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   Reise um die Ostsee

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Mit Luftschlauch bewaffnet um einen Brand beim Schweißen zu verhindern

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Neue Felgen, die alten hatten Macken im Rundlauf.

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Eines der Löcher im Boden

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Loch unter der Batterie

Juli 2015, Wiegersen


Die Idee:

Zugegeben, die Idee ist ziemlich verrückt, aber sie passt zu uns. Als unsere Tochter uns im Januar erzählte, dass sie ihr Auslandssemester in einem der skandinavischen Staaten bestreiten möchte, war klar, dass wir sie dort besuchen würden. Der Urlaub war schon eingereicht, aber das Ziel noch unbekannt. Zunächst waren Kopenhagen und Oslo im Gespräch, so zumindest dachten wir. Ein Katzensprung, wenn man etwas südlich von Hamburg wohnt. "Das schaffen wir locker mit dem Auto.", sagte ich zu meiner Frau und somit war die Sache klar.
Als Caro dann mit einer Zusage für Tampere in Finnland um die Ecke kam, kam Bewegung in die Sache und es wurde überlegt und herumgesponnen. "Es gibt einen Direktflug von Bremen nach Tampere.", hatte meine bessere Hälfte recherchiert. "Das ist mir zu langweilig.", war meine Antwort und es war irgendwie klar, dass das Ganze auf eine Autoreise hinaus laufen würde. Dabei reifte relativ schnell die Idee, dabei die komplette Ostsee zu umrunden.
Also begannen wir im März, uns "schlau" zu machen. Was brauchen wir für so eine Reise, wie fahren wir, was müssen wir beachten und vor allem mit welchem Auto fahren wir. Als Alt-Opel Liebhaber haben wir natürlich nur Opel auf dem Hof stehen und daher fiel meine Wahl relativ schnell auf meinen Corsa B. Unsere anderen Opel haben entweder eine Autogasanlage oder aber sind für so eine Reise zu schade. Nun ja, der kleine Corsa ist zwar mittlerweile auch schon 18 Jahre alt und hat 266.500 km auf der Uhr, aber er hat den guten ISUZU 1.5 TD im Bauch, der sehr genügsam mit seinem Treibstoff umgeht und bei guter Pflege extrem langlebig ist. Hinzu kommt, dass wir damit bereits in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Holland, England und Dänemark waren, also schon große Teile des westlichen Europas befahren haben. Dabei war der kleine stets zuverlässig wie der Opel-Slogan. Nun kommt also Osteuropa dran, gemäß dem Motto von Geier Sturzflug: "Besuchen Sie Europa, so lange es noch steht..."
Als wir dann damit anfingen von unserer Idee zu erzählen, gab  es zu meiner Verwunderung zwei Lager. Die einen halten uns für total bekloppt mit so einem Auto das Wagnis einzugehen, die anderen sind der Meinung, alles easy, der Corsa wird es schon richten

 

Die Planung:
Nachdem das Wie nun geklärt war, fingen die Planungen an. Der ADAC wurde um eine Routenplanung gebeten und das Internet zu Rate gezogen. Die Seiten des Auswärtigen Amtes waren dabei sehr hilfreich. Flugs wurde eine Excel Tabelle erstellt mit den Besonderheiten der einzelnen Länder. Zunächst war uns das Baltikum nicht so ganz geheuer, immerhin sind das ehemalige GUS Staaten, aber ein Freund meines Vaters erzählte uns auf einer goldenen Hochzeit, dass er dort vor zwei Jahren mit dem Motorrad war. Schnell wurde ein Termin zum Bilder schauen und Tipps holen vereinbart. Nun ging es darum die Strecke festzulegen. Frei nach Shakespeare "Russland oder nicht Russland" haben wir pro und contra zusammengetragen, denn eigentlich gehört der Zipfel Sankt Petersburg ja zu so einer Ostsee Umrundung dazu. Wir haben uns dann jedoch aus zeitlichen Gründen dazu entschieden die Ostsee an zwei Stellen per Fähre abzukürzen. Zum einen fahren wir mit der Fähre von Stockholm nach Turku. Dadurch sparen wir ca. 1.700 km ans Nordkap. Sicher hätte das Nordkap auch seinen Reiz, wir aber nur drei Wochen Zeit. Zum zweiten nehmen wir die Fähre von Helsinki nach Tallinn. Dadurch bleibt uns , auf die wunderschöne Kurische Nehrung zu fahren, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Grob war die Strecke damit klar.
Von Hamburg geht es über Kolding, Odense, Kopenhagen, Malmö in Richtung Stockholm.

Von Stockholm geht es dann weiter über Turku nach Tampere. Nach einem ausgiebigen Besuch unserer Studentin geht es dann via Helsinki, Tallinn nach Pärnu. Die nächste Etappe geht dann über Riga, nach Litauen zum Berg der Kreuze nach Klaipeda. Von dort machen wir einen Abstecher nach Nida zum Thomas-Mann-Haus. Weiter geht es an der Memel entlang der russischen Grenze nach Kaunas, wo wir dann Luft holen für die Weiterfahrt nach Danzig. Nun sind 3/4 der Ostsee geschafft. Nachdem wir uns Danzig angesehen haben, geht die Reise weiter via Swinemünde nach Usedom. Der Rest ist dann wirklich nur noch der schon erwähnte Katzensprung.

 

Die Vorbereitung:
Der nächste Schritt war das Suchen von Unterkünften und Fähren. Das hat uns gut zwei Wochenenden gekostet, hat uns aber sehr viel Spaß bereitet und eine große Vorfreude generiert. Von nun an gab es kein Zurück mehr!
Nun wird der Corsa Stück für Stück reisefit gemacht. Zunächst habe ich ihn mit einem guten Freund genauestens inspiziert. Es sind immerhin fast 5.000 km zu fahren, obwohl das gerade einmal 1/5 meiner Jahresfahrleistung ist. Nun ist es so, das sich nach 18 Jahren täglichen Fahrens doch das eine oder andere Loch auftut, zumal der Corsa noch kein Schweißgerät gesehen hat, der guten Eisenacher Produktion sei Dank. Auch technisch haben wir den kleinen Opel komplett überholt und so stünde er eigentlich sehr gut da, wenn da nicht ein kleines Temperaturproblem wäre. Selbst nach dem Einbau eines neuen Kühlers nebst selbst entwickelter Lüftersteuerung wird der Corsa immer noch bei Drehzahlen ab 3500 U/min zu heiß. Ein Problem, das die Maschine schon beim Kauf hatte, das aber nur bei schneller Autobahnfahrt auftritt. Nach langen Messreihen und Tests sind wir zum Schluss gekommen, dass der große Kühlkreislauf entweder nicht richtig öffnet oder die Wasserpumpe es nicht schafft. Also wird am Wochenende nochmals der Corsa zerlegt und die Wasserpumpe und der Thermostat getauscht. Und weil es so schön ist, werden auch gleich der Zahnriemen, das Motoröl und das Getriebeöl mit gewechselt.
Selbst wenn das nicht helfen sollte, eines hilft immer, wenn der Wagen zu warm wird. Heizung an, Lüftung auf 4 und das Schiebedach auf. Der Sommer kann kommen...


Der Bericht:
Neugierig geworden? Wir werden unsere Reiseerfahrungen in einer Art Blog hier auf der Alt-Opel-Homepage und später auch im Zuverlässigen veröffentlichen.

 

 

Rolf Neumann *3991

 

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schon fertiger Boden

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Die Schweller waren gesund

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Batteriefach von oben

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Blech für Batteriefach wird angefertigt

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Das fertige Batteriefach

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Christo war da

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Dinol Unterbodenschutz erste Schicht

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Dinol Haupt Wachs in hinteren Teil

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Dinol Hardwachs in die Hohlräume

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Pollenfilter wird getauscht

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Das leidige Problem mit dem

Kabelbaum in der Heckklappe

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Zusatzkabelbaum für die Kühlersteuerung

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Die selbstentwickelte Kühlersteuerung

   

 

 

 

 

09. August 2015, Wiegersen

 

Hallo liebe Opel-Freunde,

so langsam wird es Ernst, die Reise rückt immer näher.
Die Spannung steigt und mich plagt das ständige "Was habe ich noch vergessen" Gewissen. Der Corsa ist eigentlich Reisefertig, aber aufgrund der fast 5000 km, die ich seit der großen Inspektion schon wieder gefahren bin, werde ich kommende Woche nochmals einen Ölwechsel vornehmen und die Bremen reinigen. Mittlerweile stehen 269528 km auf dem Tacho und ich befürchte bis zur Abreise kommen da noch so knapp 1000 hinzu. Das thermische Problem habe ich leider trotz allen Versuchen nicht in den Griff bekommen., da ich das aber schon seit 100000 km habe und es nie zu einem ernsten Problem wurde, wird das schon klappen. Auch seit mindestens 100000 km drin war das Getriebeöl. Wie wir leider feststellen mussten, hat da eine Pappnasen Werkstatt Automatiköl in das 5Gang eingefüllt. Von dem wesentlich dünnerem Öl waren dann auch nur noch 0,5 Liter von 1,6 vorhanden. Dank der stabilen Bauweise hat das Getriebe aber auch das überlebt. Schade eigentlich das es noch immer Werkstätten gibt, die die verschiedenen Öle nicht auseinander halten können.
Organisatorisch ist fast alles erledigt. Auch ein Papier in Polnisch und Deutsch, das wir den Firmenwagen in Polen überhaupt fahren dürfen zählt jetzt zu den Papieren.
Kommende Woche gebe ich schon mal die Strecke mit den Etappenzielen in mein Navi ein. Mal sehen, was uns noch einfällt, was wir vergessen haben.

Liebe Grüße
Rolf Neumann (*3991)

 

 

 

 

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13. August 2015, Wiegersen


Heute, 9 Tage vor der Abreise, wird es langsam hektisch. Gestern hat mir ein Bekannter, der letzte Woche in Schweden war, gesagt, dass man die Brücken zwischen Fünen und Seeland, sowie zwischen Kopenhagen und Malmö auch online buchen kann. Bei einer Online Buchung entfällt das Bezahlen und somit das Warten an dem Kassenhäuschen. Ich frage mich nur, warum man so eine Info nicht vom ADAC bekommt, obwohl ich explizit nachgefragt hatte. Ce la vie, wie der Franzose sagen würde.

Morgen ist erstmal das Ausfüllen der Organspendeausweise in jeder Sprache der durchfahrenen Länder angesagt. Dies ist nötig, da in den einzelnen Ländern mit der Organspende anders umgegangen wird, wenn der Ausweis fehlt, oder in einer anderen Sprache ist.

Der kleine Corsa hat derweil die 270000km Marke geknackt und ich befürchte bis zur Abreise werden es noch 271000. Das bedeutet natürlich, dass noch ein weiterer Ölwechsel ansteht. Ursprünglich dachte ich die 270000er Marke am Ende des Trips zu knacken.

Aber wie heißt es bei der Konkurrenz so schön: "Er läuft und läuft und läuft und läuft"

In dem Zuge werde ich auch die Bremsen vorne noch mal reinigen und die Sitzfläche der Rücksitzbank ausbauen, damit wir auch im umgeklappten Zustand Liegesitze haben.

In diesem Sinne....

 

 

 

 

 

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15. August 2015, Wiegersen

 

Heute ist Samstag, aber nicht irgendein Samstag, sondern der letzte Samstag vor unserer großen Reise. Es ist jetzt 14:00 Uhr und in einer Woche wollen wir schon in der Nähe von Kalmar in Schweden sein. Für mich Grund genug mit den letzten Vorbereitungen anzufangen. Als heute Morgen ein Anflug von Langeweile aufkam, dachte ich mir, fang man schon mal mit der letzten Inspektion am Auto an. Also flugs den kleinen Corsa auf die Bühne, Arbeitsklamotten an und Hacken in den Teer.

Zunächst das Öl raus und den Motor schön ausbluten lassen. Dann waren die Bremsen dran. Die Bremsbeläge waren noch ausreichend für die Fahrt und so wurde die Bremse nur ausgiebig gereinigt und wieder zusammen gebaut. Nach der Reise sind dann zum TÜV eh die Scheiben dran. Nachdem die Räder wieder dran waren, ist noch der obligatorische Flüssigkeitscheck der Körpersäfte des Kleinen dran. Der Ölverbrauch lag so bei einem 3/4l auf 5000km, was denke ich für die Laufleistung mehr als in Ordnung geht.

Trotzdem nehme ich sicherheitshalber 2l des guten Saftes mit auf die Reise. Auch mit dabei sind jeweils 1,5l fertig gemischtes und konzentriertes Kühlwasser an Bord.

Eben rief mich der Typreferent für den Corsa B, Dieter Budtke, an und erzählte mir, das es wohl eine Anweisung an die Werkstätten gab, bei schwer gängigen Getrieben Automatiköl einzufüllen. In soweit ist die Werkstatt ein Stück weit wieder rehabilitiert, aber nicht, was die "lose" Entlüfterschraube angeht. *Grinz* man lernt doch immer noch dazu. Ist wohl den Fertigungstoleranzen von damals geschuldet.

Jetzt geht es noch andere reinigen des Innenraumes. Auch die Sitzfläche der Rücksitzbank wurde schon von mir ausgebaut, damit wir die Vordersitze auch bei umgeklappter Rücksitzbank zu Liegesitzen machen können. Aargg, ich muss ja noch die Brücken buchen ...

Also bis bald. ;-)

 

 

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17. August 2015, Wiegersen

 

Heute ist Montag, auch im übertragenen Sinne. Irgendwie ist mir da Samstag wohl der Anfängerfehler schlechthin passiert, ich habe Türen und Heckklappe offengelassen und den Schlüssel stecken lassen. Gut, ich hatte das abends bemerkt, hab aber leider nicht das Ladegerät mehr angeschlossen... Ein Fehler, der sich natürlich bitter am Montag morgen um 5:40 Uhr gerächt hat, mein Corsa tat keinen Mucks mehr und um 6:00 hatte ich schon einen Termin im 11km entfernten Moisburg.

Aber Not macht erfinderisch, da das Ladegerät zu schwach ist, Batterie und Anlasser gleichzeitig mit Strom zu bedienen, hab ich mit ner Batterie aus meinem Rekord E nachgeholfen. Pünktlich um 6:00 war ich also in Moisburg, braves kleines Corsa.

In Moisburg angekommen hab ich natürlich in alter Gewohnheit den Motor angeschaltet. Soweit so gut, nur reichte die Ladung nicht für einen erneuten Start aus.

So sitze ich jetzt bei einem guten Bekannten in Hollenstedt, wo ich den nächsten Termin habe um die Aufkleber abzuholen und warte darauf bis meine Batterie wieder genug Ladung hat.

Die Frage, ob ich ein Starthilfe Kabel mitnehmen soll oder nicht, hat sich damit eindrucksvoll erledigt. *grinz* Bild 1+2: Corsa wird beim Bekannten geladen Bild 3: Der Aufkleber kommt auf die hinteren Seitenscheiben.

 

...Update...

 

Nachdem die Batterie aufgeladen ist, nagelt das Dieselmaschinchen auch wieder munter vor sich hin. Die Aufkleber sind angebracht und die "To Do" Liste um weitere Punkte abgehackt. Die Frage, liebe Leser(inne), ob und wieviel Treibstoff man innerhalb von Europa mitführen darf ist jetzt auch geklärt. Es gilt dort, wie so oft im Leben, der kleinste gemeinsame Nenner und der heißt in diesem Fall Null Liter Diesel und Keine Kanister.

Theoretisch dürfen es innerhalb der EU 10 Liter in einem Kanister über die Grenzen gebracht werden, in einigen Ländern sind auch 20 Liter erlaubt. Jedoch muss das Behältnis zugelassen für den Transport von Kraftstoffen sein, was auch immer das bedeutet. Das Ganze erledigt sich aber ganz schnell, wenn man eine Fähre benutzen will. Das tuen wir sogar zwei mal. Denn auf Fähren ist gar kein Reserve Kraftstoff erlaubt. Na gut, dass man wenigstens den Tank nicht leeren muss *Grinz* Verbandskasten, Warndreieck, vier Warnwesten und ein in Litauen geforderter Feuerlöscher ist auch schon an Bord.

Fehlen hoffentlich nur noch das Gepäck und wir...

Aber irgendetwas kommt mit definitiver Sicherheit noch.

Boah, wat ist dat komplex...

 

Liebe Grüße

Rolf Neumann

 

 

 

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18. August 2015, Wiegersen


Drei Arbeitstage vor der Abreise zahlt sich die penible Vorbereitung langsam aus. Der kleine Selbstzünder ist bereits mit den nötigen Unterlagen bestückt und sein Innenraum ist fast so sauber wie ein Neuwagen. Nach zwei Stunden saugen mit dem Tornator genannt "Das Beast", ein Aufsatz auf einen Staubsauger, der per Druckluft eine Luftsäule ähnlich einem Tornado aufbaut, habe ich auch den letzten Staub aus den Polstern geholt. Danach habe ich dann sämtliche Plastikteile mit Plastikpflege Spray gereinigt. Man will ja nicht in einer rollenden Müllkippe verreisen ;-).

Auch heute gekommen sind die Tickets für die dänischen Brücken, jedoch müssen wir trotzdem zu einem Kassenhäuschen, da es für den Versand einer Sendeeinheit zu spät war. Leider!

So bleibt uns nur das anstehen an der Kasse. Irgendwie habe ich die Vorteile eines solchen Tickets nicht begriffen, außer, das es etwas günstiger ist.

 

 

 

 

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Das gereinigte Cockpit

 

 

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Türverkleidung ist ab

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Das defekte Kabel

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repariertes Lautsprecherkabel

21.August 2015, Wiegersen

 

Auf meiner fortwährenden Suche nach dem Vergessenen, habe ich mir nach der Pleite anfangs der Woche noch schnell einen Startbooster gekauft, man kann ja nie wissen...

Trotzdem ist da immer noch das Gefühl, was habe ich vergessen, aber aufgeregt? Nein, das bin ich nicht.

Warum sollte ich, Opel Corsa stand letzte Nacht brav in meiner Werkstatt und hat sich die Batterie massieren lassen. Der Tank ist voll, genau wie das Scheibenwaschwasser. Öl und Kühlwasser sind auf Maximum und der Reifendruck steht auch auf Urlaub. Morgen wird der Kleine bepackt mit unseren Klamotten.

Als Werkzeug sind dabei Radwechsel Equipment, sowie Starthilfekabel und der nigelnagel neuer Booster. 2 Liter Öl und 4,5 Liter Kühlwasser waren ja schon an Bord.

Natürlich sind auch die Papiere an Bord, wie Eigentumsbescheinigung für Polen, Schein, grüne Versicherungskarte, Personalausweise, Reisepässe, Impfausweise und die Fahrtunterlagen. PINs und Passwörter für die Hotels, Brücken und Fähren auf Papier und als PDF auf unseren Schmatzphones.

Ach ja, vier Warnwesten ein neuer Verbandskasten, Warndreieck und ein Feuerlöscher sind auch dabei.

Heute Morgen kam dann noch Scheibenreiniger dazu.

Aber dann. Meistens kommt es ja anders als man denkt und oft ist das auch gut so. Als ich den Corsa aus der Werkstatt fahren wollte Klang da die Freisprecheinrichtung ein bisserl komisch. Na ja, nun wollen wir nicht wirklich telefonieren, aber nachdem ich den Rekord vom Carport in die Werkstatt fuhr, ließ mir das denn doch keine Ruhe, da auch das Navi besagte Freisprecheinrichtung nutzt.

Also auf zum "Last Minute Repair". ;-(

Der Schuldige war schnell gefunden, da mein Kollege das gleiche Problem vor ein paar Wochen vor seinem Urlaub hatte, eine defekte Kabelverbindung zum Lautsprecher. Das beim Lautsprecher mitgelieferte Kabel war so dünn, dass es in der Ummantelung gebrochen ist. Außerdem nutzen wir, der Umwelt zu liebe, bleifreies Lötzinn. Da aber in den Türen bei Regen ein sehr feuchtes Klima herrscht, ist dieses Lötzinn förmlich zerbröselt und man konnte die Verbindungen einfach abziehen.

Also Türverkleidung ab, Lötkolben vorgeheizt und los geht es. Die dünnen Originalkabel werden durch 1qmm Litze ersetzt und die Lötstellen diesmal mit Schrumpfschlauch versiegelt. Warum auch immer ich vor einem Jahr das nicht gleich vernünftig gemacht habe entzieht sich meiner Kenntnis :-( . Ein Spruch meines ehemaligen Chefs bewahrheitet sich doch immer wieder : "Do it First Time Right". Manchmal ist das eben nicht so wie es soll.

Mal sehen was als nächstes kommt... Sicherheitshalber werde ich mal die guten alten Karten auf Papier ins Auto legen. Ob da dann noch Gepäck rein passt?

 

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Natürlich macht man beide Seiten,

hier die Verdrillung

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und verzinnt

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Fertisch 😃

 


22. August, 03:34:00

Kilometerstand 270261,5  -  wir sind unterwegs

 

 

Pünktlich um 01:00 sind wir in den Kleinen eingestiegen. Der kleine Diesel ließ sich dann auch nicht lange bitten und nach kurzem Vorglühen nagelt der kleine Selbstzünder munter vor sich hin und scharrt mit den Hufen. Die deutsche Autobahn war trotz gefahrener 130 - 140 km/h kein Problem, nicht mal der E-Lüfter sprang an.

So sind wir jetzt bei Km 270455,7 in Flensburg angekommen und verlassen gleich Deutschland.

Bis nachher...

 

08:14:46


Liebe Grüße aus Schweden,

 

Die ersten Kilometer liegen hinter uns, der Corsa schnurrt wie ein Kätzchen. Eben habe ich auf einem Rastplatz bei Hörby (Schweden) die Flüssigkeiten geprüft, demnach hat er leider etwas Öl gefressen. Es kann aber auch sein, dass es nur noch nicht zurück gelaufen ist. ❓ Der Kilometerstand steht bei 270847,8.

 

14:45:38

 

Die ersten zwei Etappen sind geschafft. Es ist 14:45 und der kleine Corsa hat der ersten Tag mit Bravour bestanden. Der anfänglich vermeintlich hohe Ölverbrauch hat sich als falsch erwiesen, vermutlich habe ich einfach nicht lange genug gewartet, bis das Öl wieder zurück in die Wanne gelaufen ist ;-).

Auf dem Tacho steht jetzt 271157,9 km. Damit haben wir die ersten 896,4 km geschafft. Die Strecke über die Stœrebeltbrücke und die Öresundbrücke ist schon imposant.

Zur Effizienz des Dieselmaschinchens sei gesagt, nachdem wir in Flensburg getankt haben, ist jetzt noch für Ca. 180 - 220 km Diesel im Tank.

Witzig war, das wir in Karlskrona am Hafen genau 271000 km runter hatten.

Auf dem Weg hierher kamen uns jede Menge Oldtimer Amischlitten entgegen, darunter auch ein Elvis Caddy. Schweden ist ein sehr schönes Land, wenn es nicht soviele Volvos, sondern ein paar mehr Opels geben würde. Die Ausbeute an Corsa B war mit 3 Stück seit Start sehr mager. Das mag daran liegen, dass der jüngste "B" mittlerweile 15 Jahre alt ist.

So, ich glaube, ich sollte jetzt erst einmal ein wenig schlafen. ;-)

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der Ölstand stimmt...

 

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271000km Karlskrona Hafen

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der Corsa hat sein Tagesziel erreicht

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das Nachtquartier

 

 

 

 

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23. August 2015, 17:43:21, Stockholm

 

Nach einer guten Nacht im verschlafenen Berga in Schweden, man wird es kaum auf der Karte finden ;-), wurden wir von der Sonne und einem Hahn recht romantisch geweckt. Unsere Unterkunft war das Bed n Breakfast Bibeloo, welches, zumindest dem Anschein nach, noch aus der Zeit des Panorama Rekords stammt. Zu der Zeit hat man an den Corsa noch gar nicht gedacht. Dafür hatte das sehr saubere Domizil seinen sehr eigenen schönen Charme.

Doch nach dem Auschecken, ein banger Moment, mein Multimediasystem hatte sich nicht abgeschaltet. Wird der Kleine trotzdem anspringen?

Na ja, hab ja einen Booster mit, kann so schlimm nicht sein. Aber der konnte im Kofferraum verbleiben, das Dieselmaschienchen nahm sofort willig seine Arbeit auf.

Eigentlich steht heute Stockholm auf dem Plan, aber die Nähe zu Vimmerby, dem Geburtsort Astrid Lindgrens, hat uns zu einem Abstecher dorthin inspiriert. Vorher steht noch Tanken auf dem Plan. Mit 38,59l hatte ich noch für ungefähr 150km Treibstoff im Bunker äh Tank. Auf der Strecke dorthin (29 km) waren 10, in Worten ZEHN, feste Radarkontrollen. Vielleicht ist das der Grund, warum in Schweden das Autofahren so entspannt ist.

In Vimmerby geht es ins Lindgren Museum. Sehr empfehlenswert!

 

Nach dem Museum geht es Richtung Stockholm. Quer durch wunderschöne Landschaften und Seen, gespickt durch noch mehr Radarkontrollen. Um überhaupt etwas Strecke zu schaffen, sind wir dann in Linköping auf die Autobahn gefahren. Nach ungefähr 200 km konstanter Fahrt ist Stockholm erreicht. Hier wird es trotz Navigation echt kniffelig und wir kommen uns vor wie "kleiner Corsa in großer Stadt". Es ist nicht ganz einfach bei Straßen in drei Ebenen die richtige Ausfahrt zum Hotel zu finden, aber auch das haben wir nach drei kleineren Patzern geschafft. Hier hat unser kleiner Opel jetzt erst einmal bei km 271523,8 und seit Start gefahrenen 1.262,3 Kilometern 3 Tage Ruhe, bevor es auf die Fähre geht. Auf der letzten Etappe war der Ölverbrauch, vermutlich durch die geringe Drehzahl von 2000 U/min, nicht wirklich messbar. 😊

 

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Astrid Lindgren Museum

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Vimmerby

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Corsa wird entladen

21:22:06, Stockholm

 

Nach einem guten Essen und einem Verdauungsspaziergang, wird es nun in Stockholm langsam N8. Der Corsa parkt gut und sicher auf dem Hotelparkplatz und ist, zwischen den ganzen SUVs, die man ja zwingend in der Großstadt braucht, kaum auszumachen 😃. Morgen geht es dann mit den Öffies (öffentliche Verkehrsmittel) ;-) in die Stadt. Dazu haben wir heute schon mal erkundet, wo diese losfahren, aber da gibt es schon das erste Problemchen, das wie das Henne und Ei Problem ist: Das Ticket für die Öffies kann scheinbar nur in einer U-Bahn Station gekauft werden, wir aber müssen zur besagter U-Bahn Station erst einmal den Bus nehmen, da wir über die auf den Bildern erkennbare Brücke müssen.

Der Blick aus unserem Zimmer ist schon extrem cool, man kann ganz rechts noch die Fährterminals sehen.

Die ganze Stadt liegt auf einer Reihe von kleinen Inseln in der Scheren. Nach dem Frühstück und der Lösung des Transportproblems ist eine Stadtführung angesagt....

 

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Straßen in drei Ebenen

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Blick auf einen der Fährterminals

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Sonnenuntergang in Stockholm

 

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Stockholm by Night

 

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 Kleiner Corsa neben großem SUV

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Impressionen aus Stockholm

 

 

24. August,  12:30:38, Stockholm

 

Nach einem guten Frühstück und nicht so toller Nacht habe ich zunächst kontrolliert, wie es unserem kleinen Opel geht. Das Multimediasystem hatte sich leider wieder nicht abgeschaltet, obwohl es dies eigentlich ca. 4-5 Stunden nach abschalten der Zündung hätte tun sollen. Man sollte halt keine Relais bei eBay kaufen 😬.

Wenn der Diesel jeden Tag für eine längere Zeit läuft, stellt dies kein Problem da, aber bei drei Tagen würde das dann doch zu Startproblemen führen. Also habe ich kurzerhand die Batterie abgeklemmt, was auch gleich eine zusätzliche Diebstahlsicherung ist, obwohl dies in Stockholm unnötig ist.

Stockholm ist eine Stadt von der Einwohnerzahl halb so groß wie Hamburg, aber doppelt so quirlig. Wir haben eben an einer Stadtführung von einem Australier, der der Liebe wegen in Stockholm gelandet ist, in englischer Sprache teilgenommen. Unglücklicherweise waren wir die einzigen, die nicht Englisch als Muttersprache hatten. Dementsprechend anstrengend war die Tour, aber auch sehr interessant.

Mal sehen, was uns der restliche Tag noch so bringt...

 

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Impressionen aus Stockholm

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Impressionen aus Stockholm

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Impressionen aus Stockholm

20:39:56, Stockholm

 

Ein weiterer schöner Tag geht dem Ende entgegen. Die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr waren ganz einfach an der Rezeption unseres Hotels käuflich zu erwerben. Das war auch gut so, denn gleich nach dem ersten Teilstück wurden wir kontrolliert. In den U-Bahn oder Busbahnhöfen sollte man sich auf den Rolltreppen immer an die rechte Seite stellen, so steht es in unserem Fremdenführer und das ist nicht übertrieben. Zur Hauptverkehrszeit rennen die Stockholmer die Rolltreppen rauf und runter, wer da aus Versehen den Weg versperrt löst einen Stau aus. Nach den ersten Erfahrungen haben wir dann die schon genannte "Guided Tour" mitgemacht. Danach war ich so kaputt und müde das ich mich im Park "Kungsträdgården" in der Nähe des "Royal Palace" in der Altstadt in ein Bistro gesetzt habe und eine Fischsuppe gespeist habe. Meine Frau ist dann alleine zum "Royal Palace" gegangen.

Wieder im Hotel angekommen fanden wir an der Treppe zu unserem Zimmer eine dicke fette ca. 5-6 cm große Spinne an der Wand. Haben die vermutlich noch nicht gesehen meinte ich zu meiner Frau, die daraufhin zur Lobby ging um den Fund zu melden. "Wir haben hier in Schweden keine giftigen Spinnen, daher haben wir die auch nicht entfernt" entgegnete der freundliche Herr an der Rezeption uns verdutzten Touristen ....

Die heutige Nacht wird hoffentlich etwas kühler, damit dann auch ans Schlafen gedacht werden kann.

 

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Impressionen aus Stockholm

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Impressionen aus Stockholm

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Impressionen aus Stockholm

 

 

25. August 2015, 08:31:17 , Stockholm                                                                                                                                                 

 

nach einer phantastischen Nacht und einem klasse Frühstück sind wir nun voller Tatendrang. Einzig eine Getränkedose, die auf unserem Dach umher kullerte hat anfangs für eine gewisse Unzufriedenheit bei meiner Frau gesorgt. Aber selbst ist die Frau, also raus aus dem Fenster und rauf aufs Dach, die Dose einsammeln. ;-) Ach ja Elsbeth, unsere Spinne, war auch schon wach.

Heute tauschen wir den Opel Diesel gegen einen Schiffsdiesel und fahren nach Drottningholm. 

                                                                                              

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Blick vom Frühstückstisch

 

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Der nächtliche Ruhestörer

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Unser Hotel in früheren Tagen

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Suchspiel: Wo ist der Corsa?

 

 

20:00:46, Stockholm

 

Der vierte und damit vorletzte Tag im Wikingerland neigt sich dem Ende. Heute Morgen sind wir zu einer Bootsfahrt durch die Schären aufgebrochen. Vorbei an vielen schönen kleinen Inseln ging die Fahrt zum Schoss Drottningholm, dem heutigem Ziel. Nach einer ausgiebigen Besichtigung und einem großen  Spaziergang im Schlosspark war nach der Rückfahrt noch genug Zeit für eine weitere Stadtführung. Diesmal durch Stockholms Altstadt, genannt "Gamla Stan", mit seinen tollen Altbauten und seinem regen Leben. Bin ich froh, dass ich hier kein Auto fahren muss, und ich fahre gerne Auto. Aber zur Hauptverkehrszeit ist mit dem Auto trotz City Maut kein durchkommen. Die Altstadt liegt, wie sollte es auch anders sein, auf einer kleinen Schäreninsel und ist nur über Brücken und Schiff erreichbar. Hier gibt es kleine Gassen mit kleinen Cafés, Souvenirläden und Museen. Auch der Regierungssitz und der Königspalast sind hier beheimatet. Die Architektur der einzelnen Bauten ist erstaunlicherweise relativ unterschiedlich. Der Abschluss des heutigen Tages ist ein Besuch im Nobel Museum, benannt nach Alfred Nobel, dessen Stiftung jedes Jahr fünf Nobelpreise auslobt, unter anderem in den Kategorien Frieden, Physik und Chemie. Hier ist nun nicht nur der Akku meines Smartphones leer, sondern auch der meine und es geht zurück ins Hotel.

Alles in allem reichen drei Tage Stockholm nicht annähernd aus um die Schönheiten der Stadt in Ruhe zu erkunden.

Morgen früh heißt es packen, denn nach einem Besuch im ABBA Museum verlassen wir Stockholm in Richtung Finnland mit der Fähre "Amorella", die uns über Nacht nach Turku bringt

 

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Fahrt durch die Schären

 

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Schloss Drottningholm

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"Gamla Stan" Führung

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"Gamla Stan" Führung

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"Gamla Stan" Führung

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"Gamla Stan" Führung

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Nobel Museum

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Nobel Museum

 

 

26. August, 12:56:36, Stockholm 

 

Um 9:00 haben wir aus dem Scandic Forresta ausgecheckt. Ein sehr schönes Hotel, wenn auch der totale Kontrast zu unserem ersten Schlafplatz.

Nur eines sollte man unserer Erfahrung nach nie machen und das ist an der Rezeption etwas fragen. Man ist dort zwar sehr bemüht, jedoch sich die Aussagen nicht wirklich immer korrekt und zielführend. Trotzdem würden wir das Hotel immer wieder buchen.

Das Auto darf bepackt auf dem unter Beobachtung stehenden Hotelparkplatz bleiben, während wir uns mit den Öffies auf den Weg zum ABBA Museum machen. Da bewahrheitet sich wieder, dass man alles vorher im Internet recherchieren sollte. Eigentlich wollten wir das Boot zur Museumsinsel nehmen und hatten alles darauf ausgerichtet, jedoch kommt es natürlich anders. Nachdem wir ungefähr 10 Minuten vor dem Schiff angestanden haben, sagte man uns, das das Schiff gar nicht da hält, wo wir hinwollen. Das Schiff fährt erst um 11:30. Was nun? Einen echten Plan B haben wir nicht, also geht es zu Fuß weiter. Zum Glück hat ja mein Apfel eine Navigations App. Am Museum angekommen wussten wir dann auch, welche Straßenbahn wir hätten nehmen können. Trotzdem sind wir fast die ersten am ABBA Museum. Ein Fan, als der ich mich jetzt sicher oute, stört sich nicht an den hohen Eintrittspreisen. Dafür bekommt man dann auch gute Einblicke, medial aufbereitet, in die Geschichte der vier Schweden, die in Schweden scheinbar gar nicht so beliebt sind. Als etwas peinlich empfand ich, die "Mitmach"-Attraktionen, wo sich der echte ABBA Fan zum ABBA-Trottel machen kann.

Bevor wir nachher unser Auto holen und zur Fähre fahren, werden wir jetzt noch das WASA Museum besuchen.

Mein nächster Bericht wird dann auch erst Morgen aus Finnland kommen, da ich auf der Fähre wohl keinen Empfang habe.

Alles in allem ist Schweden ein tolles Land, in dem man eigentlich mehr Zeit verbringen kann und sollte.

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19:18:32, auf der Fähre nach Turku (Finnland)

 

Nach dem ABBA Museum sind wir dann noch ins Vasa Museum gegangen. Im Prinzip handelt das komplette Museum von einem Schiff, das ein Holländer dem Schwedischen König gebaut hat, das so instabil war, dass es nicht einmal die Jungfernfahrt überstand. Das Unglück von vor über 300 Jahren ist heute ein Glücksfall, da das Schiff zu 98% Original vorgefunden und geborgen werden konnte. Aus heutiger Sicht war das Schiff für seine Höhe einfach nich breit genug um stabil auf dem Meer zu liegen. Noch bei den Salutschüssen kam Wind in die Segel und das Wasser lief einfach in die noch offenen Kanonenluken, die ohnehin nur 1,5m über der Wasseroberfläche lagen.

Mit dem Wissen stehen wir nachher an der Fähre

Also zurück zum Hotel, den Corsa wecken. Nachdem ich die Batterie wieder abgeklemmt habe, springt der Diesel natürlich sehr gut an. Die Fahrt zum Terminal geht mitten durch Gamla Stan, also der Altstadt. Was wir gestern schon befürchtet hatten ist nun heute Wahrheit. Es ist ein einziger Stau vom Hotel zum Terminal.

Weil wir rechtzeitig losgefahren sind, sind wir natürlich überpünktlich. Dann kommt das Einchecken, was ziemlich aufregend ist. Der freundliche Herr am Terminal sagt: "Please Turn off your Engine". Das wollte ich denn lieber doch nicht, da ich bei dem Stop and Go Angst habe, dass der Diesel nicht wieder anspringt. Gesagt habe ich nur: "Sorry, i can't, it's an old car".

Die Antwort war ein wenig ironisch, aber auf Deck müssten wir ihn dann doch ausmachen.

Eben ist unsere Amorella angekommen und wird gerade entladen.

Wir müssen uns jetzt gleich um das Verladen kümmern, daher Tschüss bis Finnland

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die WASA

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Am Fährterminal

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Am Fährterminal
















20:18:48, auf der Fähre

 

Und los geht es, wir sind an Bord und die Amorella ist gestartet. Die Kabine ist toll. Das Baording mit dem Corsa war einfach, da ist es gut das der so klein ist....

 

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Eindrücke von der Amorella

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Eindrücke von der Amorella

27. August, 10:56:14, Tampere/ Finnland, Km 271696,9

 

Der Nord-östlichste Punkt unserer Reise ist soeben erreicht, Tampere. Dem Leser, der Tampere nicht kennt, sei gesagt, das Tampere die "Nokia" Stadt ist. Tampere ist auch gleichzeitig der eigentliche Ziel unserer Reise, nämlich der Studienort unserer großen Tochter, die hier ihr Auslandssemester verbringt.

Die Nacht auf der Fähre war, zumindest für meine Frau recht ungewohnt. Meine Augen fielen schon zu, als der Schiffsdiesel anfing zu Brummen.

Dafür war das Frühstück sensationell. Für nur 97 Kronen, dass sind zur Zeit 10,10€ gab es ein komplettes Büfett mit Fisch, Fleisch, Käse, Brötchen und vieles mehr. Ein Nachteil ist, dass man nur eine Stunde Zeit hat.

Das Auschecken vom Schiff war völlig easy. Ein Ausweiser hat uns aus der engen Lücke gelotst und das war es.

Finnland ist ein recht weites Land. Viele Straßen bestehen nur aus Schotter, das ist hier abseits der Hauptstraßen völlig normal. Da wir etwas vom Land sehen wollten, hatte ich meinem Navi angewiesen keine Autobahnen zu verwenden. Die Route führte uns dann auch durch Gegenden, die wir in Deutschland als Pampa bezeichnen würden. Eine Gruppe Finninnen am Straßenrand schaute uns dann auch noch lange nach, als wir winkender Weise vorbei führen.

Wer sich in Deutschland über Radarfallen aufregt, war scheinbar noch nie in Schweden und Finnland. Hier steht im Schnitt auf zehn Kilometer ein Blitzer, sogar auf Schotterpiste. Also liebe Autofahrer in Deutschland, ertragt die Blitzer wie Männer und weint nicht.

Nach einem ersten Besuch bei unserer Tochter, geht es jetzt erst einmal Essen...

 

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Eindrücke von der Amorella

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Der Corsa wird gestartet

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Die Finnische Grenze

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kurze Pause mitten in der Pampa

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deutscher und finnischer Zwilling

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Vadders und Tochtern

 

image1_265_0921:30:17, Tampere

 

Nach einem kleinen Familienessen und einem ausgedehnten Spaziergang, in der Umgebung unseres Hotels, habe ich mein Töchterlein wieder zurück zu ihrer Studentenwohnung gebracht. Auf dem Weg dorthin haben wir schon gesehen, dass die Polizei einen Autofahrer kontrolliert hat. Bloß hier nicht zu schnell fahren, ist meine Devise und bleibe immer mindestens fünf km/h unter dem Erlaubten.

Die Wohnung von meiner Tochter liegt im achten Stockwerk. Ein Hoch auf die Fahrstuhlbauer, nur dumm wenn man den nicht benutzen darf, weil vor dem Haus die Feuerwehr mit Blaulicht steht. Rauch über dem Gebäude können wir nicht entdecken und somit dürfen wir zumindest ins Haus und in die Wohnung, nur besagten Fahrstuhl dürfen wir natürlich nicht benutzen. Im fünften Stock riecht es dann auch ziemlich nach verbranntem Essen. Als ich mich wieder auf den Weg ins Hotel mache fährt auch die Feuerwehr wieder ab.

Auf dem Weg dorthin, ich fahre die besagten fünf km/h unter dem Erlaubten, ist das einem großen SUV wohl nicht schnell genug, jedenfalls fährt er ziemlich dicht auf. Es scheint so, als ob ich solche Situationen magisch anziehe. Als es zweispurig wird überholt mich der SUV so mit etwas über den erlaubten 50 km/h und hinter ihm gleich die Polizei und die Fahrt des SUV nimmt erst einmal ein jähes Ende....

Im Hotel angekommen, bekommt der kleine Diesel eine neue Wegfahrsperre und ich mein Bett. 😃 😴😴

 

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Spaziergang

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Spaziergang

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Sicherungsmaßnahmen :-)

     

 

28. August, 22:25:57, Tampere / Finnland

 

Das Wetter hat sich gedreht. Es regnet. Nicht, dass wir bei Regen nichts anzufangen wissen, aber unsere Pläne für heute können wir so nicht durchführen. Also muss ein Plan B her. Der ist auch nach kurzer Konferenz mit unserer Tochter schnell gefunden. Es geht nach Kangasala zum Mobilia Automuseum.

Auf dem Weg zu Caro, sehen wir noch eine wunderschöne Russisch-Orthodoxe Kirche, die wir kurzerhand besichtigen. Hier werden wir zum ersten Mal mit den hiesigen Preisen konfrontiert. 15 Minuten Parken kosten 80 Cent. 😬 Dafür hat uns die Kirche von innen mit ihrer Pracht entschädigt.

Die Fahrt zum Automuseum verläuft dann wie im Flug. Mir fällt auf, dass hier viele ältere Kleinwagen rumfahren. Der Corsa B gehört hier durchaus noch zum normalen Straßenbild dazu. Ansonsten fahren hier, trotz der hohen Spritpreise, einige Oldtimer Amischlitten mit V8 Motoren durch die Gegend. Ein, wie ich finde, ziemlich krasser Gegensatz.

Das Automuseum Mobilia besteht aus zwei Hallen. Die eine beherbergt die Fahrzeuge, die das Verkehrsleben auf finnischen Straßen geprägt haben. Die zweite Halle ist eine Art "Hall of Fame" des finnischen Rallye-Sport. Wir fangen mit der ersten Halle an und gleich das zweite Auto ist ein OPEL Kapitän aus dem Jahre 1965, der als sechs sitziges Taxi genutzt wurde. Mir war nicht bekannt, dass es den Kapitän mir drei Gurten vorne gab. Eine finnische Autoindustrie, wie in Deutschland oder Schweden hat es so nie gegeben. Es wurden zwar einige Transportfahrzeuge gebaut, aber auch der Zweig war relativ unbedeutend. Dafür waren bis circa 1962 nur Sowjetische Fahrzeuge frei käuflich zu erwerben. Warum hat sich mir leider noch nicht erschlossen, da die meisten Texte nur in finnischer Sprache sind. Ich vermute aber, dass dies politische Gründe hatte, da Finnland ja früher im Osten und Süden von der Sowjet Union eingerahmt war. Das nächste Highlight war dann für mich ein Moskvitsh 400 aus dem Jahre 1949. er stammt von den Produktionsbändern des 1935iger OPEL Kadett, dass die Sowjets 1947 im Rahmen der Reparationsleistungen in Rüsselsheim abgebaut haben. An den Kadett war man dort damals scheinbar schon länger interessiert, denn es gab vorher schon mehrere Versuche ihn zu kopieren. Die finnischen Präsidenten fuhren hingegen Cadillac in der höchsten Ausstattung. Wenn das Geld dafür nicht reichte, durfte es auch ein Chrysler New Yorker in der Langversion sein.

Die anderen Fahrzeuge waren nicht minder interessant und gerade die LKW stammte, wie auch immer, oft aus amerikanischer Produktion, die im Krieg mit Holzvergasern nachgerüstet wurden. Ich könnte jetzt noch Stundenlang weiter die Autos beschreiben, nur dann würde Matthias das hier heute nicht mehr bekommen ;-). Zur Rallye Halle sei gesagt, dass hier alles was im finnischen Rallye-Sport Rang und Namen hat hinter Glas steht.

Nachdem wir wieder in Tampere angekommen sind klärt das Wetter auf, und wir können doch noch auf den Observation Tower. Von dort hat man einen tollen Blick über Die Stadt und seine Seen. Außerdem gibt es hier einen original finnischen Donut. Auf dem Rückweg zum Hotel sind wir noch durch die Provastinkatu gefahren, einem Berg zwischen den beiden großen Seen mit tollen Häusern und so steilen Straßen, dass der Diesel die im ersten Gang bewältigen musste.

Die weitere Planung geht davon aus, dass es entweder Morgen oder Sonntag an die Russische Grenze geht...

 

 

image1_265_11Bilder der Russisch-Orthodoxen Kirche

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image1_265_12Opel Kapitän Taxi

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Moskvitsh 400

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Moskvitsh 400

image4_265_04Moskvitsh 400

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Chrysler New Yorker

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Chrysler New Yorker

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Cadillac Fleetwood Series 74 Limousine

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Cadillac Fleetwood Series 74 Limousine

image10_265_01Zapfsäule

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Ford AA 1929 mit Holzvergaser

image12_265_02Ford AA 1929 mit Holzvergaser

 

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Rally Halle

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image5_265_04 image6_265_05 image7_265_02

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der Observation Tower

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der Observation Tower

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finnischer Donut

 

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Aussicht vom Turm

image5_265_05Treppe vom Turm zum Strand am See

 

image6_640Auch so etwas prägt das finnische Straßenbild

 

29. August, Tampere / Finnland

 

Das heutige Abenteuer ist eher ein Suchspiel als eine Sightseeingtour. In unserem Hotel liegt eine Broschüre mit Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Tampere aus. Ein Ziel ist schnell ausgemacht. Es gibt hier einen Architekten, der zwei Grosskunstwerke geschaffen hat. Das eine ist das Erdkunstwerk Yltä ja Alta und das zweite ist das Umweltkunstwerk Puuvuori. Aber im Prospekt steht keine Adresse. Auch eine Befragung unseres Wirtes und seiner Belegschaft hilft uns nicht weiter. Selbst eine Befragung von Google ergibt drei Orte für eines der Kunstwerke, was wenig befriedigend ist. Also wird der Text genauestens studiert und so wissen wir, dass zumindest das eine Kunstwerk in der Nähe von Nokia sein soll. Das wiederum ist der vierte mögliche Ort. Die Befragung des Kartendienstes Here, der ja von Nokia ist, ergibt überhaupt kein Ergebnis, genau wie der Reiseführer von meinem Navigon. Warum bitte baut ein Finne zwei Kunstwerke und keiner kennt diese?

Mein Interesse ist schlagartig geweckt, das muss doch zu finden sein. Unsere Erfahrungen im Karten lesen von diversen Oldtimer Rallyes sollen uns diesmal von großem Nutzen sein. ;-) Ab in den Corsa und los auffe Piste. Das Navi wird mit der Adresse Härkitie in Nokia gefüttert, wo wir das Yltä ja Alta vermuten. Dort angekommen müssen wir leider feststellen, dass dort ein Einkaufszentrum steht und nicht das gewünschte Kunstwerk. Es ist also wieder detektivische Arbeit zu leisten. Ein Bewohner Nokias konnte uns dann zumindest das Gebiet auf der Karte zeigen, wo das Kunstwerk sein soll. Leider ist unsere Karte zu grob für kleinere Orte und so wird die Karte mit den Navi abgeglichen und wir haben einen Ort genannt Pinsiö, juhu. Nur trauen wir dem Ganzen noch nicht so recht, weil uns das Navi in einen Wald, runter von asphaltierter Straße schickt. Also wird an einem See erneut gefragt, aber der Weg scheint richtig zu sein. Die Frage, wie geländegängig ein normaler Opel Corsa B ist, ist damit auch geklärt. Es reicht zumindest für die finnischen Wälder und ihren Steigungen. Am Anfang der Strecke steht daher auch auf Finnisch: "Schwerbefahrbare Strecke". Nach meinem Urlaub bekommt der Kleine neuen U-Schutz, soviel ist klar. Jedenfalls geht es durch Wald und über Schotterpiste immer weiter und es gibt hier viel Gegend und wenig Häuser. Wer jetzt denkt es gibt sicher einen anderen Weg, den muss ich enttäuschen, die Straße entspricht unseren Kreisstraßen und wird durchaus rege genutzt.

In Pinsiö angekommen finden wir eine Poststation vor, die auch gleich als Laden fungiert. Hier gibt es das erste Mal echte Verständigungsprobleme. Die nette ältere Dame spricht nur Finnisch. Erst ein weiterer Kunde kann helfen. Wir sind nur 300m von Yltä ja Alta entfernt und er begleitet uns dort hin. Am Straßenrand sehen wir dann auch ein völlig unscheinbares Hinweisschild. Wenn wir nicht begleitet worden wären, wären wir daran vorbei gefahren.

Auf die Suche des Puuvuori (Baumberg) wollen wir jetzt eigentlich verzichten, zumal der in einen anderen Kreis sein soll, zumindest laut Broschüre, und außerdem haben wir Hunger.

Um ein Restaurant zu finden wird die nette Dame wieder befragt. Diesmal muss mangels englisch sprechenden Kunden das Smartphone beim übersetzen helfen. Wir erfahren, dass 10km weiter im nächsten Ort ein Restaurant sein soll und fahren hin. Finden tun wir eine Bar, in der es aber kein Essen gibt. Etwas gefrustet entschließen wir uns nach Nokia zu fahren, als ich plötzlich am Straßenrand ein Hinweisschild sehe, auf dem Puuvuori steht. Somit haben wir auch den Baumberg gefunden, kein 5km von dem ersten Kunstwerk entfernt.

Nach der Besteigung des Berges haben wir dann auch endlich in Nokia ein nettes kleines Restaurant mit Namen "Pepper" gefunden.

Damit geht der Samstag zu Ende und wir planen noch unsere Fahrt nach Laamiaa, dem östlichsten Ausflugsziel an der Russischen Grenze....

 

 

 

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"Kreisstraße"

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"Kreisstraße"

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Postamt

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Yltä ja Alta (von oben und unten)

 

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Yltä ja Alta (von oben und unten)

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Yltä ja Alta (von oben und unten)

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Puuvuori (Baumberg 10600 Kiefern)

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Puuvuori (Baumberg 10600 Kiefern)

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Weg nach Nokia

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Endlich etwas zu Essen

 

 

30. August, 20:36:09, Tampere / Finnland

 

Zu einer verrückten Reise gehören natürlich auch noch verrücktere Ausflüge. So einen machen wir gerade. Da wir ja schon nicht über Sankt Petersburg fahren, wollte ich auf jeden Fall mal an die Russische Grenze und gucken, ob einer guckt. Von Tampere sind es bis Vaalimaa, einem der Grenzorte, 285km. Normalerweise, wenn nicht die Hauptstraße gesperrt wäre.😳😬

Das ist ungefähr so, als ob man in Kamen auf die Idee kommt nach Cuxhaven zu fahren, um ein Fischbrötchen zu essen. Nur, dass es hier keine Autobahn gibt und die letzten 80km die Bundesstraße gesperrt ist.

image1_1_265Wir starten um 8:00 morgens und sind guter Dinge um 11:30 in Vaalimaa zu sein. Schon nach kurzer Zeit schiebt sich die Ankunftszeit immer weiter nach hinten, weil wir nicht so schnell Vorwärts kommen. Egal, die Landschaft ist ja wunderschön. Dann der Gau, unser Navi meldet die gesperrte Straße und die Ankunftszeit wandert gen 13:00 Uhr. Auch egal, wir sind schon zu weit um abzubrechen. Die Umleitung führt uns nördlich durch ein Gebiet, das an landschaftlicher Schönheit kaum zu überbieten ist. Die Straßenführung ist ein Eldorado für Motorradfahrer, denn sie schlängelt sich durch die sanft hügelige Landschaft. Man darf hier 80km/h fahren, zumindest theoretisch, denn das ist mir bei den Kurven auf der knapp vier Meter breiten Straße denn doch zuviel. Außerdem wollen wir ja etwas sehen. "Gut, dass die Straße wenigsten asphaltiert ist." sagt meine Frau, doch die Freude währt nicht lange. Die letzten circa 50 km ist eine mit Schlaglöchern übersäte Schotterpiste. 😬

Den Rütteltest hat der Corsa definitiv überstanden, auch wenn die Stoßdämpfer schon älter sind. Kurz vor dem Grenzübergang fahren wir durch die Umleitung ein Stück parallel zur Grenze durch den Wald. Der Feldweg ist mittlerweile einspurig geworden und und ich komme mir vor, wie einst die Brixmis mit ihrem Allrad Senator an der Innerdeutschen Grenze. Wir haben das Gefühl, dass jederzeit entweder ein Elch oder ein Russischer Soldat mit einer Kalaschnikow vor uns steht.

Der eigentliche Grenzübergang ist dann relativ unspektakulär. Wir sehen, wie ein Mercedes Sprinter gerade gefilzt wird, so mit Spiegel unterm Auto und Motorrauminspizierung. Hier ist für uns Schluss, da wir ja kein Visum beantragt haben, aber spannend war es auch bis hier.image2._2jpg_265

Nur, was machen wir jetzt? Es ist mittlerweile 14:10 und der Corsa hat jetzt 272232,5 km auf dem Tacho, das sind seit Start fast 2000 km. Fest steht nur, den gleichen Weg fahren wir nicht zurück. Von der Grenze aus sieht die Hauptstraße auch gar nicht so gesperrt aus, also versuchen wir darüber nach Kotka zu kommen. Nach circa sieben Kilometern ist das allerdings vorbei. Wir bekommen noch auf einer Hinweistafel zu sehen, dass hier die EU das Straßenprojekt mit finanziert und verlassen die Hauptstraße, diesmal in Richtung Süden zur Ostsee. Diesmal landen wir auf den Spuren einer uralten Handelsstraße von Turku nach Vyborg in Russland, die im Jahre 1293 das erste Mal erwähnt wird. An einem Ausläufer der Ostseeschären halten wir an, um unsere Füße ein wenig an einem alten Steg ins Wasser zu halten. Ich möchte diese Tour trotz der langen Fahrzeit nicht missen, alleine die Fahrt über diese alte Route ist sehr schön. Auch wenn einige Sportwagenfahrer die Nase rümpfen werden, aber der kleine Corsa giert förmlich nach den Kurven, Bergkuppen und Tälern. Wie hieß es einst bei Opel: "Nur fliegen ist schöner". Das mache ich dann aber lieber doch nicht, ich habe ja noch zwei Mitfahrer, auf die ich sehr gerne Rücksicht nehme. 😃

Ach ja der Km Stand ist 271916,6 nach dem heutigen Tag.

 


image3_265_15Hier geht's ins Grenzgebiet und wir fahren bewusst nicht die Hauptstraße

image5_265_08Die Grenze, hier dürfen wir nicht weiter

image6_265_08Die letzte Tanke vor Russland

image7_265_05Das Café in Ravijoki

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Der Blaubeerkuchen ist extrem lecker

image9_265_06Auf dem Steg

image11_265_07Die alte Handelsstraße

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Die alte Handelsstraße

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Im Hafen von Pappilansaaret

 


 

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Impressionen aus Tampere

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31. August, 16:18:23, Tampere / Finnland

 

Heute hat der Corsa mal einen Tag Pause, was technisch gesehen kein Problem darstellt, denn auch das Multimedia System schaltet sich komischer Weise wieder ordnungsgemäß ab. Somit ist eine leere Batterie nicht zu befürchten.

Es gibt Leute, die behaupten, man müsse mir den Opelsitz unterm Hintern wegoperieren. Das ist wohl etwas übertrieben, zumal auch bei mir die Einsicht gereift ist, dass es hier in Tampere keinen Sinn macht mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Abgesehen vom Stopp and Go sind die Parkpreise hier mit 3,20€ pro Stunde exorbitant hoch, wie ich finde. Die Idee, das Auto im Kreisel weiter fahren zu lassen, ist auch nicht wirklich zielführend. Also geht es auf Schusters Rappen in die Altstadt. Zuerst sollte das Lenin Museum dran sein. Zu unserer großen Enttäuschung hat dies jedoch seit gestern bis 2016 geschlossen. Eine Konsulatsmitarbeiterin gibt uns den guten Rat kommendes Jahr wieder zu kommen.

Nun gut, dann besichtigen wir halt eine Kirche und gehen dann in die alte Markthalle, wo auch heute noch das Leben pulsiert. Alleine die Gerüche der verschiedenen angebotenen Waren, wie Gebäck, Obst, Fisch und Gewürze, hat seinen ganz besonderen Reiz. Zwischendrin gibt es immer wieder eine Art Bistro, wo man Essen und Trinken kann. Wir entschließen uns in ein vegetarisches Restaurant & Café zu gehen und dort eine Kleinigkeit zu essen. Danach geht es ins Spionagemuseum, dass so geheim ist, dass wir es nicht finden. Mehr durch Zufall entdecken wir eine Touristeninformation. Wir also nichts wie rein da, aber dass wir eine Nummer ziehen müssen um eine Information zu bekommen, obwohl oder vielleicht deshalb, auch wenn der ganze Laden leer ist und alle sieben Schalter besetzt sind, ist neu für uns. Dank der Hilfe der netten Dame ist das Museum dann auch schnell gefunden. Es gibt Weltweit nur fünf solcher Museen. In dreien waren wir schon mit dem Corsa. Berlin, Milton Keynes und jetzt Tampere. Die anderen beiden sind in New York und Moskau. Ersteres wir wohl etwas schwer mit dem Corsa. Als letztes schauen wir uns noch den Tampere Dom an, dann geht es zurück ins Hotel. Auf dem Weg dorthin verirren wir uns in eine kleine Designausstellung.

Mit dem Hotel haben wir dieses Mal leider weniger Glück. Wir wussten zwar, dass es in einem Industriegebiet liegt und ziemlich indisch plüschig ausgestattet ist, aber dass nach drei Tagen noch nicht das Zimmer gereinigt wurde stimmt uns dann doch etwas missmutig.

Morgen wird dann hoffentlich der Tag der Museen. Unter anderem geht es ins Polizeimuseum.

 

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Impressionen aus Tampere

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01. September, Tampere / Finnland

 

Heute ist schon Dienstag, der Tag an dem es Abschied nehmen heißt. Denn Carolin muss Morgen den ganzen Tag studieren und am Donnerstag müssen wir um 07:00 starten.

Morgens ist unsere Tochter noch an der Uni, daher gehen wir, wieder mal zu Fuß, in die Stadt. Es soll hier in Tampere ein recht gutes Arbeitermuseum geben. Nur finden wir es? Das suchen nach Attraktionen und Museen zieht sich hier in Finnland wie ein roter Faden durch den Aufenthalt in Finnland. So ist es auch diesmal. Den Gebäudekomplex finden wir zwar recht schnell, weil dort auch das Spionagemuseum beheimatet ist. Nur ist dieser Gebäudekomplex sehr groß und verwinkelt. Mit der Agenda am Fahrstuhl kommen wir nicht weiter, also versuchen wir uns durch zu fragen. Das erste 'Opfer' ist eine junge Kellnerin aus einer Bar. Die schüttelt den Kopf und fragt ihren Kollegin. Aber auch da ernten wir eher ein Achselzucken. Das Arbeitermuseum ist den Beiden unbekannt. Also versuchen wir es auf der anderen Seite des Gebäudes und finden zumindest ein Plakat vom Museum, aber keinen Eingang dorthin. Wir wissen jetzt aber, dass wir fast am Ziel sind und fragen eine Konditorin. Die scheint uns aber nicht wirklich zu verstehen und verweist uns auf ihre Kollegin, die uns dann auch endlich die

zielführende Auskunft geben kann. Wir müssen durch das gegenüber liegende Restaurant durch gehen, dort soll und ist dann auch der Eingang. Was uns wundert ist, dass in Tampere viele Museen gratis sind und nur auf Spendenbasis arbeiten. So auch das Arbeitermuseum, dass die Geschichte der Arbeiter in Tampere und dem restlichen Finnland beschreibt, sogar auf Englisch. Die Ausstellung ist super gemacht und auf jeden Fall einen Besuch wert. Tampere hatte vor Nokia eine Papier- und Textilindustrie. Wir wundern uns nur, warum das Museum so leer ist. Vielleicht finden es andere Touristen genauso schlecht wie wir und geben schneller auf. Dafür finden wir ein weiteres angegliedertes Museum, dass eine der letzten Sulzer Dampfmaschine zeigt, die hier in Tampere lief. Dies ist dann auch das einzige Thema, aber auch das ist gut aufgearbeitet. Nach dem Mittag treffen wir uns zum vorerst letzten Mal mit unserer Tochter und gehen zusammen ins Polizeimuseum. Auch dieses ist gratis und wie sollte es anders sein führt unser Navi uns erst einmal in die Irre. Aber da wir da schon einige Male dran vorbei gefahren sind, finden wir es dennoch recht schnell. Schade eigentlich, dass nicht einmal ein Viertel in Finnisch und Englisch beschrieben ist. Die Ausstellung scheint sehr spannend, aber verstehen tun wir nichts. Nur soviel, dass sich bei der finnischen Polizei fast alles um Tempo- und Alkoholsünder geht. Finnland ist wirklich ein sehr schönes und auch ehrliches Land. Nach einem guten Essen in der alten Markthalle von Tampere ist es nun Zeit Abschied zu nehmen, bye bye liebe Carolin....

Morgen, am Mittwoch liegt für uns noch ein wenig faulenzen an um uns für Donnerstag auszuruhen, dann geht es nach Pärnu in Estland. So werde ich Morgen wohl mal einen Tag Blog-Pause einlegen...

 

 

 

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Auf dem Weg in die Stadt

 

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Ein E-Kadett ohne Rost

image3_265_16Im Arbeitermuseum...

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Die Sulzer Dampfmaschine

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Fliehkraftregelung

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Der Startermotor

image9_265_07

auch so etwas gibt es in Tampere

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Polizeimuseum...

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...

image12_265_05Beim Weg ins Hotel

 

 

 

image13_265_02im Restaurant vor einer Photowand ;-) 

 

03. September, Pärnu / Estland

 

 

 

 

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Heute Abend gibt es nur einen kurzen Bericht. Was wir in Tallinn alles erlebt haben, berichte ich aus Nida, denn ich bin müde.

Eigentlich wollen wir erst um 5:50 Uhr aufstehen, aber ich konnte seit 3:25 Uhr nicht mehr schlafen.

Auch der letzte Akt in Finnland war wieder nach dem Motto: "ich weiß was, aber ich sag's Dir nicht und finden tust Du das schon gar nicht". Wie sollte es auch anders sein, in der eMail von Viking Line stand zwar der Name des Schiffes, aber nicht das Terminal. Um das zu erfahren habe ich erst einmal bei der Viking Hotline anrufen müssen. Auch dann noch bedarf es einiger Fragerei um das Terminal zu finden. Wir erreichen unser Checkin bei 272759,4 km um 10:09. und im strömenden Regen. Es scheint so, als ob Finnland weinen würde, weil wir es verlassen.

Um 12:30 kommen wir denn bei bestem Wetter in Tallinn an. Tallinn ist die Hauptstadt von Estland und hat eine sehr schöne Altstadt. Über die Altstadt werde ich von Nida aus nochmals berichten. Unser eigentliches Ziel durch den Nationalpark zu fahren können wir jetzt natürlich nicht mehr durchführen, dazu waren wir zu lange in der Altstadt von Tallinn. Aber ein kleines Stück von circa 60 km fahren wir dann doch über das Land. Wir kommen durch Gegenden, wo zwar schon einige neue Häuser stehen, aber auch noch sehr viel zerfallen ist. Wir können uns der Betrieb einer Kolchose lebhaft vorstellen. Es ist ein bisschen wie nach der Wende in Deutschland. Das ländliche Estland ist so einsam, dass man hier auf keinem Fall liegen bleiben sollte. Trotz des hohen Alters von klein Corsa und der hohen Laufleistung, habe ich zu keinem Zeitpunkt Angst liegen zu bleiben. Das Diesel Maschinchen nagelt munter vor sich hin und auch ein Ölverbrauch ist kaum festzustellen. Gegen 19:00 Uhr kommen wir dann in Pärnu in unserem neuen Hotel an. Wenn ich rein nach dem Äußeren gegangen wäre, hätte ich meinen Motor vermutlich nicht vor dieser Tür ausgemacht. Von Innen jedoch gleich die erste Überraschung: die Dame an der Rezeption ist echt ein kleiner Engel. Sie erklärt uns alles und bemüht sich wirklich um uns. Dass der Spabereich nicht, wie im Prospekt beschrieben, um 17:00, sondern bis 22:00 geöffnet ist, erfreut meine Holde am meisten. Ich aber bin hungrig und müde. Auch da weiß die nette Rezeptionistin eine Lösung. Sie hat wohl schon gemerkt, dass uns nicht der Sinn nach Alkohol und russischen Volksliedern steht. In unserem Hotel sind im Laufe des Nachmittags drei Busse voller älterer Busreisende angekommen, die nichts Besseres zu tun haben als sich zu betrinken. Dies muss wohl ein Tribut an den teuren Alkohol in Finnland sein. Ein älterer Herr ist mir dann auch sogleich vor die Füße gefallen. Wir haben nur schnell unser Zimmer bezogen und uns dann auf in den Hafen gemacht, um dort im Yachtclub, eine Kleinigkeit zu essen.

Alles in allem ist Estland ein wunderschönes Land, dass immer eine Reise wert ist. Gern würden wir hier in Pärnu etwas mehr Zeit verbringen, aber morgen spätestens um 9:00 Uhr geht unsere Reise weiter. Dann werden wir an der Ostseeküste entlang Richtung Riga fahren. Unser morgiges Ziel ist dann Kleipeda.

Ich war beim Auspacken des Corsa so müde, dass ich den Kilometerstand heute Abend schuldig bleiben muss. In diesem Sinne wünsche ich Allen eine gute Nacht.…

Ach ja, eines ist vielleicht noch erwähnenswert, der Liter Diesel kostet hier 0,921€.

 

UPDATE:

Der Kilometerstand ist jetzt 272904,0.

Damit sind wir jetzt seit 2.642,9km unterwegs. :-)

  

20150908_11_59_19start_265der Lettische Ostseestrand


04.September,  von Estland über Lettland nach Litauen

 

Nach einem "Self Service Breakfast", ja, so etwas gibt es  in Estland sogar in guten Hotels, sind wir gegen 8:00 Uhr gestartet. Ortsausgang Pärnu habe ich dann noch mal Diesel gebunkert. Eigentlich wäre dies noch nicht nötig gewesen, aber der Preis von 0,929 € war so günstig, dass ich einfach tanken musste.
Die heutige Strecke führt uns vorbei an schönen Ostsee Stränden und großen Waldgebieten. Schon nach kurzer Zeit übertreten, besser überfahren, wir die Grenze von Estland nach Lettland. Obwohl Lettland für uns eigentlich nur ein Transitland ist, machen wir dann doch an einem Stück Ostseestrand Rast und wundern uns zunächst über die vielen Nationalitäten auf dem Parkplatz. Mit uns sind da Frankreich, Polen, Deutschland, Litauen, Lettland und Estland, was wir nach dem Aussteigen auch gut verstehen können. Wir sind gut in der Zeit, daher entschließen wir uns kurzfristig in Riga einzukehren. Für Riga haben wir genau 1 1/2 Stunden Zeit, dann läuft unser Parktiket ab.
Ich werde Riga, genau wie Tallinn von Nida aus beschreiben, da die Zeit ziemlich fortgeschritten ist. Keine 70 km nach Riga überqueren wir erneut die Grenze, diesmal nach Litauen. Hier stehen die alten Grenzanlagen noch und es bedarf nicht viel Phantasie, sich in die Zeit der Sowjetrepubliken zurück zu versetzen, zumal die Straße ab hier eine reine Katastrophe ist. Eine Baustelle nach der anderen, mit langen Ampelphasen und zwischendurch nahezu offenes Gelände. Litauen ist Stolz darauf, als erster Staat im Baltikum, von den Sowjets, unabhängig geworden zu sein, hat aber erst seit Anfang des Jahres 2015 den Euro. Bei Estland und Lettland ist die Euroeinführung schon etwas länger her. Durch die Baustellen kommen wir dann auch erst um 16:45 Uhr bei der Sehenswürdigkeit "Der Berg der Kreuze" an. Ein, wie ich finde, absolutes Muss, für jeden, der nach Litauen kommt. Der Berg ist ein flacher Hügel, der über und über mit Kreuzen bedeckt ist. Das muss in die zehntausende gehen und ist äußerst Imposant und prägend. Die Geschichte hierzu ist, dass die katholisch geprägten Litauer hier für Ihre, im Krieg gefallenen, Mitbürger  Kreuze aufgestellt haben. Nur gefiel das den Sowjets so gar nicht und ließen den Berg mehrfach räumen, anbrennen oder anderweitig zerstören. Doch die Litauer haben jedesmal neue Kreuze aufgestellt und so wurden es immer mehr. Heute ist dies eine Pilgerstätte, die auch ein Stückweit betroffen macht und steht auch für die Unabhängigkeitsbestrebungen des Litauischen Volkes. Der Berg hat uns deutlich mehr Zeit gekostet, als eingeplant, daher müssen wir uns etwas beeilen um zu unserem nächsten Hotel zu kommen. Das hindert mich aber nicht daran einen Umweg über Palanga zu machen. Dort haben wir dann auch eine Begegnung, von der ich erst aus Polen berichten möchte.
Das Hotel erreichen wir gegen 19:30 beim Kilometerstand von 273391,2. Das sind seit Wiegersen 3.129,7 Kilometer und damit haben wir über die Hälfte der Strecke geschafft. Unser heutiges Pensum waren 487,2 Kilometer über Land und Kreisstraßen mit Max. 90 km/h.
Leider hat es beim Essen heute Abend angefangen zu regnen. Dafür hat das Essen entschädigt. Wo bekommt man 2 1/2 Gänge mit Getränken, in toller Atmosphäre, für unter 20€.....

 

 

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Man glaubt es kaum, das sind Preise, wie zur Produktionszeit des Corsa B

 

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Riga

 

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ein klitze kleiner Teil des "Berg der Kreuze" die wahren Ausmaße sind auf Fotos nicht zu bannen

 

20150908_12_26_09spam__rudo__05.09.2015__nachricht_html_265Auf der Fähre

20150908_12_26_25program_manager_265Unser neues Domizil, mit Blick auf das Haff

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Auf Regen folgt Sonnenschein, Blick über das Haff in Richtung Klaipeda

05. September, Litauen


heute ist der erste Tag, an dem wir mal etwas länger schlafen können. Die heutige Etappe ist die kürzeste der ganzen Reise und ist circa 60km lang.
Vorher wachen wir jedoch auf, weil wir ein merkwürdiges Knallen hören, gepaart von kurzen lauten Rufen. Zunächst dachte ich wie der berühmte Werner-Comic Klempner: "Eckhard, ich glaub die Russen sind da."
Nach dem ich die Augen aufgeschlagen und aus dem Fenster geschaut habe, erkenne ich auch den Grund für den Lärm. Nebenan ist eine Kaserne und der Spieß brüllt die Rekruten an. Die wiederum schütteln lautstark ihre Betten aus.
Nun also runter zum Frühstück und den Corsa bepacken. Ein erneuter Check der Flüssigkeiten zeigt kaum Ölverbrauch und gar kein Kühlwasserverlust: so soll es sein.
Wir fahren erst einmal nach Klaipeda rein um uns die Altstadt anzusehen. Die 'Reiferen' unter uns Opelanern werden noch wissen, dass Klaipeda ganz früher Memel hieß und die älteste Stadt Ostpreußens war. Die Litauer sind sehr hilfsbereit und nett und das ist es, was zählt.
Schon gestern ist mir aufgefallen, dass hier extrem viele Zafira A herum fahren, sogar noch im stressigen Taxi-Betrieb. Nach einem guten und sehr günstigen Mittagessen geht es für uns wieder auf eine Fähre. Diese braucht circa 8 Minuten zum Übersetzen. Wir verlassen Klaipeda für einige Tage und fahren auf die Kurische Nehrung, einem UNESCO Weltnaturerbe. Die Nehrung ist der einzige Bereich in Litauen, der Maut kostet. Aber wir haben Glück, seit dem 20.08. sind es nur noch 5,00 € statt 10,00 €. Die Nehrung ist eine Halbinsel, die südlich über die Enklave Kaliningrad am Festland angebunden ist. Aber Kaliningrad, früher Königsberg, gehört heute zu Russland.
Durch die Visaproblematik ist dies also keine wirkliche Alternative.
Unser nächstes Hotel ist in Nida, einem kleinen Ort mitten in dem Naturschutzgebiet, circa 500 Meter von der schon erwähnten Russischen Grenze entfernt. Wir haben also Russland nicht nur im Osten Finnlands gesehen, sondern jetzt auch im Südwesten Litauens.
Der Schriftsteller Thomas Mann, hier 'Thomo Manno' genannt, hatte hier in Nida ein Haus, welches mittlerweile ein Museum ist und von uns in den nächsten Tagen besucht wird. Thomas Mann hat unter anderem die "Die Buddenbrooks" geschrieben.
An unserem Hotel angekommen hat der Corsa jetzt 273443,5 Kilometer auf dem Tacho und wir haben jetzt, von der Umrundung der Ostsee, zeitlich gesehen 2/3 geschafft.

 

  20150908_12_27_11spam__rudo__05.09.2015__nachricht_html_800Sonnenuntergang im Osten, Blick Richtung Russland

06. September, Litauenimage1_265_21

 

Heute war es tatsächlich mal möglich auszuschlafen. Die Sonne ist wunderschön über dem Haff aufgegangen, nur war ich noch zu müde um Bilder zu machen.

Nach kurzer Überlegung ist heute die Überquerung der Halbinsel zur Ostsee angesagt, aber nicht in artgerechter Bewegung, sondern per Pedes. Vom Hotel sind es zur Ostsee circa 2000 Meter, breiter ist das Land hier nicht. Am Strand angekommen, sind wir einmal mehr von der Schönheit der Region überwältigt. Wer glaubt an der Ostsee gibt es keine Wellen, der schaue sich bitte die Bilder an. Wir haben an der Nordsee schon ruhigere See erlebt. Trotzdem gehen hier Gäste Baden, bei 16 Grad Wassertemperatur. 😳. Auf dem schönen weißen Sandstrand wenden wir uns gen Süden, nach Russland, das ja nicht so sehr weit entfernt ist. Allerdings nicht ohne vorher auf einer der Holzliegen einen Kaffee zu schlürfen. Die Grenze ist hier nicht sonderlich gesichert. Ein paar Fahnen, ein paar Büsche und Hinweisschilder. Werden die nicht beachtet, schaut man sehr schnell in die Mündung einer Kalaschnikow, dessen grimmig drein schauendem Träger zum Kaffeeklatsch bittet, allerdings ohne Kaffee und Kucke, sondern in Handschellen, so meine Vermutung.

Wir aber biegen rechtzeitig wieder Richtung Haff und Nida ab, um in dort noch einen Kaffee zu trinken. Mein Kaffeekonsum ist hier sehr hoch.

Mittlerweile ist die Sonne hinter den Wolken verschwunden und wir können uns vorstellen, warum die Generation meiner Großmutter von der "kalten Heimat" gesprochen hat, denn es wird richtig kalt. Also genug gelaufen und ab ins Hotel...

 

 

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Der Berg im Hintergrund gehört zu Kaliningrad (Königsberg)

 

 

 

image3_265_17Der heutige Grenzverlauf mit Sperrzone

image4_265_09Ein schon restauriertes Haus in Nida am Haff

 

06.September, Tallin und Riga

 

Auf unser Reise um die Ostsee waren wir jetzt in fünf Hauptstädten. Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Tallinn und Riga.

Während die drei ersten Hauptstädte bei vielen bekannt sein dürften, sind Tallinn und Riga, zumindest war das bei uns so, noch ein bisschen die unbekannten Perlen aus dem Osten. Daher haben wir Kopenhagen und Helsinki nur durchfahren und von Stockholm haben wir ja bereits ausführlich berichtet. Hier also nun der versprochene Bericht über Tallinn und Riga.

Tallinn lag auf unser Route, da wir dort mit der Fähre aus  Helsinki angekommen waren. Schon auf der Fähre reifte der Entschluss, etwas Zeit in Tallinn zu verbringen, wenn man schon mal dort ist. Also nahmen wir uns zwei Stunden Zeit, um zumindest die Altstadt anzusehen. Dank eines sehr guten Tipps der Information auf der Fähre fanden wir einen bewachten Parkplatz direkt vor einem der Tore in die Altstadt, für gerade mal zwei Euro. Die Stadt kann ihre Zeit unter sozialistischer Herrschaft noch nicht verleugnen. Zwar sind schon viele Gebäude restauriert, es gibt aber noch einige Bauwerke, die noch ziemlich verfallen sind. Trotzdem ist die Altstadt von Tallinn jetzt schon eine Perle der Architektur. Es gibt viele hübsche Kirchen, Botschaften, Cafés und Restaurants. Wir hatten uns für ein russisches Restaurant entschieden, vermutlich hatte uns das Unbekannte gereizte. Das Essen war nicht super billig, aber auch nicht teuer. Dafür war es sehr gut, auch wenn die hübsche Kellnerin in russischer Tracht nicht richtig rechnen konnte. Auf unserem Rundgang durch Tallinn konnten wir danach viele tolle Eindrücke gewinnen, die man nicht wirklich in Worte fassen kann. Sehr auffällig war die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Einheimischen. Wann immer wir jemanden gefragt haben, hat man uns versucht zu helfen. Das Leben auf den Straßen und in den Cafés pulsiert und gibt der Stadt irgendwie eine positive Dynamik, die ansteckt. Die zwei Stunden haben wir dann auch komplett ausgenutzt und wurden von unserem grinsenden Parkwächter schon erwartet....

Riga hingegen lag nicht wirklich direkt auf unserem Weg, zumindest wäre es ökonomischer gewesen, Riga zu umfahren. Aber an der Hauptstadt eines Landes, wo man nicht so schnell wieder hinkommt, einfach so vorbei zu fahren? Das fanden wir auch irgendwie nicht gut, außerdem waren wir gut in der Zeit. Der Weg rein in die Stadt war einfacher als gedacht. Meine bessere Hälfte hatte eine Straße in der Altstadt rausgesucht, mit der ich dann ins Navi gefüttert hatte. Auch die Parkplatzsuche war relativ einfach. Mein kleines Auto war in der Parklücke kam zu erkennen, bei den riesigen SUVs drumrum. Nach kurzer Orientierung fanden wir uns fast direkt in der Altstadt wieder. Da es Mittag war und wir Hunger hatten, setzten wir uns gleich in ein Straßenrestaurant gegenüber vom Rigarer Dom um etwas zu essen. Auch in Lettland haben wir mit den Landsleuten die gleichen Erfahrungen gemacht wie zuvor in Estland. Nach dem Essen wurde die Altstadt unsicher gemacht. Hier sind die Renovierungsarbeiten zwar schon weiter fortgeschritten, jedoch hat man in Lettland auch schon erkannt, dass man für bestimmte Gebäude Eintritt nehmen kann. War beispielsweise die Kirche in Tallinn kostenlos, nur der Turm sollte einen bescheidenen Euro kosten, so kostet der Dom in Riga schon drei Euro, trotz Bauarbeiten, und die Petri Kirche gar stolze neun Euro. Wir hatten auch ohne diese Besichtigungen unseren Spaß und haben in den 1 1/2 Stunden, die uns zur Verfügung standen sehr viel gesehen. Riga ist ein bisschen wie Berlin, zumindest was die Baustellen angeht. Zumindest wurde an sehr vielen Stellen bebaut als wir da waren und das teilweise fertige Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Alles in Allem lohnt sich der Besuch beider Städte sehr und wir hätten uns geärgert, wenn wir sie nicht besucht hätten. Nur sollte man pro Stadt mindestens drei bis vier Tage einplanen um wirklich alles zu sehen, aber das ist bei so einer Reise, wie wir sie jetzt machen, einfach zeitlich nicht drin.

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Tallinn...

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Riga...

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...

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...

 

07.September, Nidden

 

Heute möchte ich mit einen Zitat beginnen:

"Welchen Eindruck Nidden, seine unglaubwürdige Dünenlandschaft, seine herrlichen Wälder, sein wildes Meer, die Idyllik seines Haffstrandes auf mich gemacht, das habe ich pantomimisch angedeutet, indem ich mir ein Sommerhäuschen dort errichtete, wo ich fortan mit meinen Schulpflichten die großen Ferien verbringen will. Was will ich noch Worte machen? Es wäre überhaupt nicht klug, das zu tun, und ohnehin fürchte ich mein Beispiel. Nidden ist wunderschön, aber reden wir nicht zu laut davon, damit nicht die Welt es entdecke und sich mit der ihr eigenen lächerlichen Sehsucht auf seinen Frieden Stürze, um ihn zu zerstören."

Der Text stammt von Thomas Mann, dem deutschen Schriftsteller, der auch "Die Buddenbrooks" geschrieben hat. Thomas Mann hatte hier in Nida (Nidden) ein Ferienhaus, das er nur drei Jahre nutzen konnte, bevor er von den Nazis ausgebürgert wurde.

Schöner hätte ich Nida auch nicht beschreiben können, wenngleich auch hier noch viele sowjetische Relikte, in Form von verfallenen Häusern stehen. Das Wetter ist toll und so haben wir uns in den kleinen Corsa gesetzt, um noch Bereiche um Nida zu erkunden, die mir per Pedes zu weit sind. Unser erstes Ziel war gleich die Sanddüne von Nida, in Richtung Russischer Grenze. Diese liegt etwas außerhalb von Nida und es führt ein gut ausgebauter, aber steiler Weg dorthin. Oben angekommen, war bereits der erste Bus mit Deutschen Touristen da. Als diese Gruppe geht, kommen die nächsten. So geht das Schlag auf Schlag. Wir dürfen dort eine Stunde Parken und ziehen los. Die Düne ist die zweitgrößte Düne Europas, nur befinden sie sich Teils in Litauen und Teils im "Niemandsland" vor Russland. Von der Düne kann man die Grenzzäune gut sehen, aber zum hinlaufen ist es für die eine Stunde, die wir hier parken dürfen, zu beschwerlich, weil der Sand der Düne einem jeden Schritt zweimal gehen lässt. Wir gehen zwar den Hang ein Stück runter, merken aber selbst wie beschwerlich das Laufen im Sand ist. Auch mit relativ wenig Phantasie kann man sich vorstellen, das ein Grenzübertritt, ohne Erlaubnis, hier quasi unmöglich ist, auch weil es in den Wäldern an der Grenze von Grenzsoldaten wimmelt. Auf dem höchsten Punkt der Düne ist eine Sonnenuhr nach historischem Vorbild erbaut worden. Es ist erstaunlich, wie genau so eine Uhr läuft, aber zu welchem Zweck die dort errichtet wurde entzieht habe ich leider nicht wirklich verstanden, weil der Text für mich nicht lesbar war.

Unser nächstes Ziel ist der Grenzübergang selbst. Dazu fahren wir wieder zur Hauptstraße und biegen in Richtung Süden ab. Kaliningrad (Königsberg) ist von hier noch 86 km entfernt, die Grenze aber nur circa 1400 Meter. Es ist schon spannend in Europa auf eine Grenze zweier Staaten mit "Niemandsland" dazwischen zu stoßen. In Deutschland ist so eine Grenze ja glücklicherweise seit über 25 Jahren verschwunden. Die Fahrt durch das "Niemandsland" zur Grenze ist zwar relativ unspektakulär, jedoch wundern wir uns, dass vorhandene Waldwege ins "Niemandsland" einfach mit ein bisschen Flatterband und einigen Schildern gesichert sind. An der Grenze selbst ist leider ein Fotografierverbot, somit kann ich leider nur den Kilometerstand von 273449,2 dokumentieren.

Von der Grenze aus fahren wir wieder gen Norden, an Nida vorbei. Ziel ist die höchste Erhebung der Kurischen Nehrung. Nach kurzer Fahrzeit ist der Parkplatz erreicht und es geht, natürlich wieder zu Fuß, den 'Berg' hinauf. Witziger Weise ist die "Vecekrugo Dune", mit 67,2 Metern über dem Meeresspiegel fast so hoch wie der Litberg, die höchste Erhebung in unserem Landkreis, mit 69 Metern. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick über große Teile der Halbinsel und bis nach Russland rein. Pinien ähnliche Kiefern und Birken wechseln sich mit sandigen Dünen ab. Auf der einen Seite die weite, salzige und teils raue Ostsee, auf der Anderen das ruhige Süßwasser-Haff. Durchschnitten wird das Ensemble von der Straße von Klaipeda bis Kaliningrad. Bei genauerer Betrachtung erkennt man schachbrettartig angelegte Waldwege, wozu die dienen oder dienten, möchte ich, glaube ich, nicht wirklich wissen.

20150908_13_16_38start_265Bevor es zurück zum Hotel und ins Thomas-Mann-Haus (Bild links) geht, durchfahren wir noch zwei kleinere Orte namens Preila und Pervalka. Während Preila ein kleiner und ruhiger Ort mit schon vielen hübschen und renovierten Häusern ist, lässt sich in Pervalka noch der geballte sowjetische Baustil erkennen. Dieser Ort ist leider einfach nicht so schön und vieles ist verfallen. Das Thomas-Mann-Haus birgt jetzt ein sehr interessantes Museum, dass der Besucher der Kurischen Nehrung nicht verpassen sollte. Die Exponate sind drei Sprachen beschrieben, Litauisch, Russisch und Deitsch.

Schon seit ein paar Tagen ist uns eines aufgefallen: Man spricht Deutsch. Viele Speisekarten sind in vier Sprachen, Litauisch, Russisch, Deutsch und Englisch. Viele Deutsche kommen hierher in den Urlaub, einige auch um zu sehen, wo ihre Vorfahren gelebt haben. Einige Litauer auf der Nehrung und in der Region Klaipeda haben deutsche Wurzeln, aber man ist stolz darauf Litauer zu sein. Die Geschichte des letzten Jahrhunderts ist hier allgegenwärtig. So auch in unserer Pension. Wir wurden auf Deutsch begrüßt und auch die Kinder sprechen Deutsch. Unsere Unterkunft ist urgemütlich und auch irgendwie Deutsch. Beim Bezahlen der Rechnung kommen wir mit dem Sohn über unsere Tour ins Gespräch. Er hatte die Aufkleber auf dem Corsa gesehen. Im Gespräch erzählt er uns, das alle Autos hier Namen haben und zwar von Typ zu Typ verschieden. Ein 5er BMW aus den frühen 90ern heißt beispielsweise "Walfisch" und ein Audi 100 der gleichen Zeit ist ein "Obdachloser". Nach der Abspaltung Litauens waren Autos hier sehr teuer und so wurden teilweise sechs bis sieben Jahre alte Autos gegen Häuser getauscht...

Nach dieser Tour haben wir jetzt 273499,0 Kilometer auf dem Tacho.

 
   

 

 

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An der Memel

 

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In Kaunas am Hotel

 

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Ein 'Trolly'

 

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Die Hilfsbereite "VW Truppe"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

08. September, Kaunas / Litauen

 

Heute wird ein spannender Tag für uns, morgens wissen wir davon noch nichts.... Wir verlassen die Kurische Nehrung und das schöne Nida. Der Wetterbericht hat zwar Regen angesagt, aber die Sonne scheint, nur ein paar Wolken zieren den Himmel. Der Weg zur Fähre ist kein Problem und auch Klaipeda ist schnell durchquert. Wir wollen natürlich nicht die Autobahn nehmen, sondern parallel zur Nemunas (Memel) fahren. Dies ist zugleich die Grenze zur Russischen Enklave Kaliningrad, was mich ja bekanntermaßen irgendwie reizt. Also geht die Fahrt erst einmal gen Silute und dann nach Plaskiai. Diese Orte sind so klein, dass man sie nur nach längerer Suche auf der Karte findet. Plaskiai liegt direkt an der Memel und kurz vor Erreichen des Ortes wechselt der Belag auf Kopfsteinpflaster, aber das mit den großen runden Köpfen. Der kleine Corsa wird richtig durchgeschüttelt. "Wird sicher gleich wieder besser." Sage ich zu meiner Frau und ja, es wurde anders. Zunächst kamen aneinander gereihte Betonplatten mit circa 5 cm Abstand zueinander und auch die Verlegehaken schauten noch oben raus. Als ich noch so überlege, was wohl meine Reifen dazu sagen, wechselt der Belag abermals, diesmal zu groben Schotter. Der Corsa schwimmt auf dem Schotter, wie auf Schnee. "Jetzt bloß keine hektischen Lenkeinschläge" denke ich mir so. Die Straße führt direkt am Grenzfluss entlang und soll für die nächsten 20 km so weiter gehen. Rechts von uns die Memel und rechts von der Memel dann Russland. Einen Zaun können wir nicht entdecken, bis uns in regelmäßigen Abständen so komische Türme auffallen. Beim genauerer Betrachtung entdecke ich eine schwenkbare Kamera auf den Türmen, die uns im Visier hat und mit der Bewegung unseres Corsas mit schwenkt. Schlagartig kommen wir uns vor wie in einem James Bond Streifen und erwarten jederzeit die Jungs von der Grenzarmee. In Pagegiai, einem der Grenzorte zu Russland, merken wir dann, wie dicht wir an der Grenze waren. Nach einem obligatorischen Foto mit Klein Corsa an der Memel kommen wir wieder auf eine befestigte Straße, die an einem 'T' endet. Rechts geht es über die Brücke, an dessen Ende die russischen Grenzer sitzen, links die litauischen Grenzer. Irgendwie müssen wir ins 'Niemandsland' geraten sein.😳 Sorry, Jungs, wir wollten Euch keinen Ärger machen.

Eigentlich hatten wir nun für heute genug Spaß und wir entscheiden uns ab jetzt direkt nach Kaunas zu fahren. Der Weg führt uns dann doch weiter an dem Fluss entlang, jedoch mit etwas größerem Abstand und auf Asphalt, der zwar auch nicht immer prickelnd ist, uns aber wie Sänfte fahren vorkommt.

Beim Kilometerstand von 273733,1 haben wir in Siakai noch eine Kaffeepause gemacht, bevor wir gegen 16:30 bei Kilometerstand 273797,5 in unserem Hotel in Kaunas ankommen.

Nun beginnt ein ganz anderes Abenteuer. Nach dem beziehen des Zimmers, wollen wir noch in die Altstadt von Kaunas. Die nette Rezeptionistin sagt, per Auto sind das circa 5-10 Minuten. Hätte ich man darauf gehört... Wir aber wollen dem kleinen Diesel eine Pause gönnen, auch wenn der Liter Diesel hier nur 94 Cent inklusive Tankwartservice kostet. Ich denke meine Einstellung zu öffentlichen Verkehrsmitteln ist mittlerweile hinlänglich bekannt, aber das hier ist irgendwie anders, ein Elektrobus mit Oberleitung, genannt 'Trolly'. Wir nehmen die Linie 2 und auf meine Frage, ob der Bus in einer Runde fährt, wird von lächelnden Busfahrer bejaht.

Wir machen in aller Ruhe einen Stadtbummel und wollen dann so gegen 19:00 wieder zurück. Natürlich gehen wir zur Busstation, an der wir ausgestiegen sind und steigen selbstverständlich auch wieder in die Linie 2 ein, die ja im Kreis fahren soll. Zunächst kommt mir die Umgebung auch bekannt vor. Meine liebe Frau entdeckt sogar einen Opel Senator für mich am Straßenrand, aber irgendwie verändert sich das Umfeld. Immer mehr Fahrgäste steigen aus. Als ich auf die Idee komme mein Navi zu konsultieren, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. "Der fährt sicher gleich in die Runde" sage ich zu meiner Frau, als wir auf einen Kreisel zufahren. Aber Pustekuchen, der Bus fährt aus dem Kreisel direkt in eine Art Busbahnhof. Jetzt fällt meiner Frau auf, das wir wirklich die aller letzten Fahrgäste sind. Es kommt natürlich, wie es kommen muss. Der Bus hält an und der Busfahrer sagt, er habe jetzt Feierabend. Wir sind jetzt fast 10 km von unserem Hotel entfernt 😳😬 und 'Lost in Space'. Auch zwei weitere Busfahrer können uns nicht helfen. Später wird man uns im Hotel erzählen, dass viele Leute noch kein Englisch sprechen können, es aber nicht zugeben wollen. Na Klasse und jetzt?

Da werden wir uns wohl ein Taxi nehmen müssen, aber wie bekommen wir das hierher?

Da bemerke ich eine Gruppe von jungen Leuten, die bei ihren Autos stehen. Ich also hin da und die Jungs auf Englisch angesprochen. Glücklicherweise sprechen alle drei sehr gut Englisch. Man rät uns von hier ein Taxi zu nehmen. Einer der netten jungen Männer, ich weiß leider nicht einmal die Namen, bietet uns an das Taxi für uns zu rufen und dem Taxifahrer auch gleich die Adresse vom Hotel zu nennen. Zwei Anrufe später die Ernüchterung, es ist kein Taxi zu bekommen. Inzwischen sind wir gut im Gespräch und wir erzählen, dass wir dabei sind die Ostsee zu umrunden. Die drei jungen Männer beraten kurz auf Litauisch und schlagen uns vor uns zu unserem Hotel zu fahren. Jungs, wenn ihr diese Zeilen lest: "Many, many thanks to you! Perhaps, we can help you sometimes." Gesagt, getan, wir werden in einen zweitürigen Golf IV verladen und durch die halbe Stadt gekurvt. Dabei erfahren wir, dass die drei zur Alt-VW Szene von Kaunas gehören und mein Gesprächspartner erzählt mir, dass er einen Scirocco I hat. Im Hotel angekommen, wird mein Corsa dann auch interessiert unter die Lupe genommen und die Strecke anhand des Aufklebers studiert. Bei der Verabschiedung nenne ich den dreien noch unsere Homepage und man wünscht uns noch viel Spaß und Glück.🍀

So wurde dieses etwas unfreiwillige Zusammentreffen nicht nur zu einer inter-europäischen Verständigung, sondern auch einer Verständigung zwischen den Auto-Marken.

Nachdem wir nun morgen Litauen verlassen, möchte ich mich bei den Litauern bedanken. Wir sind fast überall sehr freundlich empfangen und bedient und worden. Wenn immer wir Hilfe brauchten, wurde uns geholfen. Litauen ist ein sehr schönes Land, in dem zwar noch viel getan werden muss, aber liebe Litauer, ihr schafft das, da bin ich mir ganz sicher. Wir werden Euch wieder besuchen...

   

09. September, Danzig

 

Heute Morgen ist die Nacht um 7:30 zu Ende. Das Hotel war zwar ganz toll, aber scheinbar haben wir mit den anderen Gästen immer etwas Pech. Dabei waren wir uns sicher, in einem vier Sterne Hotel ein etwas gediegeneres Publikum anzutreffen. Statt dessen war dort eine spanisch, italienisch und ungarische Jugendgruppe einquartiert. Lieber Leser, es kam natürlich, wie es kommen musste, wir haben erst um 2:00 Nachts das erste Mal die Augen geschlossen.😡 Das Hotelpersonal hat sich wirklich bemüht, aber auch die Rezeptionistin saß morgens mit ganz kleinen Augen hinter dem Tresen.

Pünktlich um 9:00, nach einem Check der Flüssigkeiten, nagelt der Diesel und es geht los.

Um 08:24 Uhr haben wir die Grenze bei dem Stand von 273889,3 Kilometern überschritten. Und nein, dass Ist kein Tippfehler, das Baltikum hat genau wie Finnland eine andere Zeitzone und so haben wir heute eine Stunde mehr Zeit zur Verfügung.

In Polen führt uns unser Weg vorbei an der Wolfsschanze, dem ehemaligen Führerhauptquartier. Spontan, wie wir sind, entschließen wir uns einen Stopp zu machen und das Museum zu besichtigen. Witziger weise treffen wir hier auf eine deutsche Schulklasse, die aus Sittensen kommt. Sittensen ist nur zwei Orte von unserem Heimatort entfernt. Über die Wolfsschanze selber kann und möchte ich nicht wirklich berichten, dass muss man erleben. Mich hat es emotional ziemlich berührt.

Ein Alt-Opel Kollege fragte mich mal ob einem gemeinsamen Bekannten Eckzähne wachsen, wenn er ins Auto steigt. Diesen Spruch fand und finde ich so gut, so dass er bei uns zum "Running Gag" geworden ist. Komischerweise steigt die Anzahl derer mit 'Eckzähnen' von Norden in Richtung Transsylvanien immer weiter an. So auch von Schweden über Finnland bis nach Polen. Soll heißen, hier wird geheizt, bis die Kolben um Gnade winseln. Für uns bedeutet das extrem umsichtig zu fahren. Genau bei 274000,0 Kilometern wäre es dann auch fast soweit gewesen. Mein Hintermann hält viel zu wenig Abstand, als ich stark abbremsen muss. Wir hören nur Quietschen und ein ABS einsetzen. Aber immerhin, oder zum Glück passt noch eine Zeitung dazwischen.

Das mit dem Drängeln, dicht auffahren und im Ort überholen war uns in Palanga (Litauen) auch schon einmal passiert, nur war das ein Polizeiwagen 😳, daher schreibe ich dies auch erst heute 😃.

Letztendlich sind wir sicher bei Kilometerstand 274271,9 in unserem Hotel in Danzig angekommen. Damit haben wir jetzt die 4.010,4 Kilometer erreicht.

Wir werden jetzt erst einmal selig schlafen nach der kurzen Nacht und dem um eine Stunde verlängertem Tag....

 

 

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Zwischenstopp in Bartenstein

 

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Etappenziel Danzig

Update:


Bei dem langen Tag und der zuvor kurzen Nacht, habe ich fast vergessen über die wunderschöne nord-östlich liegenden Masuren zu schreiben. Die Landschaft erinnert in Teilen immer wieder an Finnland und gehörte früher zu Ostpreußen. Unsere Reise entwickelt sich immer weiter zu einem Trip in die Geschichte des letzten Jahrhunderts, an die wir bei der Planung überhaupt nicht gedacht haben. Aber diese Geschichte, die auch eng mit Deutschland verknüpft ist, ist in dem Gebiet rund um Kaliningrad unübersehbar und irgendwie immer gegenwärtig. Die Masuren, das sind viele Seen, noch mehr Hügel und viele, viele kleine geschlängelte Straßen. Es macht einen enormen Spaß über die Straßen zu kurven und wie schon in Finnland giert der der kleine Opel nach den Kurven und Bergkuppen. Motorradfahrern sei jedoch zu erhöhter Aufmerksamkeit geraten, denn der Straßenbelag lässt sehr oft zu Wünschen übrig und so ist diese Strecke leider auch einmal mehr ein Stossdämpfer Test. Dem Spaß im Corsa tut der Sache aber keinen Abbruch. Sommer, Sonne, Schiebedach auf, was will man mehr. Was stört da schon ein gelegentlicher Regenschauer? Ich kann nur immer wieder betonen, es gibt bis jetzt nicht einen Kilometer dieser Tour, bei dem ich sagen würde, den würde ich nie wieder fahren. Erleben kann man ein Land auch nicht auf einer Autobahn, dazu muss man, wie wir, über die Dörfer abseits der Touristenrouten fahren. Da trifft man auch heute noch, wie wir in Litauen, auf Pferdefuhrwerke oder auf alte Menschen, die vor ihren Häuser auf den Stufen sitzen und sicher die ein oder andere Geschichte erzählen können.

Langsam neigt sich unsere Fahrt dem Ende zu. Heute wird Danzig besichtigt und dann geht es morgen ja schon an der polnischen Ostseeküste entlang nach Usedom. Ich bin gespannt und neugierig, was uns da noch für letzte 'Abenteuer' erwarten...

 

 

 

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Impressionen aus Danzig...

 

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...

 

 

10. September, Danzig

 

So ganz allmählich geht unsere Reise dem Ende entgegen. Das Auto wird, nicht nur von außen, immer dreckiger, aber der Corsa hat heute eh wieder Pause. Langsam wird mir der kleine Motor unheimlich, wir haben ja gestern die 4000 Kilometer Grenze geknackt und beim Check der Flüssigkeiten steht fest, dass der kleine Diesel, bis jetzt, vielleicht 0,1 Liter Motoröl verbraucht und 0,2 Liter Kühlwasser verloren hat.

Der heutige Tag fängt, wie sollte es auch anders sein, mit einem sehr guten Frühstück an. Nach der kurzen Nacht zuvor habe ich diesmal auch wirklich ausgeschlafen und los geht es, mal wieder, mit den von mir ziemlich skeptisch beäugten öffentlichen Verkehrsmitteln. Diesmal bereiten wir uns aber besser vor. Die Dame an der Rezeption wird um einen Plan gebeten und die Strecke mit sämtlichen Zwischenstationen markiert. Außerdem erkundigen wir uns nach den Endbahnhöfen um eine Pleite wie in Kaunas zu vermeiden. Nach kurzer Orientierung finden wir dann auch den Bahnhof und sogar das Gleis. Positiv fällt auf, dass der Fahrkartenautomat in drei Sprachen arbeitet, darunter auch Deutsch...

Danzig ist zwar nicht die Hauptstadt Polens, aber die vierte größere Stadt im ehemaligem Ostblock, die wir besichtigen. Tallinn und Riga waren ja schon tolle Städte, aber die Altstadt von Danzig spielt in einer ganz anderen Liga. Selten haben wir eine so hübsche Altstadt gesehen und das, obwohl diese 1945 ziemlich durch Bomben zerstört wurde. Es ist ein wahrer Augenschmaus durch die Straßen zu bummeln. Viele Cafés säumen die Straßenränder und laden zum Verweilen ein. Um dieses Flair auch nur ansatzweise einzufangen und in den Blog zu bekommen, muss Matthias heute mal wieder ein paar Bilder mehr einstellen. Wenn man darauf verzichtet in Museen zu gehen, schafft man es auch durch die Altstadt zu kommen. Ansonsten sollte man hier drei bis vier Tage einplanen. Wir haben auch auf den Guide verzichtet, haben jedoch gelegentlich bei einer Gruppe zugehört. Zwei Highligts konnten wir dadurch ausmachen. Zum einen Europas größter Backstein Dom und das goldene Haus. Wobei das goldene Haus ganz nett ist, aber in dieser tollen Straße eigentlich gar nicht weiter heraus sticht.

Wo Licht ist, ist auch Schatten und damit meine ich nicht den Schatten, den das Sonnenlicht auf die Hausfassaden zaubert. Es ist etwas nervig, ständig angesprochen zu werden, ob man Geld tauschen oder doch ins Restaurant kommen möchte. Beides immer mit dem Hinweis: "Special offer, only for you" ...

Das mit dem Geld tauschen sollte man sich sehr gut überlegen und war für uns natürlich keine Option. Es wird schon seinen Grund haben, warum die Polizei fast überall präsent ist und auch oft kontrolliert. Trotzdem gibt es keinen Grund sich unsicher zu fühlen, Danzig ist nicht sicherer oder unsicherer als Hamburg oder Bremen.

Im Gegensatz zu Riga sind die Eintrittspreise, wenn es überhaupt welche gibt, sehr, sehr moderat und auch der Besuch eines der Restaurants reißt kein großes Loch in die Reisekasse.

Gegen Nachmittag hat unsere Speicherkarte im Kopf ihren maximalen Füllstand erreicht und wir machen uns auf den Weg ins Hotel. Erstaunlicherweise finden wir auch unseren Zug nach nur zwei Fragen und kommen dann auch wohlbehalten in unserer 'Willa' wieder an.

Jetzt heißt es schnell schlafen, denn morgen geht es zeitig auf die vorletzte Etappe...

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11. September, Usedom

 

bei bestem Wetter sind wir in Danzig um 8:30 Uhr gestartet. Bis Koszalin sind wir, um Kilometer zu schaffen, auf der Hauptstraße geblieben. Dann soll es via Kołobrzeg (Kolberg) an die Ostsee gehen. Eigentlich hatte ich gedacht quer, auf direktem Weg, dorthin zu gelangen. Leider habe ich das erste Mal auf der Tour nicht aufgepasst und unsere Natascha (Das Navi, benannt nach einem Hilfesystem in russischen Flugzeugen) leitet uns weiter auf der Hauptstraße Richtung Kołobrzeg. Also anhalten und Natascha davon überzeugen, so zu fahren, wir ich es will. Erst als ich die Option kürzeste Strecke nehme, nutzt Natascha nicht weiter die Hauptstraße. Nur habe ich dabei wohl übersehen, dass Natascha dabei wirklich jeden, ich meine so wirklich jeden Weg benutzt. Da führt der Weg in Polen auch schon mal direkt über den Bauernhof. Macht nichts, der Weg sehr interessant, aber über die Qualität brauche ich glaube ich kein Wort zu verlieren. Es soll ja den Einen oder Andern geben, der in Kolberg kurlaubt, denen werden wir definitiv keinen Platz wegnehmen, aber Richtung Reval wird es sehr viel schöner. In Pobierowo finden wir ein schnuckeliges Restaurant und hauen unser letztes polnisches Geld auf den Kopf. Immerhin sind es bis zu unserem nächsten Hotel nur noch 60 km und der Tank ist voll, also schlagen wir nochmal so richtig zu. Nun ist es so, dass weder meine bessere Hälfte noch ich besonders auf Knoblauch stehen, also sagt sie bei der Bestellung "Please without garlic". Was die freundliche Kellnerin da verstanden hat, weiß ich zwar nicht, aber in dem Essen war wohl eher eine extra Portion Knoblauch. Vielleicht braucht man das hier, um die Fahrer mit den Eckzähnen im Zaun zu halten, vermute ich. Na ja, Vampire machen heute Nacht auch einen großen Bogen um uns. 😃

Auf dem restlichen Weg fahren wir noch durch ein Naturschutzgebiet, als eine halbe Rotte Wildschweine auf die Idee kam auf der Straße zu verweilen. Glücklicherweise bin ich langsam unterwegs und so kann die Bache mit ihren Frischlingen verschwinden. Und so rückt Swinemünde Kilometer für Kilometer näher. In Swinemünde angekommen, suchen wir ohne Erfolg die Altstadt, also fahren wir zur Fähre. Diese Fähre ist für alle PKW kostenfrei, wie machen die das nur, die Polen? Und so nutzen wir bei dem Kilometerstand von 274621,5 km das letzte Mal auf der Tour dieses Transportmittel. Der Rest ist schnell erzählt. Nur neun Kilometer weiter erreichen wir die Grenze zu Deutschland und bei 274635,5 Kilometer sind wir am Hotel. Jetzt heiß es sich erst einmal wieder an die hiesigen Preise zu gewöhnen.

Heute gibt es leider keine Bilder, weil das Internet hier zu langsam ist. Dafür gibt es morgen dann denn letzten Blog aus der Heimat....

 

 

12. September. Wiegersen

 

Liebe Alt-Opelaner,

 

wir sind heute nachmittag wieder wohlbehalten zu Hause eingetroffen. Wie schon erwartet, verläuft das letzte Stück ziemlich unspektakulär. Der Corsa springt, wie auch schon die letzten Tage, sehr gut an und die heutige Strecke ist mit knapp 420 Kilometern (fast nur Autobahn) eigentlich auch nicht mehr schlimm. Deshalb, und weil wir gerade dort in der Nähe sind, machen wir noch einen Abstecher nach Peenemünde und sehen uns das U-Boot U-461 an. Diese Besichtigung fällt in die Kategorie "Hier kommen wir so schnell nicht wieder her ...", dient aber in Wirklichkeit dazu einen Stau zu umfahren. Ich weiß nicht woran es liegt, aber nach dieser Tour ist das Autofahren auf unseren Autobahnen irgendwie, sagen wir mal, unangenehm und ich muss mich zunächst wieder daran gewöhnen. Vielleicht liegt es an einem nicht vorhandenen Autobahn-Tempolimit oder es liegt daran, dass ich keinen 'Auslandsbonus' mehr habe. Da wird gerast, gedrängelt und mit Lichthupe von der Bahn gescheucht. Ich lass das mal unkommentiert, warum das so ist....

 

Die Daten:

Anzahl der Tage :                  22

Anzahl der Länder :                7

Anzahl der Fähren :                5

Anzahl der Mautpfl. Brücken :  2

Anzahl der Hotels :                 9

Anfangskilometerstand :         270261,5

Endkilometerstand :               275082,9

Anzahl der Kilometer :           4820,4

Ölverbrauch in Litern :           ca. 0,4

Kühlwasserverlust in Litern :  ca. 0,6

Diesel in Litern :                    235,99

Verbrauch L/100km :            4,896

Pannen :                              KEINE

Anzahl der Bilder :                2678


Fazit:

Anfangs war die Rede von einem Abenteuer, besonders mit dem Opel Corsa B. Zumindest, was den kleinen Corsa B Turbo Diesel angeht, war das nie wirklich ein Abenteuer. Diese Reise zeigt jedoch ziemlich eindrucksvoll, wozu Opel Fahrzeuge bei guter Pflege selbst mit hohen Laufleistungen fähig sind! Gute Pflege bedeutet zum Beispiel die Wartungsintervalle einzuhalten, auf 'komische' Geräusche zu achten, kleinere Reparaturen durchzuführen und nicht zuletzt das Auto auch mal von innen und außen zu reinigen. Kurzum, die gleiche Pflege und Wartung, die man auch einem neuen Auto angedeihen würde, dann läuft selbst ein 'Lopez' Corsa B wie ein Schweizer Uhrwerk.

Das man auch mit einem 18 Jahre altem 67 PS starken (oder auch schwachen) (H), Corsa B seinen Spaß haben kann, konnte der Leser dieses Blogs, glaube ich zumindest, ganz gut erkennen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, indem ich sage, in den von uns durchreisten Ländern reichen 67 Diesel PS völlig aus um im Verkehr mit zu schwimmen. Und jaaa, es hat einen Riesen Spaß gemacht. Ich würde diese Reise jederzeit wieder in dem Corsa unternehmen, auch wenn man oft wegen des mangelnden Komforts belächelt wird, aber das hat meiner Meinung nach gerade den Reiz ausgemacht. Wobei der Corsa für 2 Personen innen mehr Platz bietet, als manch ein modernes Fahrzeug. Alles andere kann man in der heutigen Zeit mit sehr wenig Aufwand in einem Handy mitnehmen: Navigation, Stauwarner, Fotoapparat und so weiter. Selbst das Internet ist heutzutage kein Problem mehr. Wobei uns aufgefallen ist, dass wir selbst an der Russischen Grenze besseres Netz hatten, als auf weiten Teilen der deutschen A20.

Ganz wichtig ist die minutiöse Vorbereitung eines solchen Trips. Das fängt beim Informieren auf den Seiten des Auswärtigen Amtes an, geht über das rechtzeitige Buchen der Hotels, das Vorbereiten des Autos bis hin zum Vertraut machen mit den Landessitten. Werden alle diese Punkte beachtet, steht einem tollen, zu Weilen auch abenteuerlichen und erholsamen Urlaub nichts im Wege.

Bei mir geht es jetzt in die Nachbereitung. Bilder sortieren, Karten scannen und Andenken archivieren. Was hoffentlich bleibt, ist die Erinnerung an etwas ganz Besonderes ...

Bleibt nur noch mich von allen Lesern zu verabschieden und zu bedanken, dass ihr meine Berichte nebst der vielen Fehler ertragen habt. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, die Erlebnisse nieder zu schreiben.

Ein besonderer Dank geht an meine Frau, die mich beim Schreiben 'ertragen' hat, an Stefan Heins, der jetzt 'Den Zuverlässigen' fertigstellen darf, Matthias Göbel, der sicher manches Mal im Stress war, wenn meine Berichte eingetrudelt sind und auch an Dieter Budke, der mir im Falle eines Falles entsprechende Corsa B Hilfe zugesagt hatte. Die nächste Reise mit diesem Corsa B geht dann vielleicht in den Süden ....

 

Liebe Grüße, wieder aus Wiegersen

Rolf Neumann

 

1._letzter_blick_auf_die_polnische_ostsee_265

Letzter Blick auf die polnische Ostsee

 

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Die kostenfreie Fähre über die Swine

 

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Das letzte Hotel

 

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U-461

 

5._klein_corsa_nach_der_dusche_265

Klein-Corsa nach der Dusche

 

26. September, Wiegersen

 

Nachgang:
Im Nachhinein erreicht mich ein Schreiben aus Stockholm, dessen Inhalt uns dazu veranlasst, auf dem Boden zu liegen und vor Lachen zu trommeln. Was war passiert? Schweden hat seit Anfang diesen Jahres die City-Maut für Stockholm auch für andere europäische Autos eingeführt. Soweit war uns das bekannt, aber dass eine Behörde versucht 2,14 € einzutreiben, dass ist schon fast nicht mehr witzig sondern traurig. Damit wir uns nicht falsch verstehen, grundsätzlich ist es ok, derartige Gebühren und Strafen aus dem Ausland einzufordern, jedoch nicht bei der Summe. Das ermitteln des Fahrzeughalters, das Schreiben der Rechnung und das Versenden der Rechnung aus Schweden kostet doch geringfügig mehr als die schon erwähnten 2,14 €. Tja, auch in Schweden wiehert der Amtsschimmel….
 

 

   

 

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