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Das Titelbild...

… zeigt im Herbst 1930 einen Prototyp des bei GM im Buick-Studio entwickelten Opel 1.8 Ltr vor dem 1929 fertiggestellten Appartementhaus „The Beresford“ auf der New Yorker Upper West Side. Das Motiv zeigt sehr schön, dass Opel (und GM) durchaus eine gehobene Klientel für den kleinen Sechszylinder anvisierten.
(Bild: Opel, Archiv Eckhart Bartels *100)

Außerdem in Heft 268


Intern:

Infos zur Mitgliederversammlung 2021
von Lothar Rindt

Technik:

Tankgeber Rekord C reparieren
Frank Rusch


Unterwegs:

Jahrestreffen der Alt Opel IG Schweiz in Valposchiavo
von Peter u. Raphael Kühndel und Mattia Ferrari

und:

Clubinformationen 2021 - Typreferenten

 

 

Auf die Homepage übernommene Themen:

 

Opel 1.8 Liter - die kleinen Amerikaner -  Teil 1
von Rolf H. Kox und Eckhart Bartels *100

Dampfblasenbildung im CIH-Motor

von Norbert Kelleter *3890

Die Geschichte von General Motors und Opel in Südafrika – Teil 1

von Alfred Schleicher *966

 

 




Buick war Pate für das erste GM-Opel Modell, den kleinen Sechszylinder.
Hier stellt GM in New York stolz den in USA entwickelten Opel neben das

Vorbild, einen Buick Achtzylinder



Vor 90 Jahren:

Opel 1,8 Liter - die kleinen Amerikaner 

(Teil 1)

Gerade hat General Motors im Frühjahr 1929 die deutsche Tochter Opel in sein Markenkonglomerat eingegliedert, da sind im Herbst die Zeichen einer Weltwirtschaftskrise nicht mehr zu übersehen. Die neue Leitung von General Motors muss das bestehende Opel Modellprogramm drastisch kürzen. Diese betriebswirtschaftlich notwendigen Anpassungen überleben seinerzeitnur wenige Fahrzeughersteller. Gibt es um 1925 in Deutschland noch 65 Automarken, so sind 1931 nur noch 12 existent.


1931 begann Opel konsequent die Modelle untereinander kompatibel zu entwickeln und Bauteile über mehrere Baureihen zu nutzen. Dieser Ausschnitt zeigt die in drei Jahren entwickelten Pkw-Modelle mit 4- und 6-Zylinder


Die Marktspezialisten bei GM analysierten die Opel-Modellpalette genau und entschieden sich für den Verbleib von zwei Baureihen: Den bewährten 4PS-Wagen und den kleinen Sechszylinder, die bis Ende 1930 als Opel 1,1 Liter und Opel 2 Liter mit begrenzter Karosserieauswahl im Programm blieben. Die Ingenieure in Detroit begannen sofort den kleinen Sechszylinder im Buick-Studio zu entwickeln, der Vierzylinder sollte anschließend daraus abgeleitet werden. Entsprechend der deutschen Modellbezeichnungen arbeitete man in USA ab Ende 1929 am „Opel 1,8 Liter“ und dem „Opel 1,2 Liter“. Der Modellwechsel Sechszylinder war zum Jahresende 1930 geplant, für den 1,2 Liter die Mitte des Jahres 1931. Entsprechend arbeitete GM in Detroit unter Hochdruck. Man entschloss sich für einen Bautyp in konventioneller Form und bewährter Standardbauweise. Alle bisher erreichten guten Eigenschaften sollten sich nochmals vollendet in dem neuen Modell vereinigen. Die neue Typenreihe musste außerdem bequem, handlich und leicht zu bedienen sein, alles Forderungen, die das europäische Format vorgibt. Dabei gab es seinerzeit durchaus Alternativen und viel beachtete Innovationen – dazu zählten auch eine vordere Einzelradaufhängung, gleichmäßig greifende Öldruckbremsen oder auch gänzlich andere Konzepte wie Frontantrieb oder „Stromlinien“-Karosserien. Selbsttragende Karosserien waren für den Opel-typischen Serienbau noch nicht verfügbar. Dafür aber das Baukastenprinzip, bei Opel ein seit Jahren genutzter Produktions- und Servicevorteil. Der Veteranen oder Oldtimerfreund weiß dieses Privileg heute sehr zu schätzen, wenn Einzelteile an Motor, Kupplung, Getriebe sowie Lenkung von Vier- und Sechszylindertypen baugleich und anpassbar sind.

Nach Übernahme der Opel Werke durch den amerikanischen Konzern GM zum 1. April 1929 war die Autowelt skeptisch, doch sie sollten nicht enttäuscht werden. GM und Opel wagten beim neuen Opel Typ 1,8 Liter keine Experimente. Die ersten Exemplare zeigte GM intern beim großen Händlertreffen am 18./19. Oktober im Frankfurter Palmengarten. Der Vorstellungstermin für die Kunden wurde auf Anfang 1931 fixiert. Die wenigen Vorserien-Exemplare Ende 1930 kamen aus den USA, man könnte sie auch als Modell 18A kennzeichnen. Da GM die ersten drei Produktionsjahre nach dem Alphabet einordnete, tragen alle Modelle 1930 vom 1,1- wie auch 2-Liter ein A in der internen Modellkennung, 1931 folgt das B und 1932 ein C als Kennung in der Fahrgestellnummer.

Der Sechszylinder-Opel Typ 18 B wurde überwiegend als viertürige Limousine verkauft, obwohl weitere interessante Karosserievarianten angeboten wurden. Ungewöhnlich war eine Sonnenlimousine mit einem Holzschiebedach in der Größe heutiger Stahlkurbeldächer, neu waren ein zweitüriges-Coupé mit vier Sitzen sowie ein zweisitziges Cabriolet.


Mit GM begann eine strikte Ausrichtung der Opel
Händler auf Verkaufserfolg. Monatlich bekam die
Opel Organisation Hinweise und Motivation, ihren
Distrikt konsequent zu bearbeiten. Die neue Abteilung

Statistik stellte dafür jede Menge Daten zu Markt,

potentiellen Käufern und Zulassungsdaten von Opel
und Mitbewerbern zur Verfügung. Die Zeitschrift
„Zum Erfolg“ aus Februar 1931 stellt das neue Modell
1,8 Liter vor


Die ersten Opel-Modelle unter GM Regie entstanden ab
1929 in Rekordzeit im Buick-Studio in USA. Die „kleinen
Amerikaner“ werden als Exoten 1930 im Stadtbild von
New York fotografiert. Rolf Kox als einer der ersten Typreferenten
in der AOIG und Eckhart Bartels als Opel Historiker
zeigen auf, was vor 90 Jahren bei Opel passierte und was
damals wie heute ein Besitzer dieses kleinen Sechszylinders
wissen sollte

Das Cabriolet für sportliche Kunden war zweitürig und zweisitzig mit massiven Türrahmen sowie einem rundlich abfallenden Heck mit eingebauter Notsitzklappe, dem berühmten “Schwiegermuttersitz“. Klassisch war der „Touring“, eine altbekannte Doppelphaeton-Karosserie als offener Viersitzer mit einfachem Klappverdeck und zwei nur von innen zu öffnenden Türen mit seitlichen Steckscheiben. Auch die Gewerbetreibenden konnten den Typ 18 B und 18 C als Kastenwagen mit großer Hecktür und einer Zuladung von 500 kg ordern. Alle diese Karosserievarianten wurden auf dem gleichen Chassis mit 2540 mm Radstand aufgebaut. Wer unbedingt eine zweitürige „Stadt-Limousine“ besitzen wollte, konnte diese Version bei der Opel nahestehenden Karosseriefabrik Kühn in Halle bestellen, die schon beim Vorgänger 2-Liter-Opel kleine Serien von Spezialkarosserien angefertigt hatte.

Alle Modelle 18 B rollen auf 18“-Stahlscheibenrädern und Pneus der Dimension 4.50 x 18. Die Spurweite beträgt vorn und hinten 122 cm. Bis Ende 1931 waren insgesamt 15.739 PKW und 823 Kastenwagen gebaut worden. Die hohe Produktionszahl des 1,8 Ltr. im ersten Produktionsjahr trotz weiter zunehmender Wirtschaftsflaute lässt nur den einen Schluss zu, dass man mit diesem Fahrzeug genau den Bedarf der Käufergruppe getroffen hatte. Doch bevor wir dieses Jahr verlassen, will ich als einer der ersten AOIG-Typreferenten für dieses Modell auf drei Änderungen hinweisen, die im Herbst bzw. gegen Ende des Jahres in die Serie übernommen wurden: Ab Fahrgestell Nr. 13950 verbreiterte man die Spur der Hinterräder auf 126 cm. Dies wurde erreicht durch ein neues Hinterachsgehäuse und zwei um je 2 cm längere Hinterachssteckwellen. Alle übrigen Teile der Achse wie Teller- und Kegelrad, Differential sowie die Seilzug Bremsen blieben unverändert. Übrigens hat es immer zwei verschiedene Achsantriebsübersetzungen nach Kundenwunsch gegeben: 43:9 oder 43:10. Insbesondere für die Typen 18 B mit ihrer 18“-Bereifung und dem relativ niedrig übersetzten Dreiganggetriebe sollte man aber 43:9 bevorzugen. Die zweite Änderung ist spektakulärer, aber für den Sammler heute wohl von untergeordneter Bedeutung. Mit der Fahrgestellnummer 16129 stoßen wir auf ein etwas anders ausgebildetes Chassis, dem man größere Verwindungssteifheit nachsagt und das in dieser Form dann bis zuletzt beibehalten wurde. Und last not least schrumpfte die Höhe der doppelten Stoßstangenbänder ab Fahrgestellnummer 15694 von 100 mm auf 80 mm.


Die erste Preisliste aus Februar 1931: Wie sich Amerikaner
die „deutschen Ritter“ vorstellten. Diese heroisierende
Einführungswerbung wurde auch bald verlassen

 Ab 1932 bekommt der 1,8 Ltr. die Kennung 18 C. Zugleich erweiterte Opel die unverändert weitergebaute Modellpalette um drei Modelle: Das Cabriolet als Zweisitzer wurde jetzt auch viersitzig angeboten und war in der Palette wohl eine der schicksten Karosserievarianten.
Neu kommt ab Sommer eine Luxus-Version als “Regent” dazu, die sich bei den Limousinen durch ein andersartig geformtes Heck mit größerem Fenster unterscheidet.
Wenn bei der Normallimousine die Karosserierückwand unterhalb des Heckfensters zunächst senkrecht abfällt und dann im unteren Teil über der Rahmenschürze etwas nach innen gewölbt ist, so fällt die Rückwand der Regent- Limousine ab Unterkante des Heckfensters schräg nach außen ab, eine Anleihe an die damals in Einzelversuchen demonstrierte Stromlinienform. Eine separate Rahmenschürze gibt es nicht mehr. In diese Rückwand ist, etwa drei Zentimeter tief, ein großer, kuchenformartiger Ring eingeprägt, in den das hinten angebrachte Ersatzrad teilweise eingelassen ist. Das Rad selbst wird mit fünf langen an der Rückwand befestigter Gewindebolzen und normalen Radmuttern mit Zierkappe gehalten. Die Zierkappe hat die Form der Radnabenkappe, ist aber insgesamt flacher gehalten und trägt das Opel-Emblem. Zugleich ist hier der Tankeinfüllstutzen verborgen.


Der erste unter GM Regie entwickelte Opel war der
kleine Sechszylinder als Opel Typ 1,8 Liter. Er musste in
der schwierigen Zeit der Weltwirtschaftskrise Die Firma
Opel wirtschaftlich stützen durch einen erfolgreichen
Absatz. Da das Konzept stimmte und ganz besonders das
Preis-Leistungsverhältnis fand das Modell in seiner Vielfalt
seine Käufergruppen und wurde in seiner dreijährigen
Bauzeit permanent weiter entwickelt und verbessert. Das
Bild im Garten zeigt den Stolz der Familie: Sechsfenster-Limousine
vom Opel 1,8 Liter Baujahr 1933


Prototyp des Opel 1,8 Liter wird in

New York der GM Auslandsabteilung
vorgestellt


Das neue Opel-Programm Anfang 1931 auf dem Rüsselsheimer Fabrikgelände mit allen 1,8 Liter Modellen
und Blitz Lastwagen: Vom Chassis über Lieferwagen, alle Limousinen, Cabriolet bis zum Touring

Ein Reserverad auf dem rechten Vorderkotflügel ist bei der Regent Limousine nicht mehr vorgesehen. Für den Restaurator ist auch wichtig, dass Hinterkotflügel und Seitenwand gegenüber der Normal-Limousine unverändert sind, wobei die Seitenwand in kleinerem Radius in die Rückwand überläuft. Auch in der internen Typbezeichnung macht der Regent eine Ausnahme - er heißt nicht 18 C, er trägt das Präfix 98 C.






 

 

 


Das dritte neue Modell war ein schicker, zweisitziger Sport-Roadster mit ausgeschnittenen Türen wie später am BMW 319/328, zusätzlichen ausgeprägten Lüftungsschlitzen auf der Motorhaube, kleinem Klappverdeck und Heckklappe auf dem harmonisch abfallenden Heck, die nun nicht mehr den Schwiegermuttersitz, sondern einen Kofferraum verbarg.

Waren alle bislang hergestellten Modelle in der Technik bis auf die genannten Änderungen absolut identisch, so weicht der Sport-Roadster hier erstmalig davon ab. Er operiert nicht nur mit flacheren Blattfedern des niedrigeren Schwerpunktes zuliebe, sondern auch mit einem “flüssigeren” Schalldämpfer, höherer Verdichtung und reicherer Vergaserbestückung. Obwohl sich diese Modifikationen bestimmt bemerkbar machen, dürfte sich die dadurch erreichte Mehrleistung in Grenzen gehalten haben, wobei mir vonseiten des Werkes keine veränderten Leistungsangaben gegenüber den Limousinen bekannt sind.

In dieser oder noch weitergehend modifizierter Form wurde der Sport-Roadster auch bei den damals bekannten Geländesportwettbewerben eingesetzt. Wir erinnern uns, dass es gut zwei Jahre später eine solche Geländesportversion auch vom Adler “Diplomat” gegeben hat. Ähnliche Roadster-Aufbauten für den 1,8 Ltr. gab es damals auch in kleiner Stückzahl von einigen Karosseriewerken wie Karl Deutsch in Köln. Man baute sie auf dem von Opel bezogenen Chassis mit Motorhaube und Kühlerfront auf. Änderungen begannen erst bei Frontscheibe und Türen mit unterschiedlicher Heckpartie.



Geniale Idee: „Sonnen-Limousine“


Stolzer Name: „Sonnen-Coupé“. Eine zweitürige
Luxus-Limousine für 4 Personen mit dem
genialen Schiebdach

Da wir gerade bei den Aufbauten sind, wollen wir das Jahr 1932 zumindest in diesem Kapitel noch zu Ende führen. Etwa im Frühsommer änderte man die Machart des zwei-und viersitzigen Cabriolets dahingehend ab, dass nun der feststehende Türrahmen zugunsten eines voll versenkbaren Fensters amputiert wurde. Auch der Windschutzscheibenrahmen wurde jetzt in einer schlankeren Ganzmetallkonstruktion ausgeführt. Das zweisitzige Cabriolet gab es wahlweise mit “Luxusausstattung“, während dies für das viersitzige Cabriolet nun obligatorisch war. Als Luxus-Modell wurde ab Werk Lenkstützrohr, Schalthebel, Handbremse, Scheinwerfer und Schlusslampen in Vollchrom geliefert. Auch bekamen diese Modelle so nützliche Details wie Ascher in der Mitte der Armaturentafel direkt unterhalb der Windschutzscheibe, Zigarettenanzünder, Bosch-Zweiklanghorn und ein verchromtes Kühlerschutzgitter aus grobmaschig verflochtenem Stahldraht, separat mit der ebenso verchromten Kühlermaske verschraubt. Diese Kühlerschutzgitter wurden zu einem beliebten Zubehörteil, denn an den bis dahin gebauten Fahrzeugen war ja das Kühlernetz freiliegend direkt dem Steinschlag ausgesetzt.




Opel 1,8 Liter der ersten Baureihe 1931 als Cabriolet: Zwei
Sitze und Notsitze im Kofferraum, im Volksmund schnell als
„Schwiegermutter-Sitz“ deklassiert

…das Cabriolet-2-Sitzer macht auch
geöffnet eine gute Figur

Zur Luxusausstattung gehörte auch ein elektrisch angetriebener Scheibenwischer, den jetzt Opel erstmalig überhaupt als Alternative zum bisher ausschließlich installierten Scheibenwischer mit pneumatischem Antrieb anbot. Dieses System arbeitete mit Unterdruck des Ansaugsystems, der eine mit der Scheibenwischerwelle verbundene Klappe in einem halbrunden Gehäuse mal von rechts mal von links saugend hin und her bewegte. Diese Form des Antriebs hatte ein Problem, wenn sich mit zunehmender Öffnung der Vergaserdrosselklappe, also gerade bei höherer Geschwindigkeit, der Unterdruck im Ansaugsystem abbaut und der Scheibenwischer seine Tätigkeit mehr und mehr einstellt. Aber das ist ja auch schon 90 Jahre her....



Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Prospektgrafik von
Bernd Reuters, den Opel als zeitgenössischen Künstler mit
der Gestaltung des Werbeblatts zum Opel Sechszylinder
Typ 1,8 Liter beauftragt hatte

Aufmerksame Zubehörindustrie: Passend zum Opel 18B
gab es einen wasserdichten Heckkoffer mit
zugeschnittenem
Reisekoffer, sehr exklusiv

Viel Auto fürs Geld: Der Opel 6 Zyl. als 4-Tür-Limousine
war 1931 das begehrteste Modell in der Reihe





Zur Luxusausstattung gehörte außerdem ein zweites Ersatzrad auf dem linken Vorderkotflügel, das man aber auch als kompletten Umrüstsatz für alle anderen Modelle über die Lagertheke beziehen konnte: Ein Vorderkotflügel links mit Mulde, ein kompletter Ersatzradhalter und ein Stahlscheibenrad, wahlweise in 18“ oder 17“ Durchmesser. Dieses Ausstattungspaket konnte man bereits im Herbst des Jahres 1931 passend zum Modell 18 B erwerben, nicht aber passend für “Touring” und Kastenwagen. Im Dezember 1931 steht diese “Spezialausführung” mit 500 ℛℳ in der Liste. Von der Cabriolet-Karosserieaufwertung auf voll versenkbare Türfenster profitierte 1932 auch das Touring-Modell. War dieser bisher eine eigenständige Karosserievariante mit umlaufend gleich hoher und wenig voluminöser Bordwand, so basierte das Modell nunmehr auf dem viersitzigen Cabriolet. Dabei blieb der Touring betont spärlich ausgestattet. Auf die äußeren Türgriffe wurde weiterhin verzichtet. Der Fahrer konnte bei eingesetzten Steckscheiben und geschlossenem Verdeck die Fahrertür nur durch ein aufknöpfbares Segeltuchfensterchen öffnen. Dieser Zugang war jedermann möglich - und Diebe gab es damals noch nicht. Beim Touring sparte Opel zeitweilig auch Stoßstangen und automatische Scheibenwischer ein, selbst ein Winker für die Richtungsanzeige fehlte. Hier hatten sich die Rüsselsheimer erlaubt, dem ausreichend vorhandenem Bordwerkzeug eine schlichte Kelle beizulegen.

Soweit die Modelle 1932, die im Laufe dieses Jahres kleine Änderungen bekamen. Schon im Winter 1931 mit Fahrgestell-Nr. 14504 wurde das vordere Nummernschild nicht mehr an der Scheinwerfer-Verbindungsstange befestigt. Zum besseren Kühllufteintritt platzierte man die Tafel oberhalb der Stoßstange. Am Heck blieb das Kennzeichen unverändert links am Halter unterhalb der einzigen Stop-Schlusslampe montiert. Die doppelten Stoßstangenbänder wurden im März 1932 ab Fahrgestell- Nr. 17179 auf einteilige 70 mm hohe Chromstangen geändert. Dies war noch vor der Änderung der Cabriolets der erste Schritt in dem Bemühen um ein mehr europäisches Styling. Dass es den Opel Verantwortlichen mit diesem Harmonieanspruch ernst war, beweisen auch die zweitürige Regent Limousine, die erst nach den Sommerferien in Produktion ging und damit die 1933er-Modelle ankündigte.

Größere Zuverlässigkeit und bessere Laufruhe der Motoren erreichte man durch den Einbau anderer Ventilfederteller oben wie unten einschließlich hierzu passender Ventilkeile. Diese Änderung setzte ab Motor Nr. 20368 ein und bei einer fälligen Reparatur musste der komplette Satz ausgetauscht werden, da das Teilelager nur noch die neuen Teile lieferte. Zwei Daten sollten sich die Besitzer und Restauratoren von 1,8- wie auch 1,2 Ltr. Wagen notieren: ab Motor Nr. 21347 beim 1,8 Ltr. bzw. Nr. 10156 bei den 1,2 Ltr.-Typen erhielt das Dreiganggetriebe andere Übersetzungsverhältnisse. Erster und zweiter Gang wurden höher als bisher, also langsamer und zugkräftiger übersetzt. Theoretisch wird hierdurch zwar der Anschluss zum direkt übersetzten 3. Gang schlechter, aber in der Praxis zeigte sich die neue Getriebeabstufung nur von der positiven Seite. Gerade mit der 18“-Bereifung wünschte man sich an mittelmäßigen Steigungen im 2. Gang immer ein wenig mehr Kraft - jetzt war es da, und auch beim Beschleunigen über den 2. Gang harmonierte es besser.


Klassische Karosserie des Doppel-Phaeton:
4-Sitzer als Touring 1931 und 1932

Neu kam ein 4-Sitzer-Cabriolet ins Programm: Im Export auch mit
Speichenfelgen ausgeliefert


Diese Aussagen gelten weiterhin immer in Verbindung mit einer Hinterachsübersetzung von 43:9. Die Achsübersetzung 43:10 sollte man nur mit 17“-Bereifung, einem wirklich guten Motor und einem leichten Fahrzeug wie den Sport-Roadster oder das zweisitzige Cabriolet verwenden.




Diese Teile wurden beim Getriebe geändert:
- Getriebegehäuse
- Schieberad für 1.- und Rückwärtsgang
- Schieberad für 2.- und 3.Gang
- Nebenwellen-Zahnradblock
- Rückwärtsgang-Zwischenrad
- Tachometerantriebsgehäuse = Getriebeendstück

Alle hier nicht genannten Teile passen in beide Getriebe. Dies gilt ebenso für die 1,2 Ltr. Typen, deren Getriebe, nicht jedoch die Hinterachsen mit Innenteilen, mit denen der 1,8 Ltr. absolut identisch sind. Ich gehe deshalb darauf ein, weil solche Aggregate und Teile jahrelang gesucht werden, während ein Teileträger dieser Modelle mit dem gleichen Getriebe vielleicht in der Nachbarschaft unangetastet bleibt. Deshalb nochmals mein Tipp:
Diese 3-Ganggetriebe wurden eingebaut in die
- 1,8 Ltr. bis Ende 1932
- 1,2 Ltr. bis Produktionsende, sofern sie nicht als Spezialausführung ab 1933 ein 4-Ganggetriebe hatten,
- P 4 bis Motor Nr. Y 10991
- 1,3 Ltr. “Olympia” bis Motor Nr. 20000.


Kaum Änderungen am
Modellprogramm 1932:
Ausschnitt aus dem Prospekt

Auch der Sport-Roadster als besondere Attraktion
konnte 1932 mit Speichenrädern bestellt werden


Mitte 1932 präsentierte Opel die zweitürige Luxus-
Limousine
„Regent“ als Ausblick auf die 1933er Modell

sowie als kleine Reminiszenz an den 1929
eingestellten 8-Zylinder-
Regent.


Das Arbeitstier von Opel: Der 1,8 Liter Lieferwagen
für 500
kg Nutzlast war zwei Jahre
dringend benötigter Helfer der
Gewerbetreibenden

Für Sonderwünsche der Opel Kunden waren weiterhin
die Karosseriewerke Kühn in Halle zuständig. Hier gab es
bereits ab 1931 den 1,8 Liter als zweitürige Limousine, Cabriolet-
Limousine und auch Kombi-Wagen mit Hecktür zum
Laderaum wie hier abgebildet

Etwa Mitte 1932 stellte man beim Modell 1,8 Liter die Radgröße auf 17“ um. Die Stahlscheibenräder waren nun in der Abmessung 2,75 x 17 gehalten, während die Reifengröße 4,75 - 17 betrug. Diese sogenannten Ballonreifen weisen durch ihr größeres Luftvolumen bei gleichem Luftdruck eine höhere Tragfähigkeit auf. Dies bedeutet andererseits, dass man bei gleichgebliebenem Fahrzeuggewicht den Luftdruck reduzieren kann und so zu einem spürbar besseren Fahrkomfort gelangt. Und eben dies hatte man bei der Umstellung im Sinn. In der gleichen Abmessung konnten jetzt als Sonderausstattung auch Drahtspeichenräder geliefert werden. Leichter als die üblichen Stahlscheibenräder konnten sie durch eine Verringerung der ungefederten Massen nochmals auf anderem Weg zur Verbesserung des Fahrkomforts beitragen.



Für Wettbewerbsfahrzeuge war auch das insgesamt niedrigere Fahrzeuggewicht interessant. Sicher waren hier aber auch optische Gesichtspunkte mitbestimmend -- das soll nicht geleugnet werden. Heute kennt man dieses Phänomen mit Stahl- vs. Alu-Felgen. Mit der Motor Nr. 22941 erhielten die Motoren schließlich eine andere Kurbelgehäuseentlüftung; d. h. der vordere Ventilkammerdeckel war jetzt dicht verschlossen und das vor dem dort angebrachte Entlüftungsrohr wich einem wesentlich stärkeren Exemplar, das nun auf der anderen Motorseite in den Öleinfüllstutzen mündete. Veteranenfreunde, deren Motoren am hinteren Hauptlager zwischen Öl- und Kupplungswanne starken Ölverlust haben, sollten zunächst kontrollieren, ob nicht das Entlüftungsrohr, besonders die alte Ausführung, verstopft ist. Dazu Rohr abnehmen und reinigen, notfalls auch vorsichtig ausbrennen.

Die letzte technische Neuerung konzentrierte sich zum dritten Mal auf den Motor. Waren bisher die Ein- und Auslassventile mit 28,7 mm im gleichen Durchmesser gehalten, so vergrößerte man ab Motor Nr. 25001 den Tellerdurchmesser der Einlassventile auf 32 mm. Hierauf reagieren gerade diese Motoren mit spürbarem Leistungszuwachs und mir ist nicht ganz verständlich, warum man bei Opel erst Mitte 1933 korrigierte Leistungsangaben
findet. Leistungshungrige unter Ihnen können jedenfalls durch geduldige Nacharbeit an Ventilsitz und Zylinderkopf die größeren Ventile auch in die älteren Motoren einpassen. Man wird also ohne Übertreibung sagen dürfen, dass die 1,8 Ltr. Wagen 1932 in wesentlichen Punkten verbessert wurden, insbesondere durch die Einführung der Regent-Baureihe, die in Teil 2 vorgestellt werden soll. Dennoch erreichten die Produktionszahlen in diesem Jahr mit 714o PKW und 694 Kastenwagen wegen der Wirtschaftsflaute nicht die Hälfte dessen, was in den davor liegenden 15 Monaten abgesetzt werden konnte.


Wird fortgesetzt...

Rolf H. Kox 1973,
überarbeitet und tabellarisch erweitert 2021
von Eckhart Bartels *100


 

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Dampfblasenbildung im CIH-Motor

Bekanntlich steigt Warmluft nach oben. So sollen Abgase im Winter das Ansaugrohr erwärmen, um einen besseren Motorrundlauf zu erhalten. Dadurch haftet das kalte Benzin-Luft-Gemisch nicht am Ansaugrohr.

Im Sommer schlägt diese Lösung aber manchmal ins Gegenteil um. Es wird auch der Vergaser mit aufgewärmt


Vermeidbar ist dieser Nachteil, indem man die Dichtung 683 (siehe Bild) durch eine selbst hergestellte Vollflächendichtungersetzt. Das Material. Eventuell eine dünne Asbestplatte, gibt es wohl im Baumarkt. Es könnte auch der Auspuffkrümmer 676 vom 1,9 l Sprint-Motor verwendet werden. Aber dann ist man nicht mehr richtig original. Dieser Auspuffkrümmer wurde ja auch im Kadett C GT/E ab Werk verwendet.

Text: Norbert Kelleter *3890
Bild: Opel Werkstatthandbuch

 

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Die Geschichte von General Motors
und Opel in Südafrika – Teil 1

Als langgedienter Alt-Opelfreund hatte ich auf unseren ausgedehnten Reisen durch Afrika natürlich auch immer ein besonderes Auge für die unterschiedlichsten Opelfahrzeuge auf diesem Kontinent. Afrika hatte es uns schon früh angetan. Der faszinierende Kontinent hinsichtlich seiner bemerkenswerten Natur mit all seinen Tieren war wie ein Magnet für uns.


Abb. 1 Sarah am Lake Turkana

Bereits 1979 haben wir uns zum ersten Mal auf eine Überlandreise begeben von Deutschland aus. Nein, nicht mit dem Opel. Wir sind gut vorbereitet mit einem speziell ausgerüsteten Land Rover gereist. Insgesamt sollten es 4 Reisen in die unterschiedlichsten und auch entlegensten Ecken Afrikas werden – immer für mindestens 1 Jahr, schon um sich dem launischen und keineswegs gehetzten Leben in Afrika anpassen zu können. Reise 3 und 4 unternahmen wir zusammen mit unserer älteren Tochter Sarah (siehe Abb. 1). Damals war das Kind gerade mal 2 Jahre jung.
Da ich zuhause (damals) in Deutschland stolzer Besitzer eines Rekord P2 und eines Rekord ’56 war, entging mir im Straßenbild der Städte Afrikas meist auch keines der Opelfahrzeuge. Ich war mehr als verwundert, nahezu überall Opelfahrzeuge der unterschiedlichsten Baujahre und Zustand anzutreffen (siehe Abbildungen 2 bis 6). Im heutigen Kongo (früher Zaire) traute ich meinen Augen nicht, als ich mitten im Urwald in der von Gestrüpp völlig zugewachsenen Garage eines verlassenen Anwesens einen roten Rekord P1 mit weißem Dach vorfand. Zurückgelassen vermutlich im beginnenden Buschkrieg 1964. Die Belgier hatten damals wunderbare Teerstraßen durch den tropischen Wald gebaut, die natürlich auch von einem Opel Olympia Rekord einfach zu befahren waren. Heute ist daran nicht mehr zu denken. Vor allem ab den Ländern wie Kenia, Tanzania, Zimbabwe bis nach Südafrika gehörten und gehören auch Opel zum gewohnten Straßenbild. Nun fragt man sich als Opelfreund natürlich, warum ist das so?
Seit wir vor 27 Jahren nach Namibia ausgewandert sind und ich mich natürlich auch hier im südlichen Afrika sehr mit dem Thema ‚Opel‘ beschäftige (siehe Berichte im Zuverlässigen Heft 254 und 266), habe ich recherchiert und auch einiges zu diesem Thema bislang herausfinden können.


Abb. 2 Opel Olympia Südafrika
Kapprovinz

Abb. 3 Opel Rekord P2 in Harare
Zimbabwe

Abb. 4 Opel Rekord P2 in Nairobi Kenia


Abb. 5 Rekord P2 Busch in Namibia

Abb. 5a Rekord `57 Werbung jetzt im
Hochglanzdruck Südafrika 1956

Abb. 6 Kadett A in Kapstadt




Wie schon bemerkt, erfreute sich die Marke Opel afrikaweit. Besonders in Süd- und in Ostafrika. Die robuste und einfach überschaubare Bauweise vor allem der älteren Baujahre, gepaart mit einem in Afrika nicht erwarteten Händler- und Servicenetz durch damals General Motors bzw. Delta Motors Corp., ließ keine Zweifel aufkommen. Als Tochtergesellschaft des amerikanischen Automobilherstellers General Motors produzierte und vertrieb General Motors South Africa (GMSA) ab 1913 unterschiedliche GM-Fahrzeuge. Jedoch schon ab 1926 wurden in dem ständig verbesserten und angepassten Werk in Port Elizabeth (Hauptsitz) zunehmend auch andere Marken innerhalb der GM-Gruppe gebaut. Obwohl die verfügbare Literatur die Produktion von Opelfahrzeugen erst für die 1930er Jahre angibt, vermute ich aufgrund von Fakten, dass bereits ab 1927 Opelfahrzeuge in Südafrika gebaut – bzw. als CKD’s von Deutschland nach Port Elizabeth versandt wurden*. Davon dann mehr im 2. Teil des Berichtes beim Thema „Opel in Südwestafrika/Namibia“. Opelfahrzeuge erfreuten sich nach dem 2. Weltkrieg dank einer nun erstarkenden Weltkonjunktur ständiger und zunehmender Nachfrage. Das war in Afrika nicht anders. Als der Rekord’57 im August 1956 in Port Elizabeth vom neuen Fertigungsband lief, war dieser Opel eine Sensation. Das zeigte sich schon dadurch, dass die Werbung in allen renommierten Zeitschriften als Hochglanzbild abgedruckt wurde (siehe Abb. 5a). Sowohl in der kolonialen als auch nachkolonialen Zeit wurden mehr und mehr Fahrzeuge der Marke Opel von Südafrika in die unterschiedlichsten Länder Afrikas exportiert. So geschehen beispielsweise in Länder wie Kongo, Simbabwe, Sambia, Mosambik, Malawi, Kenia und Mauritius. Es wurden zudem explizit links- und rechtsgesteuerte Fahrzeuge für die unterschiedlichsten Märkte gebaut und exportiert.


Abb. 7 Opel Olympia P1
Pick up Werbedruck Südafrika

Abb. 8 Opel Olympia P1 Werbedruck
Südafrika

Abb. 8a Opel P1 Pick up made in
South Africa



Zusätzlich produzierte GM auch spezielle Fahrzeuge wie ‚Pick ups‘ auf Opelbasis. Besonders beliebt und einzigartig waren hier Fahrzeuge auf der Basis vom Opel Olympia Rekord P1 und P2 (siehe Abb. 7, 8, 8a). Leider sind von diesen südafrikanischen Pick-ups nur noch wenige Exemplare erhalten und zu bestaunen. Zudem wurden in den 60er Jahren Fahrzeuge der britischen Marke ‚Vauxhall‘ und der ‚Ranger‘ (eine dem Rekord C sehr ähnliche Variante) montiert und mit dem Werbeslogan „South Africa’s own car“ vermarktet. Vor allem der Ranger war in Südafrika ein sehr beliebtes Familienfahrzeug, trug aber das Emblem ‚Chevrolet‘ (siehe Abb. 9).



Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass seit 1978 die Produktion von Vauxhall und Bedford in Südafrika eingestellt wurde. Worauf das gesamte montierte Pkw-Programm von GMSA ab 1982 unter dem Namen Opel betrieben wurde. So wundert es nicht, dass Ende der 1980er Jahre GMSA eine auf 170 PS gesteigerte Version des Opel Kadett (Opel Kadett GSi 16V S) mit dem Namen „Superboss“ anbot. Es handelte sich um das bis dahin stärkste je gebaute Kadett-Modell. Später dann, ab 1995 bis 1997, bot Delta Motors den Opel Kadett 200ts an, der bei 2 Litern Hubraum 202 PS leistete und eine Höchstgeschwindigkeit von sage und schreibe 235 km/h erreichte. Allerdings ist hierbei anzumerken, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Südafrikas Strassen auf 120 km/h beschränkt ist. Auch die Vorgängermodelle des Opel Kadett erfreuten sich großer Beliebtheit in Südafrika (siehe Abb. 10).
Als 1986 (bedingt durch die Verabschiedung des Comprehensive Anti-Apartheid Act in den USA) General Motors politisch immer mehr in Bedrängnis kam, wurde das Unternehmen in Delta Motors Corporation umbenannt und veräußert. Natürlich waren in dieser Zeit durch Sanktionen (auch von Seiten europäischer Länder) Zulieferengpässe und Produktionsausfälle die Norm. Delta hatte weiterhin unter der Lizenz von GM die schon zuvor bei General Motors eingegliederten Marken Opel, Izuzu und auch Suzuki im Programm. Zudem wurden jetzt die Lieferungen von ganzen Montagesätzen (CKDs) von der neuen Delta Motors Trading Corp. bezahlt, bzw. in Auftrag gegeben. Anfang der 1990er Jahre vollzog sich ein Übergang zur Demokratie in Südafrika und GM erwarb so 1997 wieder einen Anteil von 49% an der Delta Motors Corp. Wenige Jahre später im Jahr 2004 wurde dann die Delta Motors Corp. eine 100%ige Tochtergesellschaft
von General Motors. GM besaß ja zudem immer noch das immense Händler- und Servicenetz in Südafrika –
ein sehr großer Vorteil.


Abb. 9 Ranger Werbedruck
South Africa

Abb. 10 Opel Kadett 1970
Werbedruck Südafrika

Abb. 11 Kundendienstrechnung
Opel Olympia Rekord ‘57

Abb. 12 Gebrauchtwagenangebot
vom 15. März 1959



Letztendlich kündete GMSA im Mai 2017 an, den Betrieb auf dem südafrikanischen Markt bis Ende 2017 einzustellen. Dies geschah vermutlich aus Sparmaßnahmen und fällt in den gleichen Zeitraum wie der Verkauf von Opel in Deutschland an die PSA-Gruppe.

Es ist aber nicht aller Tage Abend
An diesem Punkt kommt nun vor allem die Firmengeschichte von Williams Hunt in die nähere Betrachtung. Der Firmengründer (Henry Hunt) wanderte bereits 1886 aus England nach Südafrika aus und eröffnete 1903 ein Fahrradgeschäft in Johannesburg. Er setzte damit sicherlich unwissentlich den Grundstein für die spätere Williams Hunt – Delta Dynastie. Zusammen mit der nach und nach eingewanderten Familie gründete die Familie die Firma „Williams Hunt & Co. Direct Importers“ und bemühten sich, Motorräder in Südafrika einzuführen und zu etablieren. Dies gelang den Hunts mit der Einfuhr und Aufbau des Verteilernetzes der amerikanischen und sehr robusten ‚Indian‘ (The Indian Motorcycle). Die Zukunft lag auch in Südafrika in der „pferdelosen Kutsche”. So wundert es nicht, dass auch nach und nach Automobile auf der Verkaufspalette von Williams Hunt standen. Das waren anfangs Autos aus Amerika. Ab 1927 wurden wohl auch diverse Opelfahrzeuge in Port Elizabeth bei GMSA gebaut und über das Verteilernetz der Hunts als direkter Arm von General Motors South Africa verkauft und gewartet.
Auch unser hiesiger Opel Olympia Rekord’57 wurde als damaliger Vorführwagen von der Williams Hunt & Brook Limited in Port Elizabeth an den Vorbesitzer des Wagens verkauft und in den eigenen Werkstätten, welche auch über ein Teilelager verfügten, gewartet (siehe Abb. 11).
Natürlich gab es auch noch andere General Motors Händler/Opelhändler im Land. Im südlichen Afrika waren damals gut 260 Vertretungen registriert (siehe Abb. 12). Als General Motors im Mai 2017 endgültig seinen Abzug aus Südafrika für Ende 2017 ankündigte, musste sich die deutsche Marke Opel unwillkürlich eine neue Heimat in Südafrika suchen. Wen wundert es, dass Opel ab Januar 2018 von der Williams Hunt Gruppe in Südafrika vertrieben wird. Die sehr lange zurückreichende Geschichte und Erfahrung des größten nationalen Händlers in Südafrika wird so auch weiterhin den Vertrieb und den Service, samt einer guten Ersatzteilversorgung sicherstellen – und dies sogar im ganzen südlichen Afrika.
Übrigens werden seit 2018 Opelfahrzeuge wie der Grandland X vom ‚Groupe PSA-Werk‘ auch im namibischen Walfischbucht (Walfisbay) gebaut. Alles Rechtslenker, die nicht zuletzt über das ausgedehnte Händlernetz der Williams Hunt Gruppe (derzeit 35 Opelhändler) in Afrika vertrieben werden. Wie das sonst in Südwest Afrika/Namibia lief, davon will ich in einem weiteren Teil berichten.
 

Text und Bilder: Alfred Schleicher *966

* Nach Aussagen von Eckhart Bartels, Referat Opel Firmengeschichte, gab es bis Mitte der 1950er Jahre nur einen Export kompletter Fahrzeuge von Opel nach Südafrika, bis 1929 über lokale Vertretungen, danach über GMSA. Montage von Opel Wagen im Werk Port Elizabeth erfolgte nicht vor Mitte der 1950er Jahre.

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