde und zeigt ein 38er Admiral Cabriolet bei der freitägigen Ausfahrt anlässlich des Jahrestreffens in Görlitz.

Außerdem in Heft 256:




Report:

Meinungen und Impressionen zum Treffen in Görlitz
von Dieter Budke *3073 und Reinhard Wachtler *4660


Um ein Wahrzeichen ärmer?

von Hans-Martin Weber *40


Technik:

Luftfilter im Kapitän P

von Peter Hartmann *3721

Unterwegs:

Alt Opel Treffen Schweiz 2019
von Christian und Fabienne Vogel *4766

Typgruppentreffen OmegaA/B, Senator B
von Olaf Zimmer *3281

 

Auf die Homepage übernommene Themen:

 

1936 Opel Blitz Modell
von Hans Schneider u. Susanne Pferdekämper

Als der KAT für alle kam
von Martin von Schade *4826

Glück gehabt - Restaurierung Opel Calibra "Keke Rosberg Edition"
aus YOUNGTIMER 3/2019

1936er Opel Blitz Modell als Aufarbeitung eines Kriegserlebnisses

Manchmal erreichen die Redaktion Zuschriften, die uns nachdenklich machen. Diese Geschichte, die uns im Juni von Susanne Pferdekämper zugeschickt wurde, ist so eine.

„Mein Vater hat einen Opel Blitz Bj. 1936 im Maßstab 1:5 (127 cm groß) nachgebaut. Dafür hat er sich von Opel seinerzeit sogar die Original Unterlagen zusenden lassen. Das Modell hat sehr viele ausgefeilte Funktionen und ist wirklich ein Hingucker.

Warum er diese Arbeit vor vielen Jahren begonnen hat, hat mich zu Tränen gerührt, denn es ist eine selbsterfahrene Nachkriegsgeschichte, die noch einmal die Härte des Krieges für die Bevölkerung widerspiegelt. „

Ihr Vater Hans Schröder, heute 87, hat zu seinem Projekt folgendes geschrieben:

„Die Entstehung dieses Automodells nahm seinen Anfang in den Erinnerungen an eine Holzaktion 1946. Ich, der Erbauer Hans Schröder, von Geburt Aachener, mittlerweile aber seit 40 Jahren Straucher Mitbürger, mußte, wie alle Überlebenden des 2. Weltkrieges zusehen, wie man „durchkommt“. Lebensmittelkarten waren zu jener Zeit wichtiger als Geld. Um etwas mehr, als die Grundversorgung zu erhalten, musste man schon Schwerstarbeit verrichten. Zum Beispiel schuften im Bergbau, Rottarbeiten bei der Reichsbahn, oder aber, wie in meinem Fall, zur Holzaktion in die Eifel fahren. Es wurde nämlich dringendst Verbauholz für die Zechen gebraucht.

Zu diesem Zweck hatte man eine kleine Firma aus Aachen beauftragt, Holz in den Eifeler Wäldern zu schlagen. Die Firma bestand aus acht Leuten, darunter mein älterer Bruder und ich. Mit einem Überbleibsel aus dem letzten Krieg, einem Opel Blitz Jahrgang 1936, wurden wir Waldarbeiter auf der offenen Ladefläche von Aachen nach Wahlerscheid transportiert. Es war Februar und bitterkalt. Der Hunger war unser ständiger Begleiter und Erfrierungen waren keine Seltenheit, da es auch an Kleidung mangelte. Arbeitskleidung nach dem heutigen Verständnis gab es nicht. Es wurden Kleidungsstücke aus Kriegs- und Vorkriegszeiten zusammen gesucht. Schon die Fahrt von Aachen nach Wahlerscheid war eine Tortur. Schneebedeckt und völlig durchnässt kamen wir dort oben an.

Den ganzen Tag über mussten wir schwer arbeiten, und das alles wegen der besseren Lebensmittelkarten. Zusätzlich durfte noch jeder einen Stamm Brennholz mit nach Hause nehmen. Nach einiger Zeit fand die Firma Einsatz im Hürtgenwald. Mein Bruder und ich waren zum Glück nicht mehr dabei, denn der voll besetzte „Opel Blitz“ fuhr auf eine Mine, die explodierte. Das war nicht nur das Ende des Autos, sondern noch viel tragischer: Es gab einen Toten und mehrere Schwerverletzte. Mein Bruder und ich waren nur knapp diesem Schicksal entgangen. Mich haben diese Ereignisse stark geprägt und im Grunde niemals ganz losgelassen, sodass ich darin die Ursache sehe, dieses Auto unbedingt nachbauen zu wollen.

Diese vier Jahre, die ich dafür brauchte, tun mir nicht leid. Ich betrachte sie in gewisser Weise als Aufarbeitung der damaligen Nachkriegsereignisse. Es waren sehr wichtige Jahre für mich!“

Wie man auf den Bildern sieht, weiß dieses Modell durchaus zu beeindrucken. Hans Schröder hat sich von Opel seinerzeit sogar die Original-Unterlagen zusenden lassen. Das Modell hat viele ausgefeilte Funktionen und ist wirklich ein Hingucker.

Text: Hans Schröder, Susanne Pferdekämper, Matthias M. Göbel *4352

Bilder: Hans Schröder


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Umweltoffensive: Als erster Hersteller bot Opel
eine komplette Fahrzeugpalette nur noch
mit geregeltem Katalysator an

Als der Kat für alle kam

Da wurde es richtig grün auf Deutschlands Straßen! Vor 30 Jahren war Opel der erste europäische Autohersteller, der die komplette Flotte mit geregeltem Katalysator ausrüstete. Abgas-sauber vom kleinen Corsa bis zum Luxus-Senator. Die Mitbewerber staunten. 1989 - der Sommer des Kats kam.

An die Poleposition beim Katalysator hatte sich Rüsselsheim aber schon lange vorher gesetzt. Bereits 1984 hatte der Kat-Einbau bei Opel begonnen. Das erste Exemplar, ein Ascona 1.8i war am 7. Dezember an die Polizei Frankfurt als Streifenwagen übergeben worden. Und: Es war das erste deutsche Auto mit einem Kat der speziellen europäischen Normen. Die Konkurrenz hatte nur die umgerüstete US-Version im Angebot.

Und im Gegensatz zu Opel gab es kräftiges Gemecker aus mancher Mitbewerber-Chefetage über die neue Abgastechnik. Laut „Spiegel“ maulte VW-Chef Carl Hahn: „Ich verkaufe lieber ein Auto ohne Kat, als ein Auto weniger.“ Horrorgeschichten über den Kat machten in den 80ern die Runde. „Bei schneller Fahrt wird er sinnlos“, erklärte ein ADAC-Sprecher. Funktionäre des Verbandes der Automobilindustrie prophezeiten eine Verteuerung von 5.000 Mark pro Pkw. Der Kat müsse ja nach fünf Jahren ausgetauscht werden.

In Autohäusern aller Fabrikate führte eine solche Desinformation damals zu merkwürdigen Verkaufsgesprächen. Eine betagte Hamburgerin stellte bei der Neuwagenbestellung klar: „Ich bin mit dem Motorgeräusch sehr zufrieden und brauche keinen Knatterlysator.“ Die Kundschaft war verunsichert.


Übergabe des ersten
Kat-Ascona-Streifenwagens

Opel Post vom 14. Dezember 1989

Natürlich erklärte Opel die
Technologie auch seinen Kunden



In dieser Situation die komplette Flotte – vom Corsa über Kadett, dem neuen Vectra, Omega bis Senator – umweltfreundlich zu gestalten, war mutig. Bei Opel lief es auch über den Preis. „Das kann uns alles viel Geld kosten“, erklärte Vorstandschef Louis R. Hughes. Denn die Preise wurden gesenkt. Laut „Opelpost“ um 1,6 bis 3,8 Prozent. Den Corsa gabs so schon ab 12.288,21 Mark. Den Kadett ab 14.407,55 Mark. Der Omega kostete ab 24.301,61 Mark. Die „Opelpost“ stolz: „Mehrwertsteuer inklusive.“ Weil gleichzeitig aber die Steuerbefreiung für Kat-Fahrzeuge zog, ging die Opel-Kat-Offensive gut los. Was die Sache für Rüsselsheim zusätzlich ein wenig einfacher machte: Mutter GM war damals weltweit führend bei der Herstellung von Katalysatoren. Opel-Ingenieur Andreas Dindorf in einem Interview: „Als Teil der GM-Familie konnten wir das Know-how und die Technologien nutzen, die auf dem US-Markt bereits eingesetzt wurden. Hier waren Abgasreiniger nämlich schon Pflicht. So waren wir besser vorbereitet als andere.“

Dazu kam gutgemachte Werbung für Kat-Autos. Fürs TV ließ Opel Bilderbuch-Landschaften im Abendlicht abfilmen, unterlegte den eindrucksvollen Spot mit Satchmos „What a wonderful World“. Das gab noch einen Extra-Preis von der Werbewirtschaft. Zusätzlich Pro-Kat-Zeitungsanzeigen, in Grün gehalten. Wer wollte, konnte sich einen Aufkleber auf die neue Karosse bappen. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Umwelt eingestellt. Denn die ist meine Welt und sonst gar nichts.“

Grün und erfolgreich gings mit dem Knatterlysator in die 90er Jahre. Opel fuhr voran.


Text: Martin von Schade *4826

Fotos: Opel, Opel Post, Martin von Schade


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Wenn Christof Scherl die Seitenscheibe seines Opel Calibra Keke Rosberg Edition öffnet, muss er oft an eine Geschichte aus den 90er-Jahren denken. Diese ereignete sich an der Fachhochschule Rüsselsheim, wo er sein Maschinenbaustudium absolviert hat. Damals stellten dort Fritz Indra, zu diesem Zeitpunkt Leiter der Motorenentwicklung bei Opel, und der Rennfahrer Keke Rosberg die DTM-Version des Calibra vor. Indra lobte in den höchsten Tönen die wegweisende Aerodynamik des Wagens und meinte dann vorwurfsvoll: „Und was macht der Rosberg auf der Geraden, er öffnet die Seitenscheibe und die tolle Aerodynamik ist hinüber.“ Darauf konterte der gewitzte Rosberg unter dem Gelächter des ganzen Saals: „Die Ausstattung ist Scheiße, keine Klimaanlage.“ Doch nicht nur deshalb fühlt sich der gebürtige Wiesbadener mit seinem Calibra so eng verbunden, den er im Dezember 2017 gekauft hat. Hinzu kommt, dass sein Vater einst als Ingenieur vom Auto-Union-Werk in Düsseldorf zu Opel nach Rüsselsheim wechselte, wo er bis zu seinem Ruhestand 1996 blieb. Schon immer Opel-Fan „Meine ganze Kindheit war veropelt, ich bin mit einem Opel-Schnuller aufgewachsen“, scherzt Christof. Kein Wunder, dass er dieser Marke stets treu blieb. Vor seinem Studium durchlief er von 1986 bis 1989 eine Lehre als Kfz-Mechaniker in einem Opel-Autohaus in Wiesbaden. Sein erstes Auto war ein Kadett D 1.3 S und seit 1995 heißt sein Arbeitgeber Opel. Während er sich beruflich eher mit der Zukunft befasst, entwickelte er privat vor einiger Zeit ein zunehmendes Interesse für die älteren Modelle der Marke. Hängen blieb er am Calibra. An dem hatte er sogar damals noch geschraubt, weil er mit dem Gesellenbrief in der Tasche ab und zu in jener Werkstatt aushalf, in der er seine Lehre absolviert hatte. „Ich war überrascht über das noch recht große Angebot“ erinnert sich der 49-jährige an den Sommer 2017, als er mit der Suche nach einem adäquaten Wagen begann. Doch viele waren lange nicht so gut, wie sie in Anzeigen angepriesen wurden. „Einmal bin ich um 7 Uhr morgens mit dem ICE nach Berlin gefahren und war abends wieder enttäuscht zurück.“

Ein Angebot in Gelsenkirchen im Dezember schien aber vielversprechend: „Opel Calibra 2.0 16V Keke Rosberg Edition im Topzustand von 1995.“ Doch als er den Wagen vor Ort bei einem Gebrauchtwagenhändler besichtigen wollte, wäre er beinahe wieder sofort nach Hause gefahren. Zunächst konnte er das Auto nirgends entdecken. Schließlich wurde er zu einer schmutzigen Industriehalle dirigiert, wo er zwischen anderen zum Teil zerlegten Fahrzeugen den Calibra vorfand, dessen Schiebedach gerade repariert wurde. Immerhin, der mit der Reparatur beschäftigte Mechaniker setzte den Calibra auf eine Hebebühne, und was Christof sah, versöhnte ihn ein wenig. Sogar eine Probefahrt war dann doch noch möglich. Zwar erwies sich der Wagen nicht ganz mängelfrei, weil die Kupplung und die Stoßdämpfer verschlissen waren, aber höchst erfreulich waren der unverbastelte Originalzustand und die rostfreie Karosserie. Wie Christof erfuhr, war der Wagen nach dem Tod des Erstbesitzers zehn Jahre lang gestanden. Der Händler hatte das Auto dann gekauft, aufbereitet und tüv-tauglich gemacht. Nun musste noch das Schiebedach instandgesetzt werden. Christof entschloss sich zum Kauf. Nicht nur der gute Zustand des Wagens erfreute ihn, sondern auch die Tatsache, dass es sich um ein Sondermodell handelte. Und alle dazugehörigen Ausstattungsdetails waren noch vorhanden. Im Februar 2018 wurde der Wagen geliefert. Gerne hätte Christof nun für weitere Arbeiten selbst Hand angelegt, schließlich hat er eine gewisse Schraubererfahrung. Aber in seinem Wohnort Frankfurt sind Garagen oder kleine Hallen zum Schrauben rar und unbezahlbar.

Umso erfreulicher waren die guten Kontakte zu Opel Meyer um die Ecke, wo man sich auch mit alten Opel auskennt. Dorthin brachte Christof seine Neuerwerbung zwecks großer Inspektion und Durchsicht. Es dauerte nicht lange, bis ein Anruf von Meyer kam: „Sie sollten mal vorbeikommen, es wird ihnen nicht gefallen.“

Manche Überraschung

Auf das Erneuern einiger verschlissener Teile hatte sich der Opel-Fan ja bereits eingestellt, dennoch wurde es letzten Endes mehr als gedacht. Kupplung und Stoßdämpfer wurden gewechselt, die vorderen Spurstangen, und die Lagerungen der Achsen. Nach Demontage der hinteren Achslager kam etwas Rost zum Vorschein, doch der war zum Glück nur oberflächlich und konnte ohne Schweißarbeiten beseitigt werden. Auch einige Benzinleitungen und Schläuche kamen neu. So hatte der Verkäufer einen Schlauch des Abgasrückführungssystems durch ein Stück geschwärzten Gartenschlauch ersetzt. Auch das Eindämmen des Ölverlusts am Getriebe mit Hilfe von Dichtmasse war Pfusch, daher mussten neue Dichtungen her. „Und schon waren die ersten 3000 Euro weg“, sagt Christof. Er selbst brachte das eingebaute Grundig SC 303 Stereo-Cassettenradio wieder in Gang, nachdem er ein zweites Gerät als Ersatzteilspender besorgen konnte. Den merkwürdigen Geruch im Innenraum beseitigte er übrigens, in dem er eine Weile eine Schüssel mit Kaffeebohnen im Fahrzeug stehen ließ. Nun wollte Christof seinen Calibra genießen, doch daraus wurde nichts. „An einem freien Tag plante ich einen Ausflug zur Wasserkuppe, doch eine Kontrollleuchte meldete Kühlwasserverlust.“ Anlässlich eines neuen Werkstatttermins wurden nicht nur poröse
Heizungsschläuche entdeckt, sondern auch Öl im Kühlkreislauf, trotz neuer Zylinderkopfdichtung.












Christof wusste, dass gerissene Zylinderköpfe ein bekanntes Problem des Vierventilers sind. Und er kannte die Firma, die von Opel exklusiv mit der Reparatur der Köpfe beauftragt wurde. Doch allein das Prüfen des Kopfs hätte schon 300 Euro gekostet. Opel Meyer hatte die rettende Idee. Auf dem Hof stand ein gerade mal 40 000 Kilometer gelaufener Omega Unfallwagen mit identischem Motor. Der wurde überholt und in den Calibra gepflanzt. Möglicherweise war das Problem mit dem Öl im Kühlkreislauf dem Verkäufer bekannt. Mit Sicherheit wusste er aber von der undichten Klimaanlage, die er vor dem Kauf frisch gefüllt hatte, und die nun

wieder leer war. Die damit verbundenen Reparaturkosten ärgerten Christof besonders. Mittlerweile entwickelte er einen gehörigen Ehrgeiz, den Calibra perfekt zu machen, und so brachte er ihn zum Aufbereiter zwecks intensiver Interieurreinigung, zum Beseitigen von Dellen und Kratzern und zum Lackieren der Haube

sowie der Stoßfänger. Dann wurden diverse vom Gebrauch gezeichnete Teile wie die äußeren Stoßleisten, die Pedalgummi, der Schalthebelsack

und vieles mehr ersetzt. Ja sogar die

angerosteten Schrauben in den Schwellerabdeckungen tauschte Christof aus. Und bei der Teilesuche merkte er, wie hoch mittlerweile so manches Teil gehandelt wird. Nun hat er zwar etliche Tausender investiert, aber sein Calibra ist perfekt und wartet auf eine große Ausfahrt. Auf das Öffnen der Seitenscheibe könnte er dabei verzichten, sein Auto hat ja eine Klimaanlage. Aber auf einer Urlaubstour spielt die Aerodynamik eine eher untergeordnete Rolle.

Text: Bernd Woytal, Fotos: Fact
Übernommen aus Youngtimer 3/2019

 

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