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Ein „Diplomat“ von Opel berichtet - Rhein-Main auf Reisen im Elsass, 23. – 27.09.2014


Es ist noch früher Morgen, als ich geweckt werde. Garagentor auf, mit einer Reisetasche und Kamera werde ich beladen, dann geht es auch schon auf die A 45. Stau auf der A3 und dann merke ich, wie der Gasfuß mein Pedal etwas kräftiger tritt. 150km/h, linke Spur. Wir sind wohl spät dran. Aber wohin es geht, weiß ich immer noch nicht. Abbiegen auf die Bundesstraße und dann sehe ich durch meine großen Scheinwerfer das Ortsschild „Nierstein“. Und gleich darauf einen meiner Verwandten, einen gelben Admiral, mit einem Plattfuß am Straßenrand. Gut, dass es mich nicht erwischt hat. „Ich bin gleich fertig!“ ruft er mir zu, als ich vorbeirolle. Vier eifrige Hände wechseln seinen Reifen.

Ich fahre auf das Gelände des dortigen Opel Autohauses und dort stehen sie, Kadett, Manta & Co. Ich parke neben einem Kadett. Die Fahrerteams begrüßen sich und auch wir alten Opel freuen uns auf das Wiedersehen.

Fritz Schäfer, unser Stammtischfreund, verabschiedet uns und verteilt Reiseproviant an die Teilnehmer. „Hallo und wo bleiben wir?“ möchte ich rufen. Typisch. Wir machen die Arbeit…

In einem kleinen Konvoi fahren wir gen Süden. In dem kleinen Städtchen Kandel nahe der Grenze machen wir Rast. Hierher hat unser Organisator Norbert Eickermann die örtliche Presse eingeladen. Ein kleines Interview wird gegeben und der 62iger Kapitän darf sogar zeigen, was er unter seiner majestätischen Haube hat. – Während sich unsere Teams die Gulaschsuppe schmecken lassen, halten wir ein Schläfchen in der Septembersonne.

Weiter geht es auf kleinen Straßen nach Frankreich. Dort sind die Straßen auch nicht besser als bei uns. Meine Stoßdämpfer bestätigen das bei jedem Schlagloch.

Jetzt sehe ich aus dem Winkel meiner Scheinwerfer das Schild „Route des Vins d’Alsace“, elsässische Weinstraße. Das ist also unser Ziel. Die Dörfer, durch die wir fahren, werden zunehmend bunter. Blumen überall an den Häusern, auf Plätzen und an Brückengeländern. Wenn nur diese Bodenwellen nicht wären! Zwar warnt uns das Schild „Rappel“, aber ich mag sie trotzdem nicht. „Vorsicht!“ rufe ich meinem Fahrer zu, „da rappelt’s schon wieder“. Also Vorderachse hoch, Hinterachse hoch…

In Bergheim haben wir unser Ziel erreicht. Domizil ist ein altes Weingut mitten im Ort. Dort beziehen die Stammtischler für die nächsten paar Tage Quartier und lassen sich abends von leckeren Menüs und Weinen verwöhnen, während wir etwas abseits hinter dem Weingut stehen und uns der Weingeruch um den Kühlergrill weht. „Super“ wäre mir jetzt lieber.

Am nächsten Morgen starten wir nach Colmar. Nach ein paar Runden durch die Altstadt, damit wir Autos diese schöne alte Stadt auch einmal gesehen haben, parken wir die nächsten Stunden in der Dunkelheit einer Tiefgarage.

Die Besucher aus Deutschland besichtigen währenddessen mit einem kleinen Bähnchen die Altstadt von Colmar, den Dom und fahren mit einem kleinen Kahn auf der Lauch. Natürlich hat „Monsieur Norbert“ auch hier für das leibliche Wohl gesorgt: in einem urigen Restaurant wird das traditionelle „elsässische Sauerkraut“ serviert.

Am Abend gibt es in Bergheim eine Weinprobe im Weingut. Für die meisten von uns bedeutet das zusätzliches Gepäck auf der Rückfahrt. Aber wir werden den Wein schon schaukeln.

 

 

 

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Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Besuchs von Mulhouse. Wir starten früh und sind die ersten Besucher auf dem Parkplatz an der „Cité de l’Automobile“, die auch die Bugatti-Sammlung der Schlumpf-Brüder beherbergt. Nein, wir Klassiker dürfen hier nicht hinein. Also legen wir eine Rast unter Bäumen ein, die erst noch Bäume werden wollen.

Im Museum selbst gibt es die Geschichte des Automobils zu sehen, von kutschenähnlichen Fahrzeugen bis hin zu eleganten Klassikern und Rennwagen. Auch ein moderner Bugatti Veyron dreht seine Runden auf einer Plattform. Und Vertreter unserer Marke? Es gibt Käfer und Trabi, aber Opel? „Nein“, sagt Monsieur Jean-Paul, der die Alt-Opelaner mit Herzblut durch die Ausstellung führt, „nein, Opel haben wir nicht“. Und doch schauen ein 1,3 Liter und ein Super 6 von einem Hintergrundplakat unbemerkt auf die Ausstellungsstücke herab.

In der Zwischenzeit haben sich auch einige Porsche einer Touristengruppe auf dem Parkplatz vor dem Museum eingefunden. Bei ihrer Abfahrt wirft mir ein Porsche einen bemitleidenswerten Blick zu. Als sich die Fahrzeuge dann bei der Ausfahrt des Parkplatzes selbst blockieren, weiß ich, was er meinte. Auch ein Porsche hat es nicht immer leicht. Wir fahren nur ein paar Kilometer weiter in ein Eisenbahnmuseum.

Das Museum gibt einen guten Überblick über die letzten Jahrzehnte französischer Eisenbahn, von der Dampflok bis zur modernen Elektrolok. Nein, Bekanntschaft möchte ich mit einem derartigen Koloss nicht machen. Da ziehe ich den Kürzeren. So denken auch die anderen und wir warten in sicherer Entfernung.

An frühes Aufstehen habe ich mich mittlerweile gewöhnt und so fahren wir am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein an unzähligen Weinbergen vorbei in die Hügel hinter Bergheim. Serpentinen! Ich liebe Serpentinen. Belohnt wird die Kletterei mit einem wunderschönen Blick durch meine Scheinwerfer in die Rheinebene. Und am Ende der Straße thront eine große Burg – die Haut Koenigsbourg.

Ihre lange Geschichte vom Mittelalter bis in die Neuzeit, vom Niedergang bis zur Rekonstruktion durch Kaiser Wilhelm wird unseren Teilnehmern bei einer Führung anschaulich dargebracht.

Anschließend geht unsere Fahrt weiter nach Riquewihr. Als wir am Rathaus vorbeifahren, fangen Passanten plötzlich an zu klatschen. „Standing Ovations“ für uns alte Opel! Stolz recken wir uns etwas mehr aus den Schraubenfedern und lassen unseren Chrom in der Mittagssonne besonders blitzen. – Ich finde einen Parkplatz außerhalb der Stadtmauer zwischen zwei Kleinwagen. „Bon Jour, Mademoiselle Peugeot, Dobrý den, Pan Škoda“. Sie grüßen zurück.

Nachdem sich die Alt-Opelaner gestärkt und sich den alten Weinort Riquewihr angesehen haben, fahren wir auf malerischen Straßen auf dem „5-Burgen-Pfad“ durch die Vogesen zurück.

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen vom Elsass. Hinter der Rheinquerung bunkern wir Autos erst einmal Sprit, bevor wir den Anstieg in den südlichen Schwarzwald beginnen. Nach einer ausgedehnten Mittagspause bleibe ich noch einige Kilometer bei den anderen, die dann über Karlsruhe nach Hause fahren. Ich lasse es jetzt etwas ruhiger angehen und fahre gemächlich durch Schwarzwald und den Odenwald nach Hause.

Dort werde ich bereits von den anderen Opel in der Garage freudig begrüßt. „Schön, dass Du wieder da bist. Erzähle…“ Zu erzählen habe ich viel. Und ich freue mich schon auf das nächste Mal.

 

Aufgeschrieben von Andreas Beck *3242

 

 

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