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Das Titelbild...

…hat Ben de Wilde im November bei der Jubiläumsfeier des HOCN
(Historische Opel Club Nederland) im Autotron Rosmalen aufgenommen.


Außerdem in Heft 259


Intern:

Familien- und Juniormitgliedschaften
von Lothar Rindt

Technik:

Kadett A Newsletter
von Stefan Dierkes

Unterwegs:


Retro Classic Bavaria 2019
von Max Schmitt

Jubiläumsfeier "25 Jahre HOCN"
von Adriaan Onrust

Historie:

Danke Helmut Kissling!

von  Norbert Kelleter

 

Auf die Homepage übernommene Themen:

 

Von schätzbarem Wert
Interview mit Marc Schaefer  (übernommen aus Opel Post)


Der weiße Traum - 40 Jahre Ascona 400

von Norbert Kelleter *3890

Im 67er Kadett von San Francisco nach Denver

von Olaf Moldzen *1920

 

Maximales Traumauto-Potenzial: Die legendäre „Black Magic“-Edition des Manta auf GT/E-Basis mit brilliantschwarzer Lackierung und orange-karierter Recaro-Polsterung. Der 1,9-Liter-Motor leistet 105 PS

 



Von schätzbarem Wert

Der Opel Manta wird 50: Wie positionieren sich die Siebzigerjahre-Ikone und andere Opel-Klassiker am Liebhabermarkt? Ein Sachverständiger von „Classic Data“ gibt Auskunft. Mit ihm begann ein buntes Jahrzehnt: Mit Schlaghosen, Käse-Igel,  Anschnallpflicht, Pink Floyd und einem James Bond, der von Roger Moore dargestellt wurde. Der von George Gallion designte Opel Manta ging im September 1970 unter dem Namen des exotischen Fischs in Serie. Das Coupé steht für Rekordverkaufszahlen, große Rallye-Erfolge – und er wird 2020 runde 50 Jahre alt.

Und der Kult-Klassiker hat fast noch so viele Fans wie Pink Floyd. Eine Vinyl-Pressung von „A dark side of the moon“ ist noch relativ leicht zu bekommen, doch wie sieht es mit einem Exemplar des Manta – und anderen Klassikern der Siebzigerjahre – aus? Wir haben bei Marc Schaefer nachgefragt, Ansprechpartner für Opel bei der Classic Data GmbH, dem deutschen Marktführer für die Bewertung klassischer Fahrzeuge.


Marc Schaefer ist Mitglied der Alt-Opel IG
und Experte bei Classic Data, einem der
führenden Unternehmen für die
Bewertung historischer Fahrzeuge

Herr Schaefer, der Manta wird 2020 runde 50 Jahre alt. Wirkt sich ein solches Jubiläum nach Ihren Erfahrungen auch auf dem Oldtimermarkt aus?
Sicherlich insofern, als dass es zu ein paar toll bebilderten Veröffentlichungen in einschlägigen Automagazinen kommen wird. Und die werden vielleicht bei dem ein oder anderen den Wunsch wecken, sich selbst einen Manta zuzulegen. In der Liebhaberszene, die losgelöst von den Gesetzmäßigkeiten des Gebrauchtwagenmarktes zu betrachten ist, ist der Manta A allerdings schon vor 20, 30 Jahren angekommen. Und seitdem hat er auch das Preisfenster gefunden, in dem er zu haben ist. Da wird sich auch zum 50-Jährigen nicht viel ändern.



„In der Liebhaberszene ist der Manta A schon vor 20, 30 Jahren angekommen.“


Seltenes Sondermodell: Die Optik des Manta,
hier als „Swinger“, mit rahmenlosen Seitenfenstern
und flacher Sportwagen-Silhouette
traf den Zeitgeist der Siebzigerjahre

Was muss der frisch entflammte Liebhaber denn für einen gut erhaltenen Manta A hinlegen?

Für einen gut vorzeigbaren Manta A der Zustandsnote 2, Original oder von Könnern restauriert, würde ich im Mittel 12.000 bis 15.000 Euro sagen. Ein Exemplar der Zustandsnote 3, also fahrbereit, aber mit optischen Mängeln, könnte ab 8.000 Euro zu haben sein. Es kommt natürlich auf die Motorvariante an. Ein 1,2 Liter wird immer günstiger sein  als ein 1900er SR. Ohnehin sind die sportlicheren Varianten immer stärker gefragt, was sich dann auch im Preis niederschlägt.

Gibt es besonders seltene und entsprechend wertvollere Ausführungen?
Na klar, der Manta A GT/E wurde ja nur 5.000 Mal gebaut. Wer da tatsächlich ein gutes Exemplar ergattern möchte, muss schon mit einem Preis an der 20.000 Euro-Grenze kalkulieren. Und dann gibt es noch Sondermodelle wie den „Swinger“ – weiß, mit roten Streifen – und den „Black Magic“, von denen es überhaupt nur noch eine Handvoll geben dürfte. Da lassen sich locker nochmal 20 Prozent draufschlagen. Allerdings reden wir da über theoretische Preise, denn diese Autos wird zurzeit kaum jemand verkaufen.

Opel-Youngtimer mit Potenzial für
Wertsteigerung: der Ascona A „Voyage“

Was macht Sie da so sicher?
Opel-Klassikliebhaber sind in der Regel Menschen, die wieder die Autos ihrer Kindheit fahren wollen – eines, das auch der Papa schon gefahren hat. Das heißt: Fans der Siebzigerjahre-Opel sind so zwischen 30 und 60 Jahre alt. In diesem Alter lebt man seine Begeisterung für ein solches Fahrzeug noch voll aus. Man kann die Autos daher auf Treffen bewundern, aber nur selten kaufen. Auf den Oldtimermarkt gelangen sie erst wieder, wenn ihre Besitzer zu alt sind, um sie zu nutzen – oder sterben. Das ist leider so. Wir erkennen das zurzeit daran, dass wieder verhältnismäßig viele Vorkriegsmodelle zu haben sind.




„Opel-Klassikliebhaber sind in der Regel Menschen, die wieder die Autos ihrer Kindheit fahren wollen.“

Auch auf dem internationalen Sammlermarkt
gefragt: der Kadett C GT/E.


Wer sich dennoch einen Siebzigerjahre-Opel zulegen will, wie sollte der Ihrer Meinung nach vorgehen? Aufmerksam und über einen längeren Zeitraum die einschlägigen Foren studieren?

Grundsätzlich haben recht viele Opel aus dieser Zeit überlebt. Die guten davon, in attraktiver Lackierung, Ausstattung und Motorisierung befinden sich in der Regel schon lange fest in Sammlerhand. Wenn tatsächlich mal einer im Internet auftaucht, ist er innerhalb von kurzer Zeit auch schon wieder verschwunden … Bei denen, die online länger angeboten werden, handelt es sich oft um Exemplare mit kleinen Motorisierungen, unattraktiven Farben oder magerer Ausstattung. Das Online-Angebot ist zudem voll von Offerten, bei denen Preis und Zustand nicht zusammenpassen. Ich empfehle, sich erst mal an den zuständigen Typreferenten der Alt Opel-IG zu wenden, wenn man sich für einen Klassiker interessiert. Der hat vielleicht sogar eine spontane Idee, wo gerade ein Modell zu haben ist, das sein Geld wert ist.

„Wenn tatsächlich mal ein gutes Exemplar im Internet auftaucht, ist es innerhalb von kurzer Zeit auch schon wieder verschwunden.“

Bei welchen Siebzigerjahre-Opel sind denn noch Wertsteigerungen zu erwarten?
Wie schon gesagt: Die meisten haben schon vor Jahren ihr Preisfenster gefunden. Bei einigen sportlichen Modellen sehe ich allerdings durchaus noch Luft nach oben. Beim Kadett C GT/E etwa, in gelb-schwarz oder gelb-weiß. Der wird mittlerweile auch auf dem internationalen Markt immer beliebter, also bei Sammlern, die gar nicht mal Opel-affin sind. Oder der Ascona A „Voyage“ oder der Commodore A GS/E, einfach, weil sie so selten sind. Ansonsten würde ich Opel-Freunden empfehlen, jüngere Modelle ins Visier zu nehmen, wenn sie auf etwas aus sind, das noch Wertsteigerungen verspricht.

Und das wären?

Der Calibra natürlich. Und diverse OPC-Modelle. Beispielsweise der Astra G OPC, der ab 1998 angeboten wurde. Davon gibt es auch noch welche, die bestens erhalten und noch nicht restauriert sind.


Zukünftiges Garagengold? Beim Opel
Commodore GS/E sieht der Experte
Potenzial für eine Wertsteigerung

„Der Omega 3000 könnte ebenfalls preislich noch zulegen.“

Was ist mit dem Omega, um den sich ja mittlerweile auch eine gewisse Fangemeinde gebildet hat?
Auch da sind sicher die Varianten mit den großen Maschinen interessant. Der damals angebotene Reihensechszylinder-Motor hat auch außerhalb der Opel-Gemeinschaft einen guten Ruf. Der Omega 3000 könnte ebenfalls preislich noch zulegen. Die Entwicklung der 24 V-Caravan zu beobachten, verspricht ebenfalls spannend zu werden. Man muss aber auch sehen: Diese Modelle haben zwar ihre Liebhaber, aber deren Zahl insgesamt ist überschaubar. Eine Entwicklung, die sich bei den Modellen, die nach der Jahrtausendwende auf den Markt kamen, noch fortsetzen wird. Ein Opel Sintra etwa wird in ein paar Jahren ein sehr, sehr seltenes Auto sein. Aber ob es dann auch jemanden gibt, der dies preislich honoriert? Ich weiß es nicht.

Und woran liegt das?
Das ist schwer zu sagen. Es mag daran liegen, dass sich in diesen Jahren die Einstellung zum Auto generell zu ändern begann. Die Menschen haben ihre Autos immer öfter finanziert oder geleast und nach einer gewissen Zeit wieder abgegeben. Das Auto wurde zum Gebrauchsprodukt, nichts mehr, was man sich zulegte in dem Bewusstsein, jetzt gönne ich mir mal was, worauf ich stolz sein kann. Und nichts mehr, über das der Nachwuchs in 20, 30 Jahren sagt: So einen hat der Papa gefahren, so einen will ich jetzt auch.


Höchste Liga: Der Opel Diplomat A
Coupé hat den Sprung vom Liebhaberauto
zum skulpturalen Kunstwerk geschafft –
sein Wert ist in den vergangenen Jahren
entsprechend stark gestiegen

Das hört sich jetzt nach einer sehr düsteren Prognose an, was den Liebhabermarkt angeht.
Sagen wir mal so: Es werden auf Sicht zu den heutigen Liebhaberautos immer weniger dazukommen, aber es wird immer welche geben. Auch welche, die den Sprung vom Liebhaberauto zum skulpturalen Kunstwerk schaffen. Autos also, die man sich nicht unbedingt zulegt, um sie zu fahren, sondern nur noch, um sie anzuschauen. Und die natürlich entsprechend wertvoll sind.

„Es wird immer Modelle geben, die den Sprung vom Liebhaberauto zum skulpturalen Kunstwerk schaffen.“

Gibt es einen Opel, der Ihrer Ansicht nach im Begriff ist, in diese Klasse aufzusteigen?
Da würde ich jetzt mal den Opel Diplomat A Coupé nennen. Der hat vor vier, fünf Jahren einen gewaltigen Wertsprung gemacht und hält sich seither in dieser Liga, wie ich aus einigen Gesprächen mit Käufern und Verkäufern weiß. Ein Fahrzeug der Zustandsnote 2 wird da gegenwärtig für 150.000 bis 160.000 Euro gehandelt, und einige Könner sind zurzeit dabei, jede Schraube umzudrehen, um 1a-Modelle zu restaurieren. Die dürften, wenn sie soweit sind, rund 220.000 Euro wert sein.

Herr Schaefer, vielen Dank für dieses Gespräc


Januar 2020

Text: Eric Scherer; Fotos: Opel Archiv








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Vor 40 Jahren – Der weiße Traum

Der Ascona 400 war der erste und bis dahin einzige Opel Wagen, der in Rüsselsheim für den Motorsport entwickelt wurde und auch in kleiner Serie in Produktion ging. Die Basis dafür war das Serienmodell des Ascona B. So erhielt der 400 u. a. einen 2,4-Liter-Vierventil-Motor und die Hinterachse des Commodore. Die detaillierte Technik sollte jedoch ein eigenes Kapitel sein.

Nachdem zwei Ascona 400 bei der Rallye Monte Carlo ihr viel beachtetes WM-Debüt gaben, brachte man die Wettbewerbsfahrzeuge sofort wieder zurück nach Rüsselsheim ins Euro-Dealer-Team, um eiligst für die Schweden Rallye präpariert zu werden. Diese Rallye fand sehr zeitnah zur Monte statt, sodass es nur eine kleine technische Prüfung geben konnte. Schon am 14. Februar sollte bis zum 17. Februar der zweite Weltmeisterschaftslauf im winterkalten Schweden über die Rallyebühne gehen.


Nicht nur bei Monte erfolgreich: Neuer Opel
Ascona
400 bei der Schweden Rallye 1980

Der Start erfolgte wieder in Stockholm und führte weiter in Richtung Karlstad, wo das eigentliche Rallyezentrum war. Eine Sonderprüfung gab es auf der Trabrennbahn in Örebro, wo die Teams in Vierergruppen auf die Strecke geschickt wurden. Auch die Rennstrecke von Karlskoga musste als Sonderprüfung befahren werden und einsetzender Regen erschwerte hier das „Querfliegen“. Wie gut die Monte-Carlo-Vierten Anders Kulläng und Bruno Berglund mit dem weißen Ascona 400 zurechtkamen, zeigte schon der erste Rallyetag. Platz 2 mit nur 16 Sekunden Rückstand auf einen frontgetriebenen Saab Turbo.

Der zweite Etappentag begann mit der ersten Startzeit um 7 Uhr. Nur wenige Teilnehmer verabschiedeten sich mit einem technischen Defekt oder einem endgültigen Ausflug in die Botanik. Starterfeld mit Qualität! Aber es stand schon der Zweikampf Saab vs. Opel mit Stig Blomquist und Anders Kulläng im Vordergrund. Der blonde Anders fährt auf verhaltenen Angriff und Stig gibt schon früh Vollgas, was ihm weitere acht Sekunden Vorsprung einbringt. Auf der letzten Sonderprüfung vor der Pause in Torsby bekommt Stig Blomquist dafür die Rechnung: Ein Reifenschaden wirft ihn knapp drei Minuten zurück. Der Ascona 400 mit der Startnummer 7 ist damit auf Position eins. Björn Waldegaard mit Fiat Abarth 131 bleibt dem „Monte-Opel“ im Nacken, mit nur 54 Sekunden Rückstand.

Nachmittags sind alle Teams wieder in Karlstad. Zeit für die geübten Arbeiten der professionellen Serviceleute. Die Opel Sportabteilung in Rüsselsheim kooperierte seinerzeit mit dem Nordiska Opel Rallye Team. Die Mechaniker trugen Arbeitskleidung in den schwedischen Nationalfarben. Das gab eine tolle Optik.

Bis zum Nachtstart konnten die Akteure fast vier Stunden pausieren oder auch Schlaf nachholen. Wegen der Kälte gab es eine vereiste Nachtetappe. Jetzt kamen die Tricks des 35-jährigen Kulläng zur Geltung, der ja nur einen Steinwurf von Karlstad in Edane zu Hause war. Um nicht bei den Drifts an den Schneewänden hängen zu bleiben, wurde die hintere Stoßstange sowie die Verbreiterungen der hinteren Seitenteile entfernt. Zudem holte Anders noch zwei gut abgelagerte Spikesreifen Marke Kumi-Helenius aus dem Keller. Die „Kellerreifen“ wurden für die letzte Sonderprüfung mit 48 Kilometer Länge auf die Hinterachse des Wettbewerbsfahrzeugs GG-CD 339 montiert. Der Vorteil: Der ausgehärtete Reifengummi hält die Spikes viel besser als ein weicher Neureifen. Die Nacht wurde zum offenen Schlagabtausch zwischen dem Saab Turbo und dem 400er Opel. Anders ließ die 240 PS munter spielen. Aber keiner, weder Stig noch Anders konnten einen entscheidenden Zeitunterschied herausfahren.

Im Ziel hatte das Team Anders Kuläng und Bruno Berglund als Gesamtsieger einen Vorsprung von eineinhalb Minuten mit ihrem „weißen Traum-Ascona“. Es war der erste Gesamtsieg eines Opel Ascona 400, und es sollten noch viele folgen.

Einen glänzenden Platz 5 in der Gesamtwertung belegten die Sieger der Gruppe 2, Björn „Nalle“ Johansson und Ragnar Spjuth auf einem Opel Kadett C, welcher „nur“ 190 PS zur Verfügung hatte. Durch die Plätze 1, 4, 6, 7, 9, 11 und 12 in der Gruppe 2-Wertung errang Opel auch den Markenpokal. Jochen Berger, der Rallye Koordinator der Opel AG, kannte ja die Siegesfeiern der Rallyefahrer und sagte dazu, er wolle nicht am nächsten Morgen den Kater von Anders und Bruno haben…


Schnittmodell des 2,4 Ltr.
Serienmotors mit L-Jetronic


Ascona 400 Rallyemotor
(Sved Motoro, CSSR)

Nachtrag: Durch den tollen 4. Platz bei der 1980er Rallye Monte Carlo übernahmen Anders Kulläng und Bruno Berglund nach diesem ersten Gesamtsieg bei einer WM-Rallye mit einem Ascona 400 die Führung in der Weltmeisterschaft. Der Gesamtsieg bei der Schwedenrallye war 1980 der einzige Gesamtsieg mit dem Ascona 400.

Text: Norbert Kelleter *3890

Bilder: Opel Automobile GmbH, Norbert Kelleter *3890, Alt Opel Archiv

(Dieser Artikel erschien bereits im Opel Jahrbuch 2010 von Eckhart Bartels und wurde für diese Ausgabe überarbeitet.)


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Im 67er Rallye Kadett von San Francisco nach Denver - 

oder mit 60 PS über die Sierra Nevada und die Rocky Mountains

 

Im April 2019 hatte ich die Chance, einen 1967er Opel Rallye Kadett zu kaufen. Der Kadett kommt ursprünglich aus Südkalifornien und wurde von 2009 bis 2011 von „Gordy“ in Illinois restauriert. Im September 2014 wurde das Auto dann bei der Barrett-Jackson-Auktion in Las Vegas versteigert und landete in einer Sammlung im Napa Valley / CA. In den letzten viereinhalb Jahren wurde der Wagen nur 258 Meilen gefahren. Mit Unterstützung von Gil Wesson, der den Rallye Kadett für mich gekauft und abgeholt hat, habe ich diese einmalige Chance genutzt, obwohl mein Herz eigentlich ausschließlich für den Opel GT schlägt.

Ende August 2019 sind meine Frau und ich also nach San Francisco geflogen. Am Flughafen wurden wir von Gil, der zu unserer Überraschung von Hans aus Stockton begleitet wurde, abgeholt. Die nächsten beiden Tage haben wir in Toulumne verbracht. Wir haben den Kadett vorbereitet, die extra aus Deutschland gelieferten klassischen Ronal Felgen montiert, einige Ersatzteile von Opel GT Source verstaut und ansonsten die Gegend um Toulumne besichtigt. Die nächste Überraschung war, dass wir Mike bei Gil im Shop getroffen haben, der dort an einem Opel GT gearbeitet hat. Mike hat uns zu dieser Story animiert und auch gleich mögliche Titel-Bilder geschossen.

Am Freitagmorgen haben wir dann erst mal Abschied genommen und sind im Rallye Kadett nach San Francisco bzw. nach Alameda gefahren, wo wir für 6 Nächte ein Hotel direkt an der Bay und mit Blick auf SF hatten. Die nächsten Tage sind wir mit der Fähre nach SF gefahren, sind durch die Stadt gelaufen, mit dem Bus oder im Cable Car gefahren und haben einfach nur die Atmosphäre genossen. Im Oracle Park haben wir ein Spiel der SF Giants gesehen. Am Labor Day sind wir in Alameda geblieben und haben die USS Hornet besichtigt. Den Flugzeugträger zu besichtigen, der die Astronauten nach der ersten Mondlandung nach Hause geholt hat, war sehr beeindruckend.

In Alameda haben wir uns zweimal mit Jesse getroffen, der mir im Mai 2019 einen seiner beiden Opel GTs verkauft hat. Jesse ist auch ein Car Guy und wir sind seit dem ersten Kontakt im regelmäßigen Austausch. Ein Fotoshooting mit unseren Opels war natürlich Pflicht.

Nach 6 Tagen ging es zurück zu Gil und Patty nach Toulumne, aber nicht ohne vorher Hans in Stockton zu besuchen. Hans kommt aus Deutschland, lebt aber schon seit Ende der Siebziger in Kalifornien. Ich habe schon viele verrückte Typen in meinem Leben kennengelernt, aber Hans ist der pure Wahnsinn. Wenn sich bei jemandem alles nur um Autos dreht, dann ist das Hans. Und so stehen auf seinem Grundstück mehrere Dutzend vorwiegend deutsche Autos, aber auch Motorräder und Boote an denen er täglich arbeitet.

Die nächsten Tage verbringen wir im Toulumne County, besichtigen Sonora, Columbia, Big Trees State Park, eine Car Show in Stockton und mit Gil und Patty den Yosemite National Park. Es waren sehr schöne, entspannte Tage, die wir sehr genossen haben.

Am Montag, den 09. September hieß es dann Abschied nehmen. Unser Ziel war es, den Rallye Kadett nach Broomfield zu unserem Freund Rick zu überführen. Wir fuhren erst auf teils sehr schmalen Straßen und durch einsame Gegenden zum Yosemite Park, um dann

durch den Park hinauf zum Tioga Pass auf 3031 Meter zu fahren. Von dort ging es abwärts zum Mono Lake, wobei wir noch einen kleinen Abstecher zur Geisterstadt Bodie machten. Danach war Tonopah in Nevada unser Tagesziel. Am nächsten Tag fuhren wir durch endlose Wüstengegenden Nevadas nach Utah, in die Nähe vom Zion NP. Am späten Nachmittag besuchten wir Fort Virgin, wo wir schon während der 50GT-Tour einen kurzen Stop hatten. Für den nächsten Tag stand eine recht kurze Etappe durch den Zion NP zum Bryce Canyon auf dem Plan. Dort blieben wir 2 Nächte, um im Lieblings-National Park meiner Frau zu wandern. Schon bei unserem ersten Besuch im Bryce Canyon waren wir sehr beeindruckt von der Schönheit der Natur. Dieses Mal war es noch überwältigender durch die Wanderung ins Tal. O-Ton meiner Frau: Hierher müssen wir unbedingt nochmal ...

Unser nächstes Ziel war Moab. Auf dem Weg dorthin sind wir durch den Capitol Reef National Park gefahren und haben uns auch noch den Gobelin Valley State Park angesehen. In Moab hatten wir für 3 Nächte gebucht, um genug Zeit zu haben, den Dead Horse Point State Park, Canyonlands Nationalpark und Arches NP zu besichtigen.

Im Arches NP waren wir nun auch schon zum zweiten Mal, alles gesehen haben wir wieder nicht, aber wir sind zum Landscape Arch und zum Delicate Arch gewandert. Es war traumhaft.

Nun hat das Getriebe vom Kadett seit einigen Tagen Geräusche gemacht, die immer schlimmer wurden. Auf unsere letzte Etappe sind wir sehr früh am Morgen in Moab gestartet, damit wir im Notfall mehr Zeit zum Reagieren haben. Zuerst immer am Colorado River entlang zum Interstate 70. Eigentlich wollten wir noch übers Colorado National Monument fahren, aber da ging es nur noch darum, den Kadett nach Hause zu bringen.

Kurz hinter Grand Junction / CO und 250 Meilen vor unserem Ziel ging nichts mehr. Bevor das Getriebe ganz auseinanderfliegt, sind wir vom Interstate abgefahren und haben Rick angerufen. Nach einigen Stunden Wartezeit kam Rick und hat uns mit dem Kadett auf dem Trailer zu seiner Farm in Broomfield gebracht.

Am nächsten Tag haben Rick und ich das Getriebe ausgebaut und zerlegt. Die Synchronringe vom 2. und 3. Gang sind gebrochen. Die restliche Zeit haben wir genutzt, um den Kadett zu putzen, zu konservieren und ihn für die Winterpause vorzubereiten.

Am 18. September hat Rick uns nachmittags zum Flughafen gebracht und am darauffolgenden Tag sind wir nach insgesamt 23 Tagen wieder in Hamburg gelandet.

Die erforderlichen Teile für das Getriebe haben wir inzwischen zusammen und im April steht unser Rallye Kadett wieder am Start, wenn wir auf der südlichen Route von Denver nach Santa Monica und weiter über den Highway 1 nach San Francisco fahren wollen.

Das Fazit der Reise: Anfangs war ich mir nicht sicher, ob wir im Kadett genau so viel Freude haben werden wie im GT. Aber wir haben den Kadett lieben gelernt. Als Urlaubsauto ist er durch deutlich mehr Platz (für Gepäck) besser geeignet als ein GT. Die nur 60 PS sind ausreichend für die USA, auch wenn ihm an Steigungen etwas die Luft ausgeht. Wir wurden jeden Tag mehrfach auf das Auto angesprochen und haben so viel Zustimmung erhalten, wie wir es niemals erwartet hätten.

Wir hatten eine tolle Zeit mit unseren Freunden und Bekannten: Vielen Dank an Gil und Patty, an Gils Familie, Richard und Dave, Mike, Jesse, Hans und an Rick!

Text und Bilder: Olaf Moldzen *1920

 

 

 



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